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Deutschland, deine Sendervielfalt

Comedy Central: Hat Viacom wieder gut lachen?

von Uwe Mantel
24.06.2016 - 13:00 Uhr

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Nach großen Ankündigungen zum Start 2007 wurde Comedy Central nach zwei Jahren zum Primetime-Fenster von Nickelodeon geschrumpft. Inzwischen hat der einzige reine Comedy-Sender im Free-TV aber wieder deutlich mehr Sendezeit - und auch eine Eigenproduktion will man sich wieder leisten

Steckbrief

Sendestart: 15. Januar 2007
Geschäftsführer: Mark Specht (General Manager, Viacom International Media Networks GSA)
Betreiber: Viacom International Media Networks
Vermarkter: Visoon
Kernzielgruppe: 14- bis 49-Jährige

Erfolgsbilanz

Marktanteil im letzten Quartal: 0,5 % (ab 3) / 1,2 % (14-49) [März-Mai; bezogen auf die Zeit zwischen 14 und 2 Uhr]

Die wahre Primetime: Besonders stark ist Comedy Central in der sogenannten Late Prime nach 23 Uhr, die eigentliche Primetime beginnt für den Sender nach eigenen Angaben aber bereits gegen 19 Uhr mit dem Start der "Toontime".  Dann zeigt Comedy Central zwei Stunden lang die animierten Serien "American Dad", "Bob's Burgers" und "South Park". Vor allem letzteres ist ein Aushängeschild des Senders.

Größte Erfolge des Senders: Am besten funktionieren bei Comedy Central die Cartoons - und da allen voran "American Dad", "South Park" und "Bob's Burgers", die allesamt mehrfach am Tag im Programm sind, sowohl nachmittags wie auch abends und in der Nacht. Davon abgesehen hat Comedy Central auch mit Klassikern wie "Die wilden Siebziger" oder "Ehe ist..." gute Erfahrungen gemacht und verweist auf ein einmal im Jahr auftauchendes Highlight aus den USA: Die "Roasts" bekannter Stars. Im vergangenen Jahr war hier etwa Justin Bieber an der Reihe, in diesem Jahr stellt sich Rob Lowe.

Werdegang und Profil

Nightwash
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Der Weg nach Deutschland wurde Comedy Central letztlich durch die Übernahme von Viva durch MTV/Viacom geebnet. Dadurch gehörten nämlich plötzlich vier Musiksender zusammen, die wieder auf zwei eingedampft werden sollten. Während aus MTV2Pop der Kindersender Nickelodeon entstand, löste am 15. Januar 2007 Comedy Central den Sender Viva Plus ab. Der erste und bis heute einzige reine Comedy-Sender im deutschen Free-TV startete mit großen Plänen: "Wir sind kein reiner Abspielkanal" sagte der damalige Senderchef Markus Andorfer und betonte, dass es nicht nur bei den Importen viele Deutschlandpremieren geben wird, sondern dass man vom Start weg auch stark auf lokale Eigenproduktionen setzt.

Neben verschiedenen neuen Eigenentwicklungen setzte man vor allem mit der Übernahme der Stand-Up-Institution "Nightwash" vom WDR ein Ausrufezeichen. Allerdings zeigte sich schnell, dass teure Eigenproduktionen kaum zu refinanzieren waren. Inzwischen sind sie weitestgehend aus dem Programm verschwunden. Zudem verlor Comedy Central schon Ende 2008 seinen Status als eigenständiger 24-Stunden-Sender und musste sich fortan eine Frequenz mit dem Kindersender Nick teilen. Erst ab 20:15 Uhr war Comedy Central dadurch auf Sendung. Doch seit Herbst 2014 gibt's wieder deutlich mehr Zeit für Comedy Central: Inzwischen teilt man sich den Platz mit Viva und darf inzwischen wieder ab 14 Uhr ran, nur den Vormittag und die Nacht überlässt man noch Viva.

Auch wenn insbesondere ProSieben streckenweise auch wie ein Sitcom-Sender daher kommt: Mit der Ausstrahlung weniger massentauglicher US-Serien wie "Bob's Burgers", "American Dad" und allen voran "South Park", hat der Sender seine Nische gefunden.

