Als ProSiebenSat.1 im Mai seine Geschäftszahlen fürs erste Quartal vorstellte, da musste Konzernchef Bert Habets von deutlich rückläufigen Werbeeinnahmen im Fernsehbereich berichten, hatte aber auch eine positive Nachricht: "Bereits im Juni sehen wir wesentliche Verbesserungen in den Werbebuchungen im Vergleich zu den Vormonaten", sagte er damals. Doch dieser Aufwärtstrend hat sich bislang offenbar nicht verstetigt, die erhoffte Erholung lässt weiter auf sich warten.
So räumte er nun bei der Vorstellung der Zahlen fürs zweite Quartal auf Nachfrage ein, dass man auch im Juli weiterhin einen Rückgang der Werbeeinnahmen im einstelligen Prozentbereich erlebt habe und dass sich auch das August-Geschäft bislang nicht anders anlässt. Das ist noch nicht weiter dramatisch, weil der Sommer ohnehin zu den unwichtigen Zeitzonen gehört - um so wichtiger werden aber die Monate September bis Dezember.
Hier bleibt man in Unterföhring weiterhin optimistisch, den Ausblick aus dem Frühjahr hat man trotz der bislang ausgebliebenen Erholung heute noch einmal bestätigt - und das, obwohl die Konjunkturprognosen für die Gesamtwirtschaft sich in den letzten Wochen weiter eingetrübt haben. Dass der Rückgang geringer ausfallen dürfte als im ersten Halbjahr, hat aber auch schon einen ganz einfachen Grund: Das zweite Halbjahr 2022 war für die TV-Sender anders als die ersten sechs Monate sehr enttäuschend verlaufen - dementsprechend vergleicht man in den nächsten Quartalen die aktuellen Zahlen also mit einem niedrigeren Ausgangs-Level.
Um 11 Prozent lagen im zweiten Halbjahr 2022 die Werbeeinnahmen des Entertainment-Segments im DACH-Bereich unter dem Vorjahreswert. Aufholen wird man das nicht mehr, Habets zeigte sich aber zuversichtlich, dass man diesen Rückgang zumindest ein Stück weit wieder wettmachen könnte. Konkret: Im zweiten Halbjahr kamen ProSiebenSat.1 135 Millionen Euro an Werbeeinnahmen im Vergleich zum Vorjahr abhanden - diesmal erwartet man einen Anstieg um etwa 50 Millionen Euro.
Doch ob es dazu kommt, ist weiter völlig ungewiss, die berühmte "Visibilität der Werbemärkte" sei weiterhin sehr gering, so Habets - noch ist es also das Prinzip Hoffnung. Habets wusste aber zumindest zu berichten, dass sich die eigene Kundschaft etwas optimistischer als im vergangenen Jahr zeigt. Ansonsten setzt man bei ProSiebenSat.1 neben dem Konstensenkungsprogramm vor allem auf wachsende Werbeeinnahmen bei Joyn - allein hier lagen die AVoD-Einnahmen im zweiten Quartal um 28 Prozent über dem Vorjahreswert sowie darauf, dass das im 4. Quartal 2022 eingeführte Programmatic Advertising bei klassischer Fernsehwerbung weiter Fahrt aufnimmt.
von



