Am Wochenende machte Alexander Lindh seine Enttäuschung öffentlich. Gerade erst wählte "Die Zeit" die Joyn-Serie "MaPa", deren Head-Autor er ist, zu einer der besten Serien des Jahres, doch Grund zum Jubeln hat Lindh nicht. "Ein kleiner Trost" sei das, schrieb er auf Twitter, nachdem der Streamingdienst "uns trotz guter Zahlen abgesetzt hat". Noch vor einem halben Jahr klang das anders: Da hatte Joyn den Machern der Serie, in der tragikomische Geschichten aus dem Leben eines jungen Mannes, der von einem auf den anderen Tag seine Partnerin und die Mutter seiner einjährigen Tochter verliert, deutlich positivere Signale ausgesendet.

Tatsächlich schien eine zweite Staffel der "Sadcom" wahrscheinlich, schließlich stand nach entsprechenden Zusagen des öffentlich-rechtlichen Partners RBB, des Medienboards Berlin-Brandenburg und Beta Film bereits die Hälfte des Budgets. Die andere Hälfte aber, jene, die Joyn hätte beisteuern müssen, wird nicht fließen, was die Hoffnungen der Produktionsfirma Readymade Films auf eine schnelle Fortsetzung von "MaPa" zunichte macht.

Bei Joyn übt man sich nach außen in Diplomatie. "Sehr stolz auf unser besonderes Joyn Original" sei man, heißt es auf DWDL.de-Nachfrage und man freue sich "dass die Serie auch bei zahlreichen Kritikern auf viel positives Feedback gestoßen ist". Nicht zuletzt die Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis als beste Dramaserie unterstreiche die Qualität. "Bedauerlicherweise hat die Serie aber nicht die erhofften Zuschauer gefunden", erklärt eine Sprecherin das bittere Aus für "MaPa". Das ist auch deshalb überraschend, weil Joyn-Chefin Katja Hofem noch im Sommer von einer "sehr hohen Erfolgsquote" sprach und dabei auch explizit "MaPa" erwähnte.

RBB als Rettungsanker für "MaPa"?

Verwunderung darüber herrscht auch beim RBB. "Wir bedauern sehr, dass Joyn so entschieden hat", sagt RBB-Sprecher Justus Demmer. Ganz abschreiben sollte man "MaPa" allerdings noch nicht, schließlich wird ab Mitte April die Ausstrahlung im RBB Fernsehen und in der ARD-Mediathek erfolgen. Sollte die Serie dort ihr Publikum finden, wäre zumindest perspektivisch über Umwege eine Fortsetzung denkbar - ohne den zumehmend wankelmütig agierenden Streamingdienst.

"Natürlich prüfen wir jetzt mit dem Team von Readymade, was getan werden kann", betont Demmer, "aber da die Finanzplanungen für 2021 schon abgeschlossen sind, sehen wir aktuell noch keine unmittelbare Lösung". Unklar ist die Zukunft indes auch für weitere Joyn-Produktionen, allen voran "Frau Jordan stellt gleich" und "Check Check".  Man befinde sich derzeit "in Gesprächen" und werde weitere Informationen zu gegebener Zeit vermelden, heißt es aus München. Dass beide Serien bei der Ausstrahlung auf ProSieben nur schwache Quoten erzielten, dürfte die Entscheidung erschweren.

Frau Jordan stellt gleich © Joyn/Oliver Feist Auch die Zukunft der Joyn-Eigenproduktionen "Frau Jordan stellt gleich" (Foto) mit Katrin Bauerfeind und "Check Check" mit Klaas Heufer-Umlauf ist unsicher

Der Blick auf die TV-Quote könnte auch für Joyn zunehmend wichtig sein, schließlich hat der neue ProSiebenSat.1-Chef Rainer Beaujean gerade durchblicken lassen, dass er ein einigermaßen unterkühltes Verhältnis zu Joyn pflegt. Er glaube nicht an einen "Siegeszug" der Abo-Modelle, erklärte er in der "Süddeutschen Zeitung" - was vor Hintergrund früherer Ambitionen spannend ist, schließlich sind die meisten Joyn-Eigenproduktionen erst hinter der Bezahlschranke zugänglich. "Da wird sich der Markt wieder zu unserem Vorteil verändern."

Rainer Beaujean © ProSiebenSat.1 Rainer Beaujean
"Unser Vorteil" - das ist aus Sicht von Beaujean das lineare Fernsehen mit seiner traditionellen Werbevermarktung. Joyn bezeichnete er als "wichtigen Distributionskanal, über den wir unsere Inhalte monetarisieren können" - was merklich zurückhaltend klingt, auch wenn Beaujean betont, dass der Streamingdienst, den ProSiebenSat.1 zusammen mit Discovery betreibt, "als Produkt gut funktioniert".

Und noch ein weiteres Dilemma droht dem Streamingdienst: Nach DWDL.de-Informationen könnte Joyn der Verlust der Disney-Inhalte drohen. Weil Disney damit liebäugelt, bislang lizenzierte Programme wie "Grey's Anatomy" oder "Desperate Housewives" zurückzuholen, um sie unter dem "Star"-Label beim hauseigenen Streamingdienst Disney+ zu integrieren. Angesichts all dieser Unsicherheiten passt es gut ins Bild, dass Joyn-Chefin Katja Hofem, deren Herz stets für Inhalte schlägt, gerade ihren Rückzug angekündigt hat und durch zwei Männer ersetzt wird, die aus den Bereichen Tech und Finanzen kommen.

Dem Drehbuchautoren Alexander Lindh können diese Personalien mit Blick auf "MaPa" egal sein. Auf seinen Tweet zur Absetzung seiner Serie erhielt er vom Social-Media-Team Joyn aber zumindest eine originelle Antwort: Eine zweite Staffel könne man nicht bestätigen, man habe seinen Wunsch der Fortsetzung allerdings "bereits an das Content-Team weitergeleitet". Bis dahin empfehle man Serien wie "Check Check" und "Krass Klassenfahrt". Keine Pointe.

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