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Audio-Update vom 30. April

Aktion am 1. Mai: ARD will deutsche Newcomer pushen

 

Die jungen ARD-Wellen und Deutschlandfunk Nova wollen am 1. Mai vorrangig Musik deutscher Newcomer spielen, neue Moderationsduos bei Bremen Eins und MDR Sputnik, Calli ersetzt Pocher in Fußball-Podcast, Spotify mit guten Zahlen, Radio-Werbung nicht.

von Uwe Mantel, Kevin Hennings
30.04.2020 - 11:43 Uhr

ARD - neues Logo 2019© ARD
Die jungen ARD-Wellen 1Live, Bremen Next, DasDing, Fritz, MDR Sputnik, N-Joy, Puls, UnserDing, YouFM sowie zusätzlich Deutschlandfunk Nova haben sich entschlossen, am 1. Mai unter dem Motto "Support your local acts" vorrangig Musik von jungen Musikerinnen und Musikern aus Deutschland zu spielen. Sie seien von der Krise besonders betroffen, weil sie sich mit großen Plattendeals oder Touren bislang noch keine finanziellen Rücklagen schaffen konnten, heißt es zur Begründung. Den ganzen Tag über empfehlen bereits etablierte Chart-Größen die aus ihrer Sicht spannendsten Neuentdeckungen aus Deutschland und ihre persönlichen Lieblings-Newcomer. Max Giesinger unterstützt zum Beispiel Singer-Songwriter Haller, Alle Farben supportet Elektro-Produzent Lahos, Lena setzt sich für Rapperin Céline ein, Felix Jaehn empfiehlt DJ Tobi Romeo, Trettmann supportet Skinnyblackboy.  Zusätzlich dazu werden die 16 Acts aus der Hotlist des "New Music Awards 2020" gespiel, mit dem die jungen Radio-Programme der ARD seit einigen Jahren die besten Newcomer des Landes ehren.

 

Bremen Eins© Radio Bremen
Bremen Eins führt in seiner Morgenschiene ab Mai Doppelmoderationen ein. Ab dem 4. Mai werden sich in der Radio-Primetime dann die Teams Britta Uphoff/Marcus Rudolph sowie Katharina Guleikoff/Jens-Uwe Krause wöchentlich abwechseln. Zu hören sein werden sie immer zwischen 5:30 Uhr und 10 Uhr. Zum Sondereinsatz antreten werden sie zudem schon am 1. Mai: Zwischen 8 und 20 Uhr wechseln sich die beiden Moderations-Teams alle drei Stunden ab. Programmleiter Berthold Brunsen: "Wir arbeiten alle schon lange daran, diesen nächsten Schritt zu gehen. Dass der Start jetzt gerade in eine Ausnahmezeit fällt, ist ein ganz besonderer Anspruch an uns. Der neue Morgen bekommt mit unseren beiden Duos einen neuen Stil, ohne dabei unsere bekannten Stärken aufzugeben. Denn wer mit Bremen Eins aufsteht, bleibt auch weiterhin sehr gut informiert, erlebt echte Menschen am Mikrofon und startet unaufgeregt und mit einer gesundem Portion Humor in den Tag."

MDR Sputnik© MDR
Alles neu macht der Mai auch im Nachmittagsprogramm von MDR Sputnik: Zwischen 14 und 18 Uhr ist werktags dort dann immer die neue Show "Good Vibes" mit Josefine Farkas und Gregor Bogowicz zu hören. Die Show werde wie der Name verspricht von "guter Laune und positiver Energie geprägt" sein, heißt es in einer MDR-Mitteilung. Farkas war auch bislang schon auf dem Sender in verschiedenen Sendungen zu hören und bekommt nun einen festen Sendepaltz, Bogowicz hatte bis Mitte vergangenen Jahres bei Energy Berlin die Morgenshow moderiert. Teil der Sendung wird die Rubrik "Gregs Tagebuch" sein, mithilfe der gesamten "Sputnik-Zone" solle er zu einem "richtigen Sputniker" gemacht werden.

