Die vergangene Saison war für die US-Networks alles andere als einfach: Auch wenn man sich mit den Marktforschern von Nielsen noch über Messfehler streitet, so steht doch fest, dass sich die lineare TV-Nutzung in den USA fast im freien Fall befindet. Noch sehr viel stärker als bislang in Deutschland graben die Streaming-Dienste den Sendern hier das Wasser ab. Darauf reagieren natürlich alle Medienkonzerne mit ihren eigenen Streaming-Angeboten, auch viele Broadcast-Serien finden längst einen erheblichen oder sogar überwiegenden Teil ihrer Zuschauer erst im Nachgang.

Trotzdem stellt sich für Betreiber linearer Sender immer dringender die Frage: Wie nutzt man den linearen Übertragungsweg, mit dem ja auch immer noch ein erheblicher Teil des Werbe-Kuchens verdient wird, in dieser Situation noch Bestmöglich. Bei NBC heißt die Antwort darauf noch stärker als bislang: Dick Wolf. Der ist in den USA der profilierteste Produzent für Procedural-Franchises - also mehrere Serien aus dem gleichen Universum mit weitgehend abgeschlossenen Episodenhandlungen, die sich auch noch gegenseitig mit immer wieder eingestreuten Crossover-Folgen stützen können.

Das klappt nun schon seit Längerem hervorragend mit dem von Dick Wolf produzierten Chicago-Block am Mittwochabend, an dem "Chicago Med", "Chicago Fire" und "Chicago P.D." direkt hintereinander laufen und sich dort mit im Schnitt auch linear weiterhin deutlich über sieben Millionen Zuschauern zu einem Fels in der Brandung sinkender TV-Reichweiten herausgestellt haben. Dieses Prinzip will man nun am Donnerstag wiederholen, indem man dort den kompletten Abend mit einem einst schn fast abgeschriebenen Dick-Wolf-Franchise zupflastert: Um den Klassiker "Law & Order: SVU", der im Herbst in seine 23. Staffel geht, gruppiert man neben dem kürzlich gestarteten Ableger "Law & Order: Organized Crime" (mit dem "SVU"-Veteran Christopher Meloni) auch noch die neue Serie "Law & Order: For the Defense", die erstmals im Franchise die Perspektive wechselt und Strafverteidiger in den Mittelpunkt stellt.

Damit ist nun also auch der Donnerstag mit drei Krimi-Procedurals besetzt und steht nun gänzlich ohne Comedy da - so wie überhaupt das gesamte Herbst-Line-Up von NBC. Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass es im NBC-Programm dann im Herbst gar nichts mehr zu lachen gibt - dabei stand der Sender mit dem "Must-See-TV"-Donnerstag wie kein anderes Network für dieses Genre. Aufgegeben habe man den Bereich aber nicht, betonen die Verantwortlichen. Man wolle aber das Umfeld großer Sport-Events nutzen, um Aufmerksamkeit für die Halbstünder zu generieren. Rund um die Olympischen Sommerspiele will man etwa in Kürze schon die finale Staffel von "Brooklyn Nine-Nine" zeigen, die damit erstmals aus der klassischen Season herausgenommen wird. Die neuen Comedy-Serien hebt man sich dann für die Zeit rund um den "Super Bowl" auf, den NBC im kommenden Jahr übertragen wird.

Immerhin zwei neue Comedy-Serien hat man nämlich auch schon bestellt: "American Auto" ist eine neue Workplace-Comedy vom Macher von "Superstore", nun aber angesiedelt im Automobil-Bereich, "Grand Crew" ist unterdesen die neue Produktion der Köpfe hinter "Brooklyn Nine-Nine" über eine Clique, die sich immer in einer Bar in Los Angeles trifft. Aus dieser Saison fortgesetzt werden "Kenan", "Young Rock" und "Mr. Mayor". Für den Herbst gibt's neben dem schon erwähnten "Law & Order: For the Defense" aber erstmal noch zwei weitere neue Drama-Serien im Programm, die beide nach "The Voice" am Montag- und Dienstagabend zu sehen sein werden.

Die Lebensdauer von "The Voice" will man nach zuletzt deutlich gesunkenen Quoten übrigens damit verlängern, dass man künftig nicht mehr zwei Staffeln im Jahr zeigt, sondern sich auf eine beschränkt. Dafür gibt's im non-fiktionalen Bereich die Adaption des "Eurovision Song Contest" als "American Song Contest", in dem die US-Bundesstaaten gegeneinander antreten und der über Qualifizierungs-Runden, Halbfinals und Live-Finale hinweg ausgetragen wird. Zu sehen geben wird es das wohl irgendwann Anfang bzw. im Frühjahr 2022. Jimmy Fallon bringt auf Basis einiger Segmente seiner "Tonight Show" zudem die Primetime-Musik-Variety-Gameshow "That's my Jam" an den Start. Zudem bekommt "America's Got Talent" einen neuen Ableger: Die "Extreme"-Variante soll besonders waghalsige und irre Stunts und Auftritte zeigen.

