Klaas Heufer-Umlauf © Screenshot ProSieben
Statement nach Fake-Vorwürfen

Klaas Heufer-Umlauf entschuldigt sich "ohne jede Ironie"

 

Knapp eine Woche nach Bekanntwerden der Fake-Vorwürfe gegen Joko und Klaas hat sich Klaas Heufer-Umlauf in seiner ProSieben-Show ausführlich zu Wort gemeldet. Dabei räumte er Fehler ein, verteidigte aber manches Vorgehen, das der Unterhaltung diente.

von Alexander Krei
10.03.2020 - 00:20 Uhr

Ausgerechnet an jenem Tag, an dem bekannt wurde, dass Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf für ihre 15 Live-Minuten mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet werden, crashte ein junges NDR-Team des funk-Magazins "STRG_F" die Party und zählte auf, dass in Shows des Duos nicht alles so stattfand wie es den Anschein hatte. Die Antwort von ProSieben kam einige Stunden später leicht verschnupft daher und auch auf Seiten der Produktionsfirma übte man sich bei der Einordnung des halbstündigen Beitrags mitunter in Ironie.

Tatsächlich wirkte bei genauerem Hinsehen längst nicht alles so sensationell wie es die Vorwürfe anfangs nahelegten. Manches jedoch, etwa ein inszenierter Fahrraddiebstahl, kratzte trotzdem am Image des beliebten Duos. In seiner ProSieben-Show "Late Night Berlin" hat Klaas Heufer-Umlauf am Montagabend nun Fehler eingeräumt – und zwar weitaus ernster, als das nach den Statements der vergangenen Woche erwartet werden konnte. "In einzelnen Fällen" sei man über das Ziel hinausgeschossen, erklärte der Moderator. 

Als Beispiel nannte Heufer-Umlauf den Fake-Dieb. "In diesem Fall haben wir deutlich so anders dargestellt, dass man es auch nicht so einfach mit einem 'Ist ja nur Unterhaltung' wegwischen kann. Ich kann auch jeden verstehen, der davon enttäuscht wurde. Dafür möchte ich mich ernst gemeint und ohne jede Ironie entschuldigen. Das war ohne Wenn und Aber ein Fehler und wird so auch nicht mehr vorkommen." Die Fehler seien jedoch "nicht aus purem Zynismus, Zuschauerverachtung oder Faulheit gemacht" worden. "Es gab Einzelfälle, bei denen wir nicht einsehen wollten, dass die Realität weniger spannend ist als das, was wir gerne auf der Showbühne sehen." 

Gleichzeitig verteidigte Klaas Heufer-Umlauf das Vorgehen, Dinge zu verkürzen oder für eine bessere Pointe zu überspitzen. "Vieles, was in Fernsehstudios passiert, und vieles, was in dieser Reportage aufgezählt wurde, ist völlig zu Recht Teil einer Inszenierung namens Entertainment, die das Ziel verfolgt, Witze möglichst gut zu erzählen, Sie zu unterhalten und abzulenken. Und das ist auch genau gut so", betonte er – und fand bei aller Ernsthaftigkeit abschließend dann doch noch in die Humorspur zurück: "Nächste Woche ist die Verhandlung bei Richter Alexander Hold. Ich hab mir schon mal 'nen Rollator besorgt zur Sicherheit."

Statement von Klaas Heufer-Umlauf im Wortlaut

"Natürlich war unser erster Reflex zu sagen: 'Ja, wir machen wir hier ja nur Quatschfernsehen. Um Gottes Willen, wir sind ja keine Journalisten, die ausschließlich der Wahrheit verpflichtet sind. Wir sind Joko und Klaas, wir haben haben uns den Mund zugenäht, wir haben uns einen Donut in die Stirn gespritzt. Wir machen keine Dokumentationen, keine Reportagen und wir zeigen auch Sachen, die Sie und Euch aus dem Alltag rausreißen sollen.' Das ist das Hauptziel. Dabei übertreiben und dramatisieren wir, für eine bessere Pointe überspitzen oder verkürzen wir Sachen, stellen sie manchmal auch spektakulärer dar, als sie in der Realität stattgefunden haben. Das gilt für unsere Einspielfilme genauso wie für unsere Show selbst. Ich weiß nicht, ob Ihnen das aufgefallen ist, aber hier im Fernsehstudio sind immer alle sehr gut gelaunt. Immer. 

Auch das Publikum – die klatschen auch, wenn sie einen Gast eigentlich Scheiße finden. Auf der Bühne wird manchmal Playback gesungen, meine Gags werden zum großen Teil von Autoren geschrieben, die trotzdem hier nicht neben mir stehen, sondern mit 'ner Flasche Heroin ganz normal in ihrem Zimmer vorm Computer sitzen. Vieles, was in Fernsehstudios passiert, und vieles, was in dieser Reportage aufgezählt wurde, ist völlig zurecht Teil einer Inszenierung namens Entertainment, die das Ziel verfolgt, Witze möglichst gut zu erzählen, Sie zu unterhalten und abzulenken. Und das ist auch genau gut so.

Trotzdem – und das will ich hier klar und deutlich sagen – sind wir in einzelnen Fällen über dieses Ziel hinausgeschossen. So zum Beispiel beim Fahrraddieb. Alles war so schön geplant, so schön vorbereitet. Nur eines, das konnten wir wirklich nicht ahnen, dass ausgerechnet in dieser Nacht in Berlin keiner kommt, um ein Fahrrad zu klauen. Und unserer ist dann dummerweise nochmal zurückgelaufen, weil er vergessen hat, sich seine Gage abzuholen. Dumm. In dem Fall haben wir deutlich so anders dargestellt, dass man es auch nicht so einfach mit einem 'Ist ja nur Unterhaltung' wegwischen kann. Ich kann auch jeden verstehen, der davon enttäuscht wurde. Dafür möchte ich mich ernst gemeint und ohne jede Ironie entschuldigen. Das war ohne Wenn und Aber ein Fehler und wird so auch nicht mehr vorkommen.

Wir und jeder Einzelne, der mit uns an unseren Shows arbeitet, liebt das Fernsehen, liebt es, möglichst spektakuläre Dinge, lustige oder auch superdumme Sachen zu präsentieren. Die Fehler, die wir dabei gemacht haben, haben wir nicht aus purem Zynismus, Zuschauerverachtung oder Faulheit gemacht. Es gab Einzelfälle, bei denen wir nicht einsehen wollten, dass die Realität weniger spannend ist als das, was wir gerne auf der Showbühne sehen.

Wie geht’s jetzt weiter? Das ist eine berechtigte Frage. Nächste Woche ist die Verhandlung bei Richter Alexander Hold. Ich hab mir schon mal 'nen Rollator besorgt zur Sicherheit."

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