Spotify© Robert Scoble / Flickr (CC BY-ND 2.0)
Spotify hat seine Quartalszahlen präsentiert, die mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie mit Spannung erwartet worden waren. Zwar verspürt auch Spotify einen deutlichen Rückgang der Werbeeinnahmen - im Vergleich zum allerdings auch generell stärkeren 4. Quartal sanken diese um ein Drittel auf 148 Millionen Euro, trotzdem waren auch das noch 17 Prozent mehr als im 1. Quartal des Vorjahres. Doch wesentlich wichtiger sind für Spotify die Umsätze aus den Premium-Abos - und die stiegen unverändert weiter auf nun 1,7 Milliarden Euro. Der Gesamt-Umsatz des Unternehmens lag mit 1,85 Milliarden um 22 Prozent über dem Vorjahreswert. Spotify machte zwar noch immer Verlust, er fiel auf operativer Basis mit -17 Millionen Euro aber um 30 Millionen geringer aus als im Vorjahr. Die Zahl der "Monthly Active Users" - also jener, die in einem Monat mindestens einmal Spotify genutzt haben - stieg binnen Jahresfrist um 31 Prozent auf nun 286 Millionen. Zwischenzeitlich hatte man zwar in besonders stark betroffenen Ländern einen Rückgang der Nutzung festgestellt, doch die Delle wurde schon wieder ausgeglichen. Wenig überraschend hat sich die Nutzung von mobilen Endgeräten oder auch dem Auto stärker auf Smart-TVs und Konsolen verlagert. 130 Millionen Nutzer zahlen für den Premium-Account, ein Jahr zuvor waren es noch glatt 100 Millionen. Bis zum Jahresende soll diese Zahl auf 143 bis 153 Millionen zahlende Nutzer steigen, hier bestätigt Spotify seinen noch vor Corona gegebenen Ausblick wie auch in den meisten anderen Kennzahlen mit Ausnahme der Werbeeinnahmen, die für Spotify aber wie erwähnt letztlich nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Logo: Nielsen© Nielsen
Insbesondere private Radioanbieter, die sich vorrangig mit Werbung finanzieren müssen, haben es hingegen sehr schwer. Der Nielsen-Werbetrend weist für das Medium Radio schon im März - der noch gar nicht voll von den Covid-19-Beschränkungen erfasst war - ein massives Minus des Brutto-Werbeumsatzes von 21,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 133 Millionen Euro aus. Das ist erheblich mehr als beispielsweise das Fernsehen mit einem Minus von 1,1 Prozent. Da es sich um Brutto-Zahlen handelt, die Eigenanzeigen und Rabatte nicht entsprechend berücksichtigen, sind dort die Werte aber wohl auch stärker verzerrt. Stärker betroffen als die Radio-Branche waren nur die Kinos, die im Lauf des Monats bekanntlich komplett schließen mussten. Für den gesamte Werbemarkt gibt Nielsen einen Rückgang im Vergleich zum März 2019 von 5,9 Prozent an.

Paardiologie© Filiz Serinyel Photography
Und hier noch einige Podcast-News in Kurzform: Gerade erst wurde die "Paardiologie" von Charlotte Roche und Martin Keß-Roche mit gleich zwei Preisen beim Deutschen Podcast-Preis ("Bestes Talk-Team", "Beste Newcomer") ausgezeichnet, da ist plötzlich Schluss: Am Freitag vergangener Woche erschien mit der 45. zugleich auch die letzte Folge. Kurz vorher wurde am 6. April übrigens noch ein gleichnamiges Buch veröffentlicht +++ Kaum eine Woche vergeht derzeit ohne ein neues Projekt von Oliver Pocher - da muss er an anderer Stelle offenbar doch auch mal kürzer treten. Betroffen ist der Fußball-Podcast "Messi & Ronaldo". Neben Matze Knop wird darin künftig stattdessen Reiner Calmund zu hören sein, auch Tobi Holtkamp als Redakteur des Formats ist nun auch on air zu hören. Produziert wird der Podcast, der in "Messi & Ronaldo XXL" umbenannt wird, von der Podcastbande. +++ "Ich sehe was, was du nicht siehst" heißt ein neuer Podcast des "Hamburger Abendblatts". Alexander Klar, Direktor der Hamburger Kunsthalle, legt "Abendblatt"-Chefredakteur Lars Haider ein Bild aus der Sammlung. Dieser muss dann spontan erzählen, was er darin sieht. Im gemeinsamen Gespräch wird dann mit dem Hintergrundwissen des Experten analysiert, was die Intention des Künstlers wirklich war.

Podcast der Woche: Faking Hitler


Faking Hitler

von Kevin Hennings

Wer seinen Podcast mit "Faking Hitler" tituliert, hat schnell ein gewisses Grundinteresse inne. Doch auch ohne diesen einprägsamen Ersteindruck können die Originalbandtonaufnahmen, die erstmals in den 80er-Jahren vom Journalisten Gerd Heidemann und Maler Konrad Kujau eingesprochen wurden, schnell in ihren Bann ziehen. Sie handeln von einem Medienskandal, der 1983 das ganze Land hat aufhorchen lassen: Der Stern hat verkündet, die Tagebücher von Adolf Hitler gefunden zu haben. Statt einer Weltsensation stellen sich die Bücher jedoch als Fälschung heraus. Nun, knapp 35 Jahre später, wurde der Skandal von Isa von Heyl, Malte Herwig, Nilz Bokelberg, Maria Lorenz und Frida Morische von Pool Artists neu aufgerollt. Beleuchtet wird die völlig verrückte Geschichte mit den zurechtgeschnittenen Dialogen zwischen dem betrogenen Heidemann und Kujau, der sich der Fälschung annahm. Die Gespräche erzählen nicht nur viel über die Beziehung der beiden, sondern zeigen auch in kleinen Details auf, wie dieser skrupellose Mensch tickt. Neben den zehn spannenden Episoden, gibt es nun auch eine Extrafolge, in der Heidemann in einem exklusiven Interview nach all den Jahren einen neuen Kommentar dazu abgibt. 

"Faking Hitler" ist bei Spotify und auf iTunes streambar, sowie auf der Stern-Website. In der vergangenen Woche wurde mit "Freakonomics Radio" ein Wirtschafts-Podcast vorgestellt. 

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