Leeres DSDS-Studio © TVNOW / Stefan Gregorowius
Wirbel um Drehgenehmigungsverbot

TV-Shows und Corona: So steht es um "DSDS" & Co.

 

Ein Schreiben der Stadt Köln sorgte bei Show-Produzenten für Fragezeichen. Nun steht fest: Shows wie "The Masked Singer" und "DSDS" können weiter produziert werden. Allerdings gibt es einige zusätzliche Auflagen.

von Alexander Krei
17.03.2020 - 15:42 Uhr

Die Stadt Köln hat die Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus in den vergangenen Tagen massiv verschärft. Darunter fällt seit dem Wochenende auch das Verbot von Veranstaltungen. Unter Fernsehmachern sorgte insbesondere ein am Montag verschicktes Schreiben der Stadt für Verwirrung, wonach das Verbot auch Dreharbeiten betreffe. "Im Klartext bedeutet das also, dass Dreharbeiten jeder Art bis zum 10. April 2020 zu unterlassen sind und bisher erteilte Genehmigungen ihre Gültigkeit verlieren", heißt es in dem Schreiben, das dem Medienmagazin DWDL.de vorliegt.

Völlig unklar war zunächst, was das insbesondere für die Produktion von Fernsehshows bedeutet, die bereits seit einigen Tagen ohne Publikum auskommen. Die gute Nachricht für Sender und Show-Produzenten: Die Produktionen dürfen weiterhin wie geplant stattfinden. Die Ergänzung, wonach Drehs auch auf Privatgeländen verboten sind, "hat für uns keine Relevanz, da wir zweifelsohne eine gewerbliche Einrichtung sind", erklärte Nico Roden, Director Sales & Production beim Kölner Studiobetreiber MMC, auf DWDL.de-Nachfrage.


In einer Mail an die Produktionspartner erklärte die MMC zudem noch am Montagabend, dass Produktionen auf dem MMC-Gelände nach Rücksprache mit den Behörden nicht von dem Drehgenehmigungsverbot betroffen seien. Zugleich kündigte der Dienstleister jedoch zusätzliche Auflagen an. So darf ab sofort während Aufzeichnungen und Live-Show keine Person mehr auf einem Publikumsplatz sitzen. "Dabei spielt es keine Rolle, ob Team oder Nicht-Team", heißt es. "Das Coloneum ist ab jetzt eine reine Arbeitsstätte."

Alle Produktionen seien angehalten, die Anzahl der Anwesenden "auf das absolute Minimum zu reduzieren und nur den unmittelbar am Herstellungsprozess Beteiligten Zutritt zu gewähren", teilte der Studiobetreiber den Produzenten mit. Zu diesem Zweck sollen an den Türen des MMC-Hauptfoyers entsprechende Eingangskontrollen erfolgen. Auch Journalisten können durch diese verschärfte Regelung somit nicht mehr aus dem Studio berichten - auch das wurde zuletzt noch mitunter anders gehandhabt.

Ein Sprecher der Stadt Köln bestätigte auf Nachfrage, dass die Allgemeinverfügungen der vergangenen Tage nicht den generellen Betrieb von Produktionsfirmen untersagen - sofern sie auf Publikum vor Ort verzichten. "Nur das für die TV-Produktion unbedingt notwendige Personal ist zulässig. Dann liegt keine Veranstaltung im Sinne der ergangenen Allgemeinverfügungen und des Infektionsschutzgesetzes vor."

Auch RTL-Shows komplett ohne Publikum

Dass RTL am vergangenen Wochenende Familie und Freunde der Kandidaten bei "Let's dance" und "Deutschland sucht den Superstar" ins Studio ließ, um für ihre Schützlinge zu jubeln, wurde nach DWDL.de-Informationen von anderen Sendern mit Blick auf die weitere Aufrechterhaltung der Produktionen als wenig hilfreich erachtet. Dazu kommt, dass weitere "DSDS"-Anhänger am vorigen Samstag in der Eingangshalle zum Studio gewartet und dort die Show verfolgt haben - an den angeratenen Abstand hielten sich wohl nur die wenigsten.

Strenger ging ProSieben vor. Während bei "DSDS" auch ohne klassisches Studio-Publikum noch lautstark gejubelt wurde, verzichtete der Sender schon am vergangenen Samstag bei seiner Live-Sendung "Wer schläft, verliert" auf jegliche Zuschauer. Auch bei "The Masked Singer" werden am Dienstagabend ausschließlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Endemol Shine im Studio sein.

Jörg Graf© RTL
So wird es ab sofort auch der Kölner Privatsender handhaben: RTL-Chef Jörg Graf (Foto) hatte bereits am Montag im DWDL.de-Interview angekündigt, dass auch "Let's dance" und "Deutschland sucht den Superstar" von dieser Woche an komplett ohne Unterstützer im Publikum auskommen werden. "Wir agieren so verantwortungsvoll wie möglich und sind dabei natürlich im engen Austausch mit Studiodienstleistern und Behörden", sagte Graf. 

Während Studio-Produktionen von den Maßnahmen also nicht betroffen sind, hat die Stadt Köln "genehmigungspflichtige Dreharbeiten im öffentlichen Straßenland sowie in privaten Räumlichkeiten" mit einer Allgemeinverfügung vom vergangenen Samstag untersagt, wie ein Stadt-Sprecher am Dienstag auf DWDL.de-Nachfrage erklärte - doch auch diese Aussage sorgte am Abend wieder für Verwirrung unter Produzenten. In einem weiteren Schreiben teilte die Stadt schließlich mit, dass Dreharbeiten in privaten Räumlichkeiten und Privatgelände sehr wohl erlaubt seien - auch hier unter der Maßgabe, dass vor Ort kein Publikum dabei ist. 

"Unabhängig von diesen Verbotsmaßnahmen bittet die Stadt Köln aber ausdrücklich, bei den Tätigkeiten von TV-Produktionen die allgemeinen Hygienemaßnahmen zu beachten, um die Verbreitung des so genannten Corona-Virus einzudämmen", so der Sprecher der Stadt, der sich zudem noch einmal direkt an die Firmen wandte: "Bitte leisten Sie hier einen wertvollen Beitrag."

Anmerkung: Wir haben den Artikel bezüglich der Dreharbeiten in privaten Räumlichkeiten nach einem abermaligen Schreiben der Stadt Köln an Produzenten angepasst. Darin entschuldigt sich die Stadt für Unannehmlichkeiten und für "das Hin und Her". Die gesamte Lage sei jedoch "kaum zu überblicken".

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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