Dass ProSiebenSat.1 auch fürs zweite Quartal keine guten Geschäftszahlen vorlegen kann, war zu erwarten, mit größerer Spannung wartete man daher auf Aussagen zum weiteren Jahresverlauf - schließlich klangen die Prognosen für die Gesamtwirtschaft zuletzt schon weniger euphorisch. Doch bei ProSiebenSat.1 setzt man einstweilen weiter aufs Prinzip Hoffnung, erwartet eine allgemeine Konjunkturerholung in den nächsten Monaten und infolge dessen auch ein Anziehen des Werbemarktes und bleibt daher bei seiner im Frühjahr abgegebenen Prognose fürs Gesamtjahr.
Doch der Werbemarkt liegt insbesondere im TV-Bereich bislang weiter am Boden - und das ist nunmal der wichtigste Umsatzbringer von ProSiebenSat.1. Zwar stiegen die Werbeerlöse aus dem "digitalen & smarten" Bereich, vor allem getrieben von Joyn und dem Audio-Bereich, um fünf Prozent, das konnte den weiter massiven Rückgang im klassischen TV aber nicht kompensieren. Insgesamt lagen die Werbeeinnahmen im Entertainment-Segment im zweiten Quartal um 9 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Der gesamte Außenumsatz des Entertainment-Bereichs lag sogar um 21 Prozent unter dem Vorjahreswert, weil man sich im vergangenen Jahr ja von seinem US-Produktionsgeschäft getrennt hatte. So wurden nun nur noch 592 statt 748 Millionen Euro umgesetzt. Rechnet man diesen Effekt heraus, dann betrug der organische Umsatz-Rückgang aber trotzdem noch gewaltige 13 Prozent.
Doch bei ProSiebenSat.1 kriselt es weiterhin auch an anderer Stelle: Im Segment "Dating & Video" wurden im zweiten Quartal nur 107 Millionen Euro umgesetzt nach 130 Millionen Euro im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Rechnet man Währungseffekte heraus, ergibt sich ein Minus von 16 Prozent. "Im vergangenen Jahr sind strengere Regelungen in Bezug auf faire Verbraucherverträge in Deutschland in Kraft getreten, die insbesondere die Abo-Modelle der Plattformen Parship und ElitePartner betreffen", heißt es zur Erklärung. Heißt vor allem: Bislang machten die Plattformen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze offenbar mit Kundinnen und Kunden, deren Verträge sich automatisch verlängert hatten und die dann nochmal in einer längeren Laufzeit festhingen, was nun nicht mehr möglich ist. Obendrein berichtet ProSiebenSat.1 auch noch von rückläufigen Video-Umsätzen, nachdem das Angebot während der Covid-19-Pandemie noch von gestiegener Nutzung profitiert hatte.
Einzig im Segment Commerce & Ventures kann ProSiebenSat.1 zumindest ein kleines Wachstum vorweisen - um drei Prozent auf 169 Millionen Euro. Vor allem bei Verivox läuft es hier wieder besser, weil nach der Entspannung auf den Energiemärkten nun wieder mehr Wechselwillige nach neuen Anbietern suchen. Zudem hat sich auch Flaconi gut geschlagen. Auch in diesem Segment spiegelt sich aber der schwache Werbemarkt wider, weil ProSiebenSat.1 hier sein Media-for-Revenue- und Media-for-Equitiy-Geschäft angesiedelt hat, das wie der gesamte Werbemarkt rückläufig war.
Für den Gesamtkonzern bedeutet das, dass der Umsatz von ProSiebenSat.1 im zweiten Quartal um 17 Prozent unter dem Vorjahresquartal lag und sich auf 868 Millionen Euro belief. Rechnet man den Verkauf des US-Produktionsgeschäfts heraus, betrug das organische Umsatz-Minus zehn Prozent. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen belief sich auf 79 Millionen Euro und lag damit im Rahmen der Erwartungen. Ein Jahr zuvor waren es noch 155 Millionen Euro gewesen. Das Konzernergebnis fiel tiefrot aus: Im zweiten Quartal steht hier ein Verlust von 56 Millionen Euro nach -30 Millionen Euro im Vorjahr. Hier wirken sich vor allem auch die Restrukturierungs-Rückstellungen in Höhe von 58 Millionen Euro aus - der Konzern hat einen Abbau von 400 Vollzeit-Stellen angekündigt, der zunächst mal Kosten verursacht.
Konzernchef Bert Habets erklärt zu den Zahlen: "Das zweite Quartal war wie erwartet weiter von einem schwachen TV-Werbemarkt geprägt. Dies unterstreicht einmal mehr, wie entscheidend es ist, dass wir uns bei ProSiebenSat.1 auf unser Digitalgeschäft fokussieren. Wir richten unsere Organisation und Prozesse klar auf unsere digitale Transformation aus. Bei unserer Streaming-Plattform Joyn sehen wir hier bereits erste positive Ergebnisse: Der Start in Österreich war erfolgreich, die Werbeumsätze auf der Plattform wachsen und die Video Viewtime ist im zweiten Quartal um 6 Prozent auf 6,5 Mrd gesehene Minuten gestiegen. Diesen Weg gehen wir konsequent weiter, kombiniert mit unserem starken Fokus auf Kosten und Effizienz. Mit der nun angestoßenen organisatorischen und strategischen Neuausrichtung schaffen wir die Grundlage, um unsere Wachstumsstrategie konsequent umzusetzen."
Finanzvorstand Martin Mildner ergänzt: "In der zweiten Jahreshälfte erwarten wir im Zuge einer im Vergleich zum Vorjahr aufgehellten konjunkturellen Entwicklung eine Erholung unseres Werbegeschäfts und damit deutliche Aufholeffekte bei Umsatz und Ergebnis. Dabei gehen wir für das dritte Quartal aktuell davon aus, dass sich das adjusted EBITDA der Gruppe im Vorjahresvergleich stabil entwickelt. Gleichzeitig fokussieren wir uns darauf, unser Kostenprogramm konsequent umzusetzen, um die Profitabilität von ProSiebenSat.1 langfristig zu verbessern."
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