Der Aktionär TV © Der Aktionär TV
Deutschland, deine Sendervielfalt

Der Aktionär hat's ganz schön schwer - der Sender auch?

 

Der Internetsender Der Aktionär TV richtet sich an Privatanleger, die sich für Aktien interessieren - Problem ist nur, dass es davon nur begrenzt viele gibt. Nach der Insolvenz 2015 hat man sich inzwischen aber wieder freigeschwommen und setzt auf die eigenen Stärken.

von Timo Niemeier
22.08.2019 - 16:30 Uhr

Steckbrief

Sendestart: 4. August 2006 (als DAF Deutsches Anleger Fernsehen)
Geschäftsführer: Bernd Förtsch
Programmverantwortlicher: Martin Weiß (Chefredakteur)
Eigentümer: Bernd Förtsch
Kernzielgruppe: Privatanleger und (semi-)professionelle Investoren

Profil & Werdegang

Der Aktionär TV hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Im August 2006 wurde der Sender noch unter dem Namen DAF Deutsches Anleger Fernsehen gegründet, damals war es ein reiner Internetsender. Die Verantwortlichen wollten aber irgendwann mehr und verbreiteten den Sender auch via Kabel und Satellit - genau das wurde dem DAF 2015 zum Verhängnis. Die hohen Kosten der Verbreitung führten zur Insolvenz, danach erfolgte der Relaunch als Der Aktionär TV - dieses Mal wieder ohne Kabel und Satellit. 

Bernd Förtsch© Der Aktionär TV
Dabei ist es bis heute geblieben. Der Aktionär TV ist ein klassischer Internetsender, der seinen Livestream auf der eigenen Seite und über diverse Plattformen wie etwa Zattoo anbietet. Auch in allen einschlägigen TV-Apps gibt es den Sender, inzwischen komme man aber immer weiter weg vom linearen Fernsehen, sagt Geschäftsführer Bernd Förtsch (Foto) im Gespräch mit DWDL.de. "Unsere Inhalte finden tagsüber statt, wenn die Börsen geöffnet haben", sagt er. "Da haben die wenigsten Zuschauer Zeit, sich ständig vor den Schirm zu setzen und zu warten. Deshalb gibt es alles, was wir senden zwanzig Minuten später on Demand." Dieser Service wachse "weitaus stärker" als die lineare Reichweite, so Förtsch. 

Inhaltlich fokussiert sich der Sender auf das, was der Name verspricht: Informationen für Aktionäre. So gibt es Analysen der DAX-Performance und Berichte über Zertifikate, einzelne Aktien oder auch Interviews mit Börsen-Experten. "Bei unserem Content geht es wie bei allen Veröffentlichungen aus meinem Hause immer um den finanziellen Mehrwert für den Privatanleger. Deshalb setzen wir auch ausschließlich auf Eigenproduktionen", sagt Förtsch, der in Studios in Frankfurt und Kulmbach produzieren lässt. Besonders gut gehe das, wo es um eine eindeutige Marktmeinung gehe, sagt der Geschäftsführer. Sehr viel Meinung hat beim Sender Jochen Kauper, der als "Börsenpunk" die gleichnamige Sendung moderiert. Kauper kommt in seiner Sendung nicht wie ein klassischer Börsen-Experte in Anzug daher, sondern rennt teils wild umher, redet ziemlich schnell und empfiehlt dann auch mal, einzelne Aktien schnell zu verkaufen ("Weg damit! Verkauft die Kiste!").

Von Natur-Dokus hat man sich verabschiedet

Inhaltlich dreht sich aber immer alles um Aktien und Börsen - auch beim vielleicht für das Finanz-TV ungewöhnlichen "Börsenpunk". Das war nicht immer so. In der Zeit vor der Insolvenz zeigte das damalige DAF auch immer mehr Dokus aus verschiedenen Bereichen. Mystery, Wissenschaft, Geschichte oder auch Natur waren die Genres, die man damals bediente. Nach dem Neustart als Der Aktionär TV ist das ersatzlos gestrichen worden, es geht seither ausschließlich um Finanz-Informationen. Damit dürfte man die eigene Zielgruppe, interessierte Privatanleger, auch besser erreichen als mit Natur-Dokus. 

Weil Deutschland aber bekanntlich kein Land ist, in dem die Menschen in großem Stile Aktien kaufen, hat es Der Aktionär TV entsprechend schwer. Es gebe in Deutschland "leider viel zu wenige" Menschen, die ihre Geldanlage in die eigenen Hände nehmen und an den Aktienmärkten investieren würden, sagt Förtsch im DWDL.de-Gespräch. Die, die man erreicht, interessieren sich aber sehr wohl für die Finanzbranche. Daher sei man auch recht unabhängig vom klassischen TV-Werbemarkt. "Bei uns spielt die aktuelle Entwicklung an den Aktienmärkten eine wichtigere Rolle. Bis auf einige Buchungen, die aus der klassischen Werbevermarktung rüberschwappen bedienen wir ausschließlich die Finanzbranche." Nur in diesem Bereich könne man adäquate TKPs erzielen, so der Geschäftsführer. 

"Für das Massengeschäft ist unsere Zielgruppe zu spitz, also klein. Für die Finanzbranche allerdings treffen wir voll ins Schwarze." Hier arbeite man mit allen wichtigen Playern zusammen. Das bringe zwar ein gewisses "Klumpenrisiko" mit sich. Aber damit müsse man leben, sagt Förtsch. Darüber hinaus tritt Der Aktionär TV aber auch als Produktionsdienstleister auf, so verantwortet man die Börsen-News des Nachrichtensenders Welt. Außerdem produziert man ein tägliches Format für die Commerzbank und verkauft einzelne Beiträge an lokale TV-Stationen oder an Finanz-Portale, die keine eigene Bewegtbild-Abteilung haben.  

"Für das Massengeschäft ist unsere Zielgruppe zu spitz, also klein."
Bernd Förtsch, Geschäftsführer Der Aktionär TV

Die Börsenmedien AG selbst, zu der die Aktionär TV GmbH gehört, ist noch breiter aufgestellt und betreibt nicht nur den TV-Sender. Zum Konzern gehört auch das Wochenmagazin "Der Aktionär", das es bereits seit 1996 unter diesem Titel gibt. Hinzu kommt der Börsenbuch Verlag und diverse andere, kleine Unternehmen. Bernd Förtsch selbst ist auch Gründer des Online-Brokers Flatex. Inzwischen hat er keine Funktion mehr im Unternehmen, bis Anfang 2017 saß er noch im Aufsichtsrat der FinTech Group, die Flatex betreibt. Er hält aber nach wie vor mehr als 30 Prozent an der Gruppe, entweder direkt oder über andere Gesellschaften. Damit sind Förtschs Unternehmen eigentlich auch Bestandteil der Berichterstattung bei Der Aktionär TV. Dennoch kommt es vor, dass Flatex-Mitarbeiter beim Sender als Experten auftreten. 


Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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