Die Debatte rund um Til Schweiger und sein Auftreten bei den Dreharbeiten zum Kinofilm "Manta Manta - Zwoter Teil" (Produktion: Constantin Film) hat auch dazu geführt, dass ganz generell über Zustände an deutschen Film- und Fernsehsets gesprochen wird. Und während Constantin Film als in dem Fall betroffene Produktionsfirma zuletzt eine externe Compliance-Untersuchung angekündigt hat, will es die ARD Degeto gar nicht erst so weit kommen lassen. 

Die ARD-Tochter hat sich nun in einem Schreiben an sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewandt, die aktuell Projekte für das Unternehmen umsetzen. In diesem Schreiben, das DWDL.de vorliegt, fordert man die Kollegen an den Sets auf, sich bei einem möglichen Fehlverhalten oder anderen Problemen zu melden, damit man gemeinsam an Lösungen arbeiten könne. Der Name Til Schweiger fällt in dem Brief nicht, dennoch ist klar, in welchem Zusammenhang dieser Vorstoß steht. 

"Wir als Redaktionspartner und Auftraggeber in der ARD Degeto wollen für ein achtsames, wertschätzendes, kreatives und professionelles Miteinander einstehen – frei von Diskriminierung, Machtmissbrauch und sexueller Belästigung", heißt es in dem Schreiben. Jede Abweichung von diesem Grundsatz werde man entschieden verurteilen und ahnden. "Machtmissbrauch am Set oder nicht wertschätzende, diskriminierende Sprache findet bei uns keine Toleranz!" Man sei keine anonyme Redaktion, die sich nicht für das Team und die Arbeitsbedingungen am Set interessiere, schreibt die ARD Degeto. Man sehe es als Pflicht und Aufgabe an, die Sicherheit zu gewährleisten und im Fall von Regelverstößen oder anderen Unzumutbarkeiten für jedes Teammitglied erreichbar und ansprechbar zu sein, um Lösungen zu finden. 

Machtmissbrauch am Set oder nicht wertschätzende, diskriminierende Sprache findet bei uns keine Toleranz.
ARD Degeto in einem Schreiben an alle Mitarbeitenden, die aktuell Projekte umsetzen


Die ARD Degeto versucht den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die Angst zu nehmen, bei einem möglichen Aufzeigen von Missständen künftig nicht mehr für weitere Projekte berücksichtigt zu werden. Man nehme entsprechende Aussagen sehr ernst. "Genau diesen Teufelskreis wollen wir gemeinsam mit Euch durchbrechen." Um bei Missständen zu handeln, sei man jedoch auf Hinweise angewiesen. Nach Dreharbeiten sei es schwer bis unmöglich, adäquat zu reagieren. Man wolle die Mitarbeitenden "empowern, Euch dann sofort zu melden, wenn Ihr Euch ungerecht behandelt oder verletzt fühlt. Insbesondere während der Dreharbeiten."

ARD Degeto versichert Crews keine Nachteile

Als Kontakt in dem Schreiben angegeben sind ARD-Degeto-Redaktionsleiter Christoph Pellander sowie Djamila Benkhelouf aus dem Team Diversity Management. Außerdem können betroffene Personen auch an ein anonymisiertes Mail-Postfach schreiben. Man sichere den Kolleginnen und Kollegen, die sich melden, Anonymität zu und werde diese schützen, heißt es. "Außerdem ist es uns wichtig, dass Ihr Euch sicher seid: Von unserer Seite wird Euch kein Schaden durch eine Meldung entstehen, weder finanziell noch beruflich. Wir werden alles daran setzen, Nachteile für Euch auch von anderer Seite zu verhindern."

Den Stein ins Rollen gebracht hatte ursprünglich der "Spiegel" mit seiner Berichterstattung rund um Til Schweiger. Der soll am Set von "Manta Manta - Zwoter Teil" teilweise handgreiflich geworden und betrunken gewesen sein. Außerdem soll man es am Set mit den Sicherheitsmaßnahmen nicht so genau genommen haben, zudem seien Drehzeiten sehr stark gedehnt worden. Constantin-Film-Chef Martin Moszkowicz bestätigte zuletzt in der "FAZ" einen zentralen Vorwurf gegen Schweiger: den der Tätlichkeit gegen einen Constantin-Mitarbeiter. Bei der Produktion sei es zu "bedauerlichen Vorfällen" gekommen. Die Debatte dreht sich aber längst nicht mehr nur um Til Schweiger und Constantin Film, das zeigt nun auch das Vorgehen der ARD Degeto.