Unterm Strich vom 23. Juni

RTL: Scripted-Reality-Dokus verlieren an Zugkraft

von Alexander Krei
23.06.2012 - 10:28 Uhr

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Die Zeiten, als "Familien im Brennpunkt" und Konsorten regelmäßig für Marktanteile von mehr als 30 Prozent gut waren, scheinen vorbei. Zuletzt präsentierten sich sämtliche Scripted Realitys schwach wie nie. Vorbei ist der Boom aber nicht.

Satte 13 Prozent Marktanteil verzeichnete Vox am Mittwoch mit seiner Scripted Reality "Verklag mich doch". Dem Format gelang es somit, sogar Sat.1 hinter sich zu lassen. Doch damit nicht genug: Selbst der RTL-Dokusoap "Mitten im Leben" kam Vox an diesem Tag gefährlich nahe. Eine Ausnahme - so könnt man argumentieren. Doch das Beispiel zeigt: RTL hat in den vergangenen Monaten am Nachmittag deutlich Boden verloren. Dass sich der Kölner Sender derzeit schwer tut, hängt auch damit zusammen, dass man inzwischen eben nur noch in Ausnahmefällen mal mehr als 30 Prozent Marktanteil verzeichnet.

Zwar sind die oft kritisierten Scripted-Reality-Format von RTL noch immer meist klarer Marktführer, doch der Vorsprung ist geschmolzen. Am schwersten tut sich derzeit "Mitten im Leben", das im Juni bislang durchschnittlich nur 19 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe verzeichnete. Vor einem Jahr waren es dagegen noch knapp 23 Prozent. Noch schlimmer erwischte es die danach gezeigten "Verdachtsfälle": Hier ging es im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast sieben Prozentpunkte nach unten, "Familien im Brennpunkt" verlor immerhin fünf Prozentpunkte gegenüber Juni 2011.

 

Mit bislang nur noch 23,3 Prozent liegt das Format zwar nach wie vor weit über dem Senderschnitt - doch noch im Mai vergangenen Jahres reichte es im Monatsschnitt zu mehr als 30 Prozent. Alle Nachmittags-Formate tun sich aktuell jedenfalls so schwer wie nie. Und so wird man diese Entwicklung bei RTL trotz des noch immer bestehenden komfortablen Vorsprungs auf die Konkurrenz durchaus kritisch beäugen. Sollte sich der Abwärtstrend weiter fortsetzen, wird man sich in Köln früher oder später eine Frage stellen: Sind die Quoten sämtlicher Scripted Realitys noch so gut, dass sie das mit ihnen einhergehende schlechte Image kompensieren?

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sich das Genre trotz erster Ermüdungserscheinungen der RTL-Zuschauer nach wie vor großer Popularität erfreut. Vox feiert mit dem eingangs schon erwähnten "Verklag mich doch" derzeit regelmäßig Rekordwerte und für Sat.1 hat sich der Start von "Famiien-Fälle" auf dem Sendeplatz um 15:00 Uhr bezahlt gemacht. Während Salesch in ihren letzten Sendemonaten nicht selten nur noch einstellige Marktanteile in der Zielgruppe verzeichnete, liegt die Scripted Reality derzeit recht konstant bei mehr als zwölf Prozent. Und nicht nur das: Insgesamt bewegt sich die Sendung sogar auf einem höheren Quoten-Niveau als das parallel laufende RTL-Format "Verdachtsfälle".

Was steht an?

EM-bedingt hielten sich die Sender in den vergangenen Wochen mit Neustarts zurück, doch das ändert sich in den nächsten Tagen wieder. Am Sonntag steht zunächst die Dokusoap "Lothar - Immer am Ball" bei Vox auf dem Programm, die schon im Vorfeld für reichlich Wirbel sorgte. Im Anschluss an kochende Promis und Star-Geschichten könnte das Format aber trotz aller Kritik im Vorfeld für durchaus ordentliche Quoten sorgen. Spannender ist da schon die Frage, ob die RTL-Dokusoap "Mietprellern auf der Spur", die im vergangenen Jahr viele Schlagzeilen produzierte, an den Quoten-Erfolg der ersten Staffel anknüpfen kann. Ausgestrahlt wird das Format am Montagabend.

Am selben Abendkehrt schließlich der RTL-Ferienreporter mit seiner Sendung "Wir retten Ihren Urlaub" zurück - im vergangenen Sommer erzielte das Format im Schnitt 15,4 Prozent Marktanteil, zuletzt mit steigender Tendenz. Gut möglich also, dass RTL damit einen recht verlässlichen Quotenbringer im Programm haben wird. Den wohl interessanten Neustart der Woche gibt es allerdings im ZDF: Auf dem Sendeplatz der "heute-show" zeigt das Zweite am Freitagabend erstmals die neue Experimente-Show "Nicht nachmachen!" mit Wigald Boning, Bernhard Hoëcker. Traum-Quoten sind nicht zu erwarten, doch insbesondere jüngeren Zuschauern könnten Gefallen an dem Format finden.

Unterm Strich bleibt das ZDF seiner Marschroute treu und gibt sich am späten Freitagabend zumindest zeitweise recht jung. Hoffentlich wird dieser Schritt von den Zuschauern belohnt.

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