Regisseur Dominik Graf hat sich skeptisch zu der Selbstverpflichtung geäußert, mit der die UFA Diversität vor und hinter der Kamera verbessern möchte. "Es klingt, als seien den Leuten, die das hier formulieren, die künstlerischen Grundvoraussetzungen ihres Mediums nicht präsent", sagte Graf in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit".

Die UFA hatte sich dazu verpflichtet, dass in Zukunft "Frauen, LGBTIQ*, People of Color sowie Menschen mit Beeinträchtigungen" gemäß ihrer demografischen Verteilung im Programm vorkommen sollen. Das sei zwar "eine gute Sache", so Graf, "eher unglücklich" seien hingegen die Formulierungen aus der Erklärung. "Das Lautsprecher-Getöse daran erregt den Verdacht, dass der doch überwiegende filmische Schwachsinn, den die Branche produziert, mit einem gesellschaftsrelevanten Verhaltenscode wettgemacht werden soll." 

Auf die Frage, ob der Film ein getreues Abbild der gesellschaftlichen Wirklichkeit schaffen sollte, sagt Graf: "Das klingt gefährlich nach Zensur der Stoffe." Gleichzeitig will Graf auch nicht den Anspruch aufgeben, die Welt so "böse" abzubilden, wie sie ist. "Für eine Welt, wie sie stattdessen sein sollte, fühlen wir uns nicht zuständig. Gewalt und Übergriffe spielen deshalb in unseren Filmen eine große Rolle."

Gewalt sei "immer präsent in der Gesellschaft, und immer ist sie für das Opfer 'herabwürdigend', um einen Begriff aus dieser Selbstverpflichtung zu verwenden", so der Regisseur im "Zeit"-Interview weiter. "Dabei ist es ganz egal, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht das Opfer hat. Und so muss Gewalt auch dargestellt werden, sonst verharmlosen wir sie."

"Mehr Menschen einbeziehen"

In der vorigen Woche hatten die UFA-Geschäftsführer Nico Hofmann und Joachim Kosack im DWDL.de-Interview über die Selbstverpflichtung gesprochen. "Unsere Gesellschaft ist vielfältiger denn je, das müssen wir abbilden, weil wir damit mehr Menschen einbeziehen, ohne jemandem etwas wegzunehmen", so Hofmann. "Es geht darum - wie beispielsweise auch bei der politischen Debatte um die 'Ehe für alle' - dafür zu sorgen, dass Lebensentwürfe möglich werden - in unserem Falle in den Programmen, die über die Bildschirme gehen. Vielfalt bereichert die Gesellschaft und bedroht sie nicht."

Kosack erklärte, mit der Auswahl von Geschichten und Charakteren gehe bereits die Verantwortung einher, "sich damit zu beschäftigen was ich zeige und was vielleicht fehlt, selbst wenn es unbewusst passiert". Daher müsse man "früh ansetzen und auch intern Veränderung bewirken".

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