Wie Super RTL den Abend stärken will

Carsten Göttel: "Wir setzen auf den Quengelfaktor"


© DWDL.de

von Alexander Krei
12.09.2012 - 11:27 Uhr

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Kurz vor dem Start des US-Hits "Once Upon A Time" sprach Super RTL-Programmchef Carsten Göttel bei den "Talking Heads", veranstaltet vom VFFV und DWDL.de, über die Strategie seines Senders und die Primetime-Herausforderung.

Bei Super RTL wird man gespannt auf den frühen Donnerstagvormittag warten. Wenn die Einschaltquoten der neuen US-Serie "Once Upon a Time", auf die man im Sender so große Stücke hält, auf dem Tisch liegen, wird man einen ersten Anhaltspunkt dafür haben, ob die Märchenserie ihren Beitrag zu den ehrgeizigen Zielen des Familiensenders in der Primetime leisten kann. Vier Prozent erhofft sich Programmdirektor Carsten Göttel zum Auftakt der Märchenserie, die sich in der zurückliegenden Saison als großer Überraschungserfolg im amerikanischen Fernsehen entpuppte. "Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn das kein Erfolg wird", sagte Göttel am Dienstag bei der Veranstaltungsreihe "Talking Heads", die der Verband der Fernseh-, Film-, Multimedia- und Videowirtschaft VFFV erstmals gemeinsam mit dem Medienmagazin DWDL.de im Kölner Residenz-Kino veranstaltete.

"Glee", ebenfalls ein großer US-Hit, sei dagegen vor zwei Jahren nicht der Kern von Super RTL gewesen und habe aus diesem Grund nicht funktioniert, sagte Göttel und zog seine Schlüsse daraus: "Wir müssen uns auf die Zuschauer konzentrieren, die wir haben." Man sei zumindest reich an Erfahrungen geworden, scherzte der Programmchef des Marktführers im Kinderfernsehen. Bei einer Serie wie "Glee" konnte man eben kaum Nein sagen, so Göttel - andernfalls wäre sie vermutlich zu ProSieben gewandert. Doch ob mit oder ohne "Glee": Die Zeiten, zu denen Super RTL nahezu täglich Peter Steiners "Theaterstadl" zeigte, sind glücklicherweise vorbei, auch wenn es noch viel Arbeit mache, das auch in die Köpfe aller Zuschauer zu bekommen.

Die Strategie für die Zukunft ist klar definiert: "Wir setzen auf den Quengelfaktor." Will heißen: Die Kinder sollen ihre Eltern mit in die Primetime nehmen - mit "Upps" sei das einst gut gelungen, auch wenn sich das Format nun allmählich seinem Ende entgegensende. Doch noch gibt es am Abend viel zu tun. "Die Daytime ist unsere Champions League, die Primetime eher der Bolzplatz", fasste Carsten Göttel den momentanen Stand zusammen. Wie sehr sich der Markt des Kinderfernsehens in Deutschland verändert hat, zeigt der Blick auf die Quoten: Der Vorsprung von Dauer-Marktführer Super RTL auf den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal ist inzwischen minimal, auch wenn man aus wirtschaftlichen Gründen nicht zuletzt Nickelodeon im Blick hat. "Denn die nehmen uns die Kohle weg", sagte Göttel bei den "Talking Heads", zeigte sich zugleich aber stolz über das bislang Erreichte.

"Wir haben es trotz eines großen Programmverlusts geschafft, einen rund doppelt so hohen Marktanteil zu erreichen wie Nickelodeon." Göttel erinnerte daran, dass Nick zum Sendestart rund zwei Drittel seines Programms mit Formaten wie "SpongeBob Schwammkopf" bestückte, die einst wichtige Eckpfeiler des Erfolgs von Super RTL waren. Doch auch weiterhin besitzt der Sender starke Formate wie "Hannah Montana" oder "Bob, der Baumeister". Doch in welche Richtung will Super RTL in Zukunft steuern? Obwohl man bereits fünf Wissensformate im Programm hat, will Carsten Göttel genau dort nachlegen - hier hofft er auf die Kreativität der Produzenten, die humorvolle, aber zugleich kinderaffine Formate entwickeln sollen.

"In diesem Bereich ist uns der Kika noch ein bisschen voraus", sagte Göttel am Dienstag in Köln, erklärte aber zugleich, in welche Richtung man keineswegs gehen wolle. Ironie sei beispielsweise tabu. "Wir sind nicht Ralph Caspers und wir sind auch nicht Schule und Lehrer." Auf einen erhobenen Zeigefinger will man daher bei Super RTL verzichten. "Die Wissenssendungen müssen so sein, dass Eltern sie für qualitativ hochwertig erachten." Mit "Woozle Goozle", einem von Big Smile und Endemol produzierten, unterhaltsamen Wissensmagazin mit einer schrägen Puppe, hofft Göttel, bereits ab November einen wichtigen Schritt machen zu können.

"Die Eltern werden uns meiden, wenn wir den Wissens-Bereich nicht ernst nehmen", ist sich der Programmdirektor sicher. Für den Nachmittag, wenn die Kinder aus der Schule kommen, sind solche Formate aber kaum geeignet, weil die jungen Zuschauer zu diesem Zeitpunkt in ihre eigene Welt abtauchen wollen. "Nachmittags zeigen wir alles, was Kinder sehen wollen. Die Eltern schauen da sowieso nicht." Die sitzen eher am frühen Abend oder am Wochenende gemeinsam mit ihren Kindern vor dem Fernseher. Deshalb überrascht es auch nicht, dass Super RTL nicht zuletzt sonntags auf familienaffine Spielfilme setzt, auch wenn das auf den ersten Blick nicht unbedingt rentabel ist, weil es dem Sender untersagt ist, diese zu unterbrechen. "Das kostet uns eine Menge Holz", sagte Göttel - doch nur über den Umweg der Eltern kommt Super RTL letztlich an die jungen Zuschauer ran.

Kinderfernsehen ist ein kompliziertes Konstrukt, dessen Erfolg von vielen Faktoren abhängig ist. Bei Super RTL hat man in den vergangenen 17 Jahren ohne Zweifel gelernt, diese so gut wie möglich für sich zu nutzen. Die Marktführerschaft spricht für sich. Ob man jedoch auch die Primetime in den Griff bekommen kann, muss sich aber erst noch zeigen. "Once Upon A Time" bedeutet aber ganz sicher einen Schritt in die richtige Richtung.

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