In "La Brea" tut sich in L.A. ein riesiges Sinkloch auf, verschlingt Hunderte Leute und Gebäude und zieht sie in ein mysteriöses, urzeitliches Land. Gefühliger geht's da bei "Ordinary Joe" zu, das als "zu Herzen gehendes, lebensbejahendes Drama" beschrieben wird und das offenbar ein Stück weit das Erbe von "This is us" antreten soll. "This is us" geht mit der kommenden sechsten Staffel wie von vornherein geplant zu Ende, die finalen Folgen hält man aber bis Anfang 2022 zurück. Ergänzt wird das Herbst-Lineup durch "New Amsterdam" und "The Blacklist". Noch keine Entscheidung gefällt hat NBC unterdessen über den Verbleib der Serien "Debris", "Manifest", "Good Girls" und "Zoey's Extraordinary Playlist".

  Mo Di Mi Do Fr So
20:00 The Voice The Voice Chicago Med L&O: For the Defense The Blacklist Football
21:00 La Brea Chicago Fire L&O: SVU Dateline NBC
22:00 Ordinary Joe New Amsterdam Chicago P.D. L&O: Organized Crime

Die neuen Comedy-Serien

"American Auto": Die neue Workplace-Comedy, hinter der "Superstore"-Creator Justin Spitzer steht, spielt in der Auto-Stadt Detroit, in der die Führungskräfte von Payne Motors am Scheideweg stehen: Entweder sie passen sich dem Wandel der Zeit an - oder ihnen droht ebenso wie ihren bisherigen Produkten der "Schrottplatz". Das Unternehmen wird jedenfalls kräftig durch die neue Geschäftsführerin aufgemischt, die Führungsqualitäten, Erfahrung und Intelligenz mitbringt - allerdings von Autos überhaupt keine Ahnung hat. Zum Glück hat sie aber ja einige der besten Köpfe der Branche im Team - wenn die nicht gerade dabei sind, sich zu streiten oder gegenseitig zu überlisten. Zum Cast gehören Ana Gasteyer, Jon Barinholtz, Harriet Dyer, Humphrey Ker, Michael B. Washington, Tye White und X Mayo.

"Grand Crew": Phil Augusta Jackson und Dan Goor, die beiden Masterminds hinter "Brooklyn Nine-Nine", legen mit "Grand Crew" eine Comedy vor, die sich um eine Gruppe junger Menschen in Los Angeles dreht, die versuchen gemeinsam durch die Höhen und Tiefen des Lebens und der Liebe zu navigieren und sich dabei immer in ihrer Lieblingsbar treffen, um bei Wein die Dinge zu besprechen. Zur "Crew" gehört ein hoffnungsloser Romantiker, eine Draufgängerin, ein unauffälliges Genie, ein Karrierist und ein Verheirater, der nur froh ist, aus dem Dating-Game raus zu sein. Gespielt wird die Crew von Nicole Byer, Justin Cunningham, Aaron Jennings, Echo Kellum und Carl Tart.

Die neuen Drama-Serien

"La Brea": Hier hat NBC die Freunde von Mystery und Adventure im Blick. Mitten in Los Angeles tut sich ein riesiges Sinkloch auf, das Hunderte Menschen und Gebäude in die Tiefe zieht. Diejenigen, die dort hineingezogen wurden, finden sich plötzlich in einem mysteriösen, gefährlichen, urzeitlichen Land wieder, wo sie aufeinander angewiesen sind, um zu überleben. Der Rest der Welt versucht unterdessen zu verstehen, was passiert ist. Im Mittelpunkt steht eine Familie, die durch die Katastrophe auseinandergerissen wurde und die nun versucht, die unerklärlichen Ereignisse zu entschlüsseln, um wieder zusammenzufinden.

"Law & Order: For the Defense": Der jüngste Spross des schon drei Jahrzehnte alten "Law & Order"-Franchises wagt den Perspektiv-Wechsel: Während bislang stets die Perspektive der Strafverfolgungsbehörden eingenommen wurde, geht es nun um die Strafverteidiger. L&O-typisch geht's auch hier jede Woche um einen Fall der Woche. Dick Wolf arbeitet hier mit Carol Mendelsohn zusammen, die jahrelang mit "CSI" einer der anderen großen Franchise-Serien mitverantwortet hat.

"Ordinary Joe": Im Mittelpunkt der als "zu Herzen gehend" und "lebensbejahend" beschriebenen Serie steht Joe Kimbreau, der bei seinem Collegeabschluss vor einer Entscheidung steht, die sein ganzes Leben verändern wird. Erzählt werden parallel drei Stränge, wie sich sein Leben je nach Entscheidung nach dieser Nacht entwickeln würde, wie sich Leben und Karriere von Joe und den Menschen um ihn herum unterscheiden - und was gleich bleibt. In den Hauptrollen sind James Wolk, Natalie Martinez, Elizabeth Lail und Charlie Barnett zu sehen.

"The thing about Pam": Die zweifache Oscar-Preisträgerin  Renée Zellweger spielt die Hauptrolle in dem True-Crime-Drama, das als Miniserie angelegt ist. Was wie ein einfacher Mordfall aussieht, setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die sowohl eine falsche Verurteilung als auch ein teuflisches Komplott aufdecken, in das eine Frau namens Pam Hupp verwickelt ist.Diese fiktionale Aufarbeitung soll nun nochmal eine neue Perspektive auf die Geschichte werfen, die NBC bereits in "Dateline NBC" ausgiebig begleitet hat.