© AT&T / Time Warner
US-Update vom 13. Juli

Störfeuer für AT&T-TimeWarner-Deal, HBO soll sich ändern

 

Die US-Regierung will sich nicht geschlagen geben und im Streit über die Übernahme von Time Warner durch AT&T in Berufung gehen. Unterdessen soll sich HBO nach den Vorstellungen von AT&T nicht mehr auf wenige Produktionen konzentrieren

von Regine Pfaff / Uwe Mantel
13.07.2018 - 12:23 Uhr

AT&T und Time Warner
© AT&T / Time Warner
Schon im Oktober 2016 gab AT&T bekannt, die Mehrheit an Time Warner für 85 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Was folgte, war eine lange Hängepartie, nicht nur mit kartellrechtlicher, sondern auch mit politischer Dimension. Schon im Wahlkampf hatte der jetzige US-Präsident Donald Trump, der nicht zuletzt mit dem von Time Warner betriebenen Nachrichtensender CNN über Kreuz liegt, gegen die Fusion gewettert und angekündigt, sie nicht zulassen zu wollen. Tatsächlich ging das Justizministerium schließlich sogar gegen die geplante Fusion vor Gericht - und erlitt Mitte Juni eine Niederlage auf ganzer Linie. Ein Bundesrichter segnete die Fusion bei geringen Auflagen ab. Doch noch will sich die US-Regierung nicht geschlagen geben. Das Justizministerium hat nun angekündigt, gegen das Urteil in Berufung zu gehen, um die Übernahme doch noch zu verhindern. Ursprünglich hatte die US-Regierung angekündigt, das Urteil zu akzeptieren, dementsprechend zeigte man sich bei AT&T nun von dieser neuen Entwicklung auch überrascht. Das Justizministerium argumentiert, dass es durch die Übernahme zu weniger Wettbewerb und höheren Preisen kommen werde, der Richter sah dafür aber keine ausreichenden Beweise.

HBO Logo
© HBO
Womöglich sieht man beim ebenfalls zu Time Warner gehörenden Pay-TV-Anbieter HBO diese Entwicklung ja als gar nicht so ungelegen an. Dort hatte John Stankey, der bei AT&T das Medien-Geschäft verantwortet, in dieser Woche einen Antrittsbesuch - und forderte deutliche Änderungen in der Ausrichtung von HBO. Der Sender müsse künftig deutlich mehr Zuschauer ansprechen, die derzeitige Markt-Penetration von 35 bis 40 Prozent sei nicht genug. In seinen Augen wirft HBO auch zu wenig Gewinn ab. Man müsse die Zuschauer dazu bringen, nicht einige Stunden in der Woche HBO-Inhalte zu schauen, sondern mehrere Stunden am Tag. Das läuft allerdings der Strategie zuwider, sich auf weniger, herausragende Produktionen zu beschränken, wofür die Macher ungewöhnlich viel Zeit und Freiheiten bekommen - seit jeher eigentlich das Erfolgsrezept. Stattdessen müsste also deutlich mehr produziert werden. Ein Vorbild ist dabei Netflix, das neben Prestige-Produktionen auch eine enorme Quanität an Inhalten produziert. In jedem Fall stimmte er die Mitarbeiter auf ungemütlichere Zeiten ein: "Ihr werdet sehr hart arbeiten müssen und das nächste Jahr wird sich ein bisschen anfühlen wie eine Geburt. Ihr werdet irgendwann zurück blicken und glücklich darüber sein - aber es wird sich nicht so anfühlen, wenn ihr mittendrin seid." Der Gute Aspekt, der sich darin versteckt: AT&T will keinen Sparkurs bei HBO, sondern dürfte den Etat noch aufstocken, wenn man die Ankündigungen in die Tat umsetzen will.

Who is America?
© Sky Deutschland/Gavin Bon
Die neue Sacha-Baron-Cohen-Serie "Who is America?" dürfte in den kommenden Wochen wohl noch für viel Gesprächsstoff sorgen. Showtime hatte den Start der Reihe, über die bis dahin nichts bekannt war, überraschend schon für den kommenden Sonntag angekündigt. Die Dreharbeiten fanden heimlich statt - und umfasste offenbar viele, vor allem konservative Politiker und Prominente, denen erst jetzt aufgeht, dass sie Cohen auf den Leim gegangen sind. So wurde bereits ein Video veröffentlicht, in dem Ex-Vizepräsident Dick Cheney zu sehen ist, wie er ein "Waterboarding-Kit" unterschreibt. Zu Wort gemeldet hat sich auch schon Sarah Palin, die sich beschwerte, von Sacha Baron Cohen hinters Licht geführt worden zu sein. Sie dachte offenbar, sie sitze einem verwundeten US-Veteran gegenüber. Ähnliches äußerte auch der konservative Radio-Moderator Joe Walsh. Palin sagte in einem Statement: "Ja, du hast mich erwischt. Fühlst du dich jetzt besser? Ich stoße zu einer langen Liste an amerikanischen Persönlichkeitne, die dem bösen, ausbeuterischen und kranken 'Humor' des britischen 'Comedians' Sacha Baron Cohen zum Opfer gefallen sind, unterstützt und gesponsert von CBS/Showtime".

Pose
© FX
Weitere extravagante Posen gibt es bei FX Networks zu sehen. Der Sender schickt "Pose", das bei TV-Zuschauern wie auch der Rezensenten gut abschneidende Werk von Ryan Murphy, Brad Falchuk und Steven Canals, in die Verlängerung. Geordert wurde noch vor dem Finale der Premierenstaffel eine zweite Staffel. Das historisch stilvoll in Szene gesetzte "Pose" blickt zurück auf das Leben und die Veränderungen in den 1980er Jahren in New York. Beleuchtet werden dabei verschiedene Segmente des gesellschaftlichen Lebens vom Voranschreiten des zur Schau gestellten Luxus' a là Trump, die soziale und literarische Szene und vor allem die LGBT-Kultur. Dies wird neben der inhaltlichen Komponente auch mit dem größten Cast an homosexuellen Schauspielerinnen und Schauspielern abgebildet. Ganz im Sinne von Madonna Musikzitat "strike a pose", schwärmt auch FX-CEO John Landgraf von der Serie und zeigt sich erfreut über weitere Posen auf seinem Sender: "Wie von Fernsehkritikern allgemein anerkannt, gibt es momentan keine andere TV-Serie, die sich auf jeder kreativen Ebene so auszeichnet und die aufgrund des ansteckend wirkenden, verschiedene Aspekte integrierenden Ansatzes einen Platz in der Fernsehgeschichte einnehmen wird."

Bildstörung
© flickr: Robert Anders - CC BY 2.0
Die Bergung der zwölf Jungen und ihres Trainers in Thailand dominierte die Medien in den letzten Wochen rund um den Globus. Pläne, das Höhlendrama von Thailand in Filmform zu gießen, bestehen bereits jetzt. US-Filmproduzent Michael Scott - weder verwandt noch verschwägert mit dem gleichnamigen Charakter von Steve Carrell aