MIPTV © DWDL.de
Es gibt keinen Nachholtermin

Bestätigt: Fernsehmesse MIPTV 2020 ist offiziell abgesagt

 

Seit Tagen wurde in der TV-Branche über die Absage der Fernsehmesse MIPTV Ende des Monats im französischen Cannes spekuliert. Jetzt ist entschieden: Die MIPTV 2020 findet nicht statt. Die Bestätigung kam am Mittwochabend.

von Thomas Lückerath
04.03.2020 - 19:01 Uhr

Veranstalter Reed Midem gab am frühen Mittwochabend bekannt, dass die MIPTV 2020, die vom 30. März bis 2. April in Cannes stattfinden sollte, aufgrund von Bedenken im Zusammenhang mit dem Coronavirus abgesagt wurde. Auch die Begleitveranstaltungen MIPDoc und MIPFormats, die am Wochenende zuvor (28. bis 29. März) geplant waren, finden nicht statt. Eine Entscheidung über die bereits seit Tagen spekuliert worden war, nachdem bereits zahlreiche Aussteller und Besucher nicht nur aus asiatischen Ländern ihre Teilnahme an der Frühjahrsausgabe der TV-Messe abgesagt hatten.



Canneseries, die dritte Ausgabe des Serien-Festivals, das eigentlich parallel zur MIPTV stattfindet, soll nun im kommenden Herbst parallel zur vom 9. bis 14. Oktober geplanten MIPCOM stattfinden. Erwartungsgemäß gibt es aufgrund dieser Herbstausgabe der Fernsehmesse auch keinen Nachholtermin für die MIPTV 2020. Stattdessen soll die schon für dieses Jahr runderneuerte Frühjahrsmesse im April 2021 ihre Premiere feiern, genauer vom 12. bis 15. April 2021, dann auch schon begleitet vom nächsten Canneseries-Festival.
 
"Im aktuellen Kontext haben viele unserer Kunden Bedenken hinsichtlich des Reisens zu diesem Zeitpunkt geäußert. Eine Neuplanung von MIPTV in den kommenden Monaten ist nicht möglich. Daher ist es am besten, MIPTV für 2020 abzusagen“, erklärt Paul Zilk, Chief Executive von Reed MIDEM. "Das Wohl unserer Kunden, Partner und Mitarbeiter hat für uns Priorität. Wir danken den Kunden für ihre Unterstützung und ihren konstruktiven Beitrag in dieser herausfordernden Zeit."

Seit Tagen war schon klar, dass die MIPTV 2020 nicht stattfinden wird. Doch eine offizielle Bestätigung blieb aus, weil lange nicht klar war, ob sich die von der französischen Regierung beschlossenen Maßnahmen - inklusive einem "vorübergehenden" Verbot von Großveranstaltungen - auch auf die Fernsehmesse auswirken würde. Versicherungstechnisch war das jedoch für Veranstalter Reed Midem eine wichtige Formalität und Voraussetzung für eine Absage. Eine ähnliche Situation zögerte im Februar auch die offizielle Absage der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona tagelang hinaus.

Abgesehen von chinesischen Firmen bzw. Gästen, deren Fernbleiben der MIPTV in Cannes ohnehin schon länger bekannt war, haben nach Informationen des Medienmagazins DWDL.de bis Mittwoch bereits mehr als ein dutzend weitere Aussteller den Messeveranstalter darüber informiert, Ende März aufgrund des Corona-Virus nicht wie geplant nach Frankreich zu kommen. Dazu kamen erwartbare Besucherausfälle auf der Einkäuferseite durch Reiserestriktionen, Reiseverbote und besorgte, freiwillige Absagen. Damit war bereits klar, dass die Neuaufstellung der MIPTV unter keinem guten Stern stehen würde.

Reed Exhibitions, die Mutterfirma hinter MIPTV-Veranstalter Reed Midem, hatte früher an diesem Mittwoch auch die für kommende Woche geplante London Book Fair abgesagt und seit dem Wochenende wurden ohnehin zahlreiche weitere Veranstaltungen, die noch weiter in der Zukunft liegen als die MIPTV, vorsorglich abgesagt oder verschoben. Für die MIPTV ist der Ausfall in diesem Jahr jedoch bitter. Nicht wenige Besucher der beiden Fernsehmessen in Cannes hatten zuletzt ohnehin kritisiert, dass in Zeiten des intensiven digitalen Austauschs auch eine einzige TV-Messe im Jahr an der Côte d’Azur reichen würde. 2020 wird jetzt auch ein Test für diese These und die MIPTV 2021 eine noch größere Herausforderung.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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