Die Tarifauseinandersetzung zwischen den Gewerkschaften DJV, ver.di und Unisono sowie dem WDR, die in den zurückliegenden Monaten immer schärfer wurde, ist beendet. Beide Seiten haben sich nun auf einen Tarifabschluss einigen können, das bestätigen sowohl DJV, ver.di und Unisono als auch das öffentlich-rechtliche Medienunternehmen. Demnach gab es die Einigung nach einer zehnstündigen Verhandlungsrunde.
Die Tarifeinigung beinhaltet demnach eine Steigerung der Gehälter von Festangestellten, Azubis und den Beschäftigten in den Orchestern in drei Stufen um insgesamt bis zu 5,73 Prozent: Rückwirkend zum 1. Februar 2026 gibt es 1,23 Prozent mehr Geld, zum 1. Februar 2027 steigen die Gehälter um weitere 2 Prozent und zum 1. Februar 2028 gibt es bis zu 2,5 Prozent mehr. Dabei ist 1 Prozent garantiert, 0,5 Prozent Steigerung sind abhängig von einer ARD-weiten Einigung zur Personalgestellung und weitere 0,5 Prozent gibt es nur bei einer Erhöhung des Rundfunkbeitrages.
Die Honorare der Freien steigen in gleichem Umfang. Hier gibt es zudem keinen Auszahlungsvorbehalt bezüglich der Einigung zur Personalgestellung. Zudem gibt es eine Einmalzahlung für arbeitnehmerähnliche Freie von 600 Euro. Auch die Azubis profitieren: Der Sender verlängert seine Übernahmegarantie für sie um ein Jahr, es gibt einen weiteren Urlaubstag und der vom WDR gekündigte Manteltarifvertrag für Auszubildende wird wieder in Kraft gesetzt.
Der erzielte Tarifabschluss steht auf beiden Seiten noch unter Gremienvorbehalt. Vom Deutschen Journalisten-Verband heißt es zur Einigung: "Wir sind angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erleichtert über diesen Kompromiss. Die Verhandlungen waren ein sehr hartes Stück Arbeit. Aber es ist nach zähem Ringen ein Tarifabschluss geworden, der sich sehen lassen kann", sagt DJV-Verhandlungsführer Volkmar Kah. "Wir sind stolz darauf, dass es uns trotz vieler Blockaden des Senders gelungen ist, auch viel für die Freien und die Azubis herauszuholen. Erstmals haben wir auch für Freie in der Produktion Effektivhonorare vereinbaren können; ihre Honorare steigen ab jetzt also bei allen Gehaltsverbesserungen mit."
"Absolut zufrieden sind wir nicht"
Volkmar Kah betont außerdem, dass man "bessere und vor allem verlässlichere Konditionen" für die festangestellten und freien Kolleginnen und Kollegen habe erzielen können, "als jene, die der WDR mit anderen Organisationen abgeschlossen hatte". Kah weiter: "Ohne deren Vorpreschen wäre für alle deutlich mehr drin gewesen. Absolut zufrieden sind wir deshalb nicht."
Der Verhandlungsführer des DJV spielt damit auf die Tatsache an, dass die die Mediengewerkschaft VRFF bereits Anfang Juni mit dem WDR geeinigt hatte - das hatte zu großem Unmut bei den anderen Gewerkschaften geführt (DWDL.de berichtete). Sehr große Unterschiede gibt es zwischen den Abschlüssen nicht, auch die Einigung mit dem VRFF sieht eine maximale Erhöhung der Gehälter um bis zu 5,73 Prozent vor - doch auch hier gibt es Unsicherheiten. Die Gehälter für die VRFF-Mitglieder stiegen rückwirkend zum 1. Februar dieses Jahres um 1,23 Prozent. Zum 1. Februar 2027 ist eine weitere Erhöhung um 2,0 Prozent geplant - bis hier hin ist es also die gleiche Rechnung.
Zum 1. Februar 2028 gibt es noch einen Anstieg, der mindestens 1,0 Prozent beträgt. Steigt der Rundfunkbeitrag, wie von der KEF vorgesehen, beträgt die Steigerung sogar 1,5 Prozent. Möglicherweise kommen auch noch weitere 1,0 Prozent dazu, diese Erhöhung ist aber daran geknüpft, dass sich WDR und Gewerkschaften bis Ende 2027 auf eine Regelung einigen, mit der WDR-Beschäftigte künftig unter bestimmten Bedingungen in anderen ARD-Anstalten eingesetzt werden könnten.
Kritik am Vorgehen der VRFF
Auch bei ver.di äußert man deutliche Kritik an der VRFF. Der Abschluss dieser Gewerkschaft habe es "allen anderen Gewerkschaften schwerer gemacht, ein gutes Ergebnis im Sinne der Beschäftigten zu erreichen. Trotzdem haben wir vorteilhaftere Konditionen für Fest, Freie und Azubis erreicht. Unserer Einschätzung nach wäre ohne Hemmschuh noch mehr drin gewesen." Als "bittere Pille" bezeichnet man bei ver.di die Laufzeit der nun getroffenen Einigung, diese liegt bei 35 Monaten.
Die VRFF wehrte sich bereits im Juni gegen die Kritik der anderen Gewerkschaften und erklärte unter anderem, dass DJV, ver.di und Unisono die damaligen Verhandlungen mit dem WDR mit dem Wissen abgebrochen hätten, dass die VRFF weiterverhandeln werde. Gleichzeitig erklärte man, dass ein alleiniger Abschluss durch den VRFF nicht das Ziel gewesen sei. "Als die Arbeitgeberseite angedeutet hat, dass am heutigen Tag ein Abschluss möglich sei, haben wir selbstverständlich weiterverhandelt. Warum die anderen Gewerkschaften DJV, Unisono und Verdi ihre Verhandlungen nicht weitergeführt haben, ist für mich nicht nachvollziehbar", sagte Christian Gesch, Verhandlungsführer der VRFF Beitragsservice, damals.
WDR-Verwaltungsdirektorin und Verhandlungsführerin Stefanie Drinhausen sagte gegenüber der dpa zur jetzt erzielten Tarifeinigung, der Sender sei an seine Grenzen gegangen "mit dem Ziel, unter diesen Rahmenbedingungen für unsere Beschäftigten faire und angemessene Gehälter und Honorare zu ermöglichen".
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