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UK-Update vom 6. Februar

Gebührenerhöhung kommt, MTV startet Streaming-App

 

Die BBC hat zuletzt viele Gebührenzahler verloren, die verbliebenen müssen künftig etwas mehr als bislang zahlen. Außerdem: Discovery beantragt Lizenzen in Deutschland, MTV startet eine Streaming-App und Sir David Attenborough macht eine neue Dokureihe.

von Timo Niemeier
06.02.2019 - 11:55 Uhr

BBC© BBC
Die britische "Times" berichtet, dass der BBC immer mehr Gebührenzahler abhanden kommen. Alleine im vergangenen Jahr sollen sich 860.000 Menschen abgemeldet und ihre TV-Lizenzen storniert haben. Die Nachrichtenagentur Bloomberg spricht vom "Netflix-Effekt". In Großbritannien müssen nur Menschen TV-Gebühren zahlen, die auch tatsächlich einen Fernseher haben oder Programm über den iPlayer schauen. Gleichzeitig wird es zum 1. April des laufenden Jahres eine Gebührenerhöhung geben, das hat die britische Regierung bestätigt. Die jährlichen Kosten sollen dann von 150,50 auf dann 154,50 Pfund ansteigen. Das entspricht etwas mehr als 175 Euro, die Gebühren auf der Insel liegen damit also noch immer weit unter denen in Deutschland. Die BBC betreibt mit dem Geld neun TV-Sender, zehn nationale Radiokanäle und 40 lokale Radiosender. Hinzu kommt das Online-Angebot.

MTV© MTV
MTV hat die Streaming-App MTV Play veröffentlicht und will damit vor allem junge Nutzer erreichen, die nicht mehr über einen (Pay-)TV-Zugang verfügen. Die App ist einen Monat lang gratis und kostet danach 3,99 Pfund im Monat. Neben einem Livestream des Senders können die Abonnenten auch viele Eigenproduktionen des Senders auf Abruf sehen, etwa Reality-Formate wie "Teen Mom UK", "Geordie Shore" oder "Lindsay Lohan’s Beach Club". Derzeit gibt es die App nur über den App Store von Apple und Googles Play Store. Künftig will man aber auch Deals mit verschiedenen Telekommunikationsanbietern machen. Arran Tindall, Senior Vice President Commercial and Content Distribution von Viacom, sagte: "Unsere wichtigsten Vertriebspartner wie Sky, Virgin Media und BT leisten hervorragende Arbeit, um MTV jüngeren Zielgruppen in ganz Großbritannien näher zu bringen. Aber wir wissen, dass es ein Segment von jüngere potenzielle MTV-Fans gibt, die kein Pay-TV-Paket besitzen. MTV Play macht jungen Menschen erstmals das gesamte MTV-Content-Erlebnis auf eine Weise erlebbar, die leicht zugänglich und erschwinglich ist."

Eleven Sports© Eleven Sports
Der Sport-Streamingdienst Eleven Sports bleibt vorerst bestehen, Kunden müssen sich aber auf größere Veränderungen einstellen. Im Dezember sah es noch so aus, DWDL.de berichtete, als müsste der Dienst nur wenige Monate nach dem Start dicht machen. Nun heißt es, man wolle die Spiele der spanischen LaLiga auch künftig zeigen. Das gilt vorerst bis zum Ende der Saison. Die Rechte an der Serie A und der Eredivise gibt man allerdings Ende Februar ab. Das ist das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Eleven Sports und der Rechteinhaber IMG. Die zwei wegfallenden Ligen sind künftig bei Premier Sports zu sehen, das bis Ende 2020/21 mindestens sechs Spiele pro Spieltag übertragen will. Eleven Sports wird aufgrund des ausgedünnten Angebots seinen Preis von derzeit 5,99 auf 4,99 Pfund senken.

Geldscheine© Chobe / photocase.com
Die Investments in High-End-TV-Produktionen lagen im vergangenen Jahr erstmals bei 1,2 Milliarden Pfund, das hat eine Studie des British Film Institute ergeben. Im Vergleich zu 2017 war das noch einmal ein kleines Plus von rund vier Prozent. Die 1,2 Milliarden Pfund verteilen sich auf 119 Produktionen, 55 davon waren rein inländische Produktionen. Die restlichen Investitionen flossen in Koproduktionen. Zu letzteren zählen Serien wie "The Crown" oder "Four Weddings and a Funeral", als Inlandsserien gelten unter anderem "Luther" "Tin Star" oder "Call The Midwife". Digitalministerin Margot James sagte, die Zahlen würden bestätigen, dass Großbritannien ein echtes "globales Powerhouse" sei. "In Großbritannien werden jedes Jahr Milliarden von Pfund für Filme und High-End-TV ausgegeben." Man wolle diesen Sektor weiterhin unterstützen.