Eigenproduktionen

Gibt es aktuell im Programm von Comedy Central nicht. Das will man allerdings wieder ändern, wie Mark Specht gegenüber DWDL.de ankündigt.

Fragen an den Programmverantwortlichen

Mark Specht
© Viacom
Dr. Mark Specht ist als General Manager von Viacom International Media Networks GSA für die deutschen Sender von Viacom verantwortlich, also auch für Comedy Central.

Wo sehen Sie derzeit Schwachstellen im Programm - und woran arbeiten Sie?

„Comedy Central ist im Moment programmlich sehr gut aufgestellt. Wir bieten eine Comedy-Vielfalt von Sitcoms und Stand Up über Showformate bis hin zu unseren Cartoons wie 'American Dad', 'South Park' und 'Bob’s Burgers'. Wir wollen dieses Jahr jedoch zusätzlich in lokalen Signature Content investieren. Eine lokale Produktion nach dem Vorbild von Tosh O. ist bereits in Planung.“

Was ist Ihr direktes Wettbewerbsumfeld - und wie heben Sie sich davon ab?

„Comedy Central hat einen ganz klaren Markenkern: Bei uns gibt es 100% Comedy! Nach wie vor ist Comedy Central der einzige reine Comedy Sender im deutschen Free TV, einen direkten Wettbewerber gibt es daher so gesehen nicht. Unsere einzigartige Positionierung beruht zum größten Teil auf den Formaten unseres eigen globalen Entertainment-Netzwerks mit dem wir eine Vielfalt von Comedy-Genres im Programm anbieten können – von Cartoons für Erwachsene über Sitcoms und Stand Up Comedy bis hin zu Kult-Shows wie den Roasts. Wir freuen uns schon sehr darauf, als nächstes Rob Lowe zu grillen.“

Welchen Marktanteil kann der Sender mittelfristig realistisch erreichen, ohne seine derzeitige Positionierung aufgeben zu müssen?

„Unser Ziel sind mittelfristig stabile 1 Prozent in der Zielgruppe der 14-49 Jährigen. Seit einigen Monaten liegen wir in aller Regelmäßigkeit deutlich darüber. Das heißt, es gibt auch darüber hinaus noch realistisches Wachstumspotential welches wir ausschöpfen können.“

Foto: MTV
© MTV
Wenn Sie nur ein einziges Format Ihres Senders empfehlen dürften: Welches wäre es - und warum?

„Das wäre ganz klar 'South Park'. Nicht nur weil es so erfolgreich über alle Plattformen läuft, sowohl linear im TV als auch als VoD auf unseren mobilen und Hbb TV Apps, sondern weil es wirklich einzigartig ist. Es ist ein Format, mit dem man sich schon einige Zeit befassen muss, um dessen Tiefgang zu erkennen. Auf den ersten Blick ist es derber, manchmal sehr flacher Humor – auf den zweiten Blick werden auf sehr intelligente Weise aktuelle gesellschaftliche und politische Themen aufgegriffen – ob es die US Wahlen sind oder die aktuelle Debatte um Migration oder Gentrifizierung. Es gibt wohl auch Game of Thrones-Fans, die erst über die South Park Game of Thrones-Folgen auf das Original gekommen sind.“

Welches Format hätten Sie gerne auf dem Sender, wenn Kosten und Quotenerwartungen keine Rolle spielen würden?

„Uns fehlen in Deutschland wenn nicht sogar einige, dann doch wenigstens eine regelmäßige wochentägliche deutsche Late-Night-Show. In den USA gibt es davon mehrere an einem Abend, es ist schwer sich überhaupt zu entscheiden welche man schauen soll. Bei uns gibt es gerade mal zwei in einer ganzen Woche – in der Sommerpause gar keine. Eine wochentägliche deutsche Produktion ähnlich der 'Daily Show with Trevor Noah' oder Jimmy Fallon wäre eine großartige Ergänzung zu unserem Programm und ein Gewinn für alle Zuschauer.“

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