Der NDR wird in den kommenden vier Jahren 300 Millionen Euro einsparen und damit noch einmal 60 Millionen Euro mehr als bisher geplant. Am Freitagnachmittag bestätigte der öffentlich-rechtliche Sender, was DWDL.de bereits Stunden zuvor berichtet hatte. Demnach hat sich der NDR vorgenommen, Ausgaben für Personal, Produktion, Verwaltung und Programm zu senken. Bis 2028 soll der Aufwand für Personal um zehn Prozent gekürzt werden. Mindestens 200 Planstellen werden über alle Bereiche hinweg nicht nachbesetzt. Gleichzeitig sollen in der Produktion flächendeckend Standards gesenkt und auf Investitionen in Technik verzichtet werden.


Joachim Knuth© NDR/Thomas Pritschet
Über die Umsetzung dieser Maßnahmen informierte NDR-Intendant Joachim Knuth (Foto) am Freitag den Verwaltungsrat. "Das Programm steht für uns unverändert an erster Stelle. Angesichts der heraufordernden Finanzlage müssen wir Prioritäten setzen", sagte Knuth. "Wir werden unseren starken Journalismus, die Information, die regionale Kompetenz bewahren, müssen aber dafür an anderer Stelle auf Gewohntes verzichten." Einschnitte soll es in erster Linie im Bereich der Unterhaltung geben - davon ist auch die Zulieferung für die ARD betroffen. So werde es weniger "Tatorte", Unterhaltungsshows und Fernsehspiele vom NDR geben. 

In seinem regionalen Dritten Programm setzt der NDR derweil auf die erfolgreichen Formate wie "DAS!", "Markt" und "Visite". Einige Sendungen wie "Inselreportagen" und "Lieb und teuer" wird es hingegen nicht mehr geben. Gleichzeitig sollen das Medienmagazin "Zapp" und das "Kulturjournal" ihre Inhalte zunehmen in die Online-Angebote verlagern. Das Engagement für ARD-aktuell in Hamburg, wo unter anderem die "Tagesschau" und die "Tagesthemen" entstehen, behalte jedoch "höchste Priorität", stellte der NDR klar. 

Im Hörfunk soll NDR Info derweil sein Informationsangebot am Abend und am Wochenende mit Nachrichten im Halbstundentakt ausbauen, während die Sendungen "Echo des Tages" und "Zeitzeichen" entfallen. Andere Programmangebote wie Hörspiele werden zukünftig bei NDR Kultur gesendet. Auch bei den Popwellen NDR 2 und N-Joy werde es Veränderungen durch Streichung von Formaten und Festivals wie "stars@ndr2" geben. Gleichzeitig will der NDR Personalkosten und Strukturen bei den Musikensembles reduzieren und auf Veranstaltungen wie etwa das NDR Klassik Open Air verzichten. 

Von den Sparmaßnahmen sind auch sogenannte Off-Air-Veranstaltungen betroffen. So wird der NDR in jedem seiner vier Staatsvertragsländer pro Jahr nur noch eine Großveranstaltung als Gastgeber durchführen und auch die Sommertouren der Landesfunkhäuser wird es künftig nicht mehr geben. Unterstützung erhält der Intendant vom Verwaltungsrat. "Die Maßnahmen sind notwendig, damit sich der NDR auch unter erschwerten finanziellen Bedingungen langfristigen Gestaltungsspielraum bewahrt und seinen öffentlich-rechtlichen Versorgungsauftrag für die Menschen im Norden auch weiterhin erfüllen kann", sagte dessen Vorsitzende Regina Möller.

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