Werbung im Fernsehen© Pixabay/DWDL
Während also immer mehr Geld in hochwertige TV-Inhalte gesteckt wird, laufen die klassischen TV-Sender jedoch Gefahr, künftig immer weniger Geld mit Werbung zu machen. In einer entsprechenden Studie von Ebiquity heißt es nun, die Sender würden innerhalb der nächsten fünf Jahre an einen Wendepunkt gelangen. Durch stetig sinkenden Reichweiten würden TV-Kampagnen für Werbungtreibende irgendwann schlicht zu teuer und ineffektiv. So soll bis 2022 die Anzahl der gesehenen Werbespots bei den 16- bis 34-Jährigen um 45 Prozent und bei den Hausfrauen mit Kindern um 30 Prozent sinken. "Das Fernsehen war der führende Medienkanal für Werbetreibende, die eine große Reichweite erreichen wollten", sagt Christian Polman, Chief Strategy Officer bei Ebiquity. "Wenn die Werbekunden und Rundfunkveranstalter nichts unternehmen, wird das Fernsehen bis 2022 nicht mehr die Krone in Sachen Return on Investment halten. Werbetreibende müssen ihre Medienpläne und Investitionen neu bewerten."

Die BBC hat zwei neue große Naturdoku-Projekte angekündigt. Beim einen handelt es sich um "Green Planet", einer Produktion der Natural History Unit der BBC. Dazu geht man eine Kooperation mit PBS ein. Die Reihe soll die Erfolge, die man mit "Blue Planet" und "Planet Earth" erzielt hat, fortsetzen. Inhaltlich geht es in "Green Planet" um die Perspektive der Pflanzen. Gezeigt werden soll unter anderem, dass Pflanzen so aggressiv, wettbewerbsfähig und dramatisch sein können wie Tiere. Fünf Ausgaben der Reihe werden produziert. Darüber hinaus verantwortet Sir David Attenborough für BBC und BBC America "One Planet, Seven Worlds". In dieser siebenteiligen Reihe, die übrigens auch vom ZDF koproduziert wird, werden Geschichten der Tierwelt und großer Landschaften des Planeten erzählt. Attenborough ist ein preisgekrönter Naturdokufilmer, der unter anderem "The Blue Planet", "Planet Earth" (I und II) sowie das neue "Dynasties" mitverantwortet hat.

Discovery Communications© Discovery
Auch Discovery Communications wappnet sich für den nahenden Brexit und hat nun für einige seiner Sender Lizenzen in Deutschland beantragt. Bei der Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) ist ein entsprechender Antrag eingegangen, derzeit wird der Fall von der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) geprüft. Die beantragten Lizenzen sind allerdings nicht für die deutschen Sender, die laufen alle schon mit deutscher Lizenz. Eine BLM-Sprecherin bestätigt gegenüber "Broadband TV News", dass es vor allem um skandinavische Discovery-Sender geht. Darunter fallen unter anderem die dänischen Channel 5, Eurosport 2, und Discovery Channel sowie das schwedische TLC sowie Vox und Fem aus Norwegen. Derzeit laufen diese Sender alle unter einer Ofcom-Lizenz. Kommt der Brexit, wird diese im Rest der EU ungültig.

Im A Celebrity Get Me Out Of Here© ITV
Die Macher der "I’m a Celebrity… Get Me Out of Here"-App haben Ärger mit der Advertising Standards Authority (ASA). Die Werbeaufseher sehen ein Problem in dem Sponsoring der App durch Tombola und haben die Glücksspielanzeigen des Unternehmens verboten. Diese hätten laut der ASA gegen die Regel verstoßen, Kinder und Jugendliche nicht zum Wetten zu animieren. Tombola ist ein Online-Casino, das als Sponsor der App in der letzten Staffel aufgetreten ist. Laut Tombola arbeitete man mit ITV und einer Mediaagentur zusammen, um mit der Kampagne nur erwachsene Menschen zu erreichen. Die ASA entgegnete, dass die App auch jüngere User ansprechen würde.

Was noch zu sagen wäre…

Nein, Theresa May fällt aufgrund der Brexit-Verhandlungen vermutlich nicht in Brüssel ein.

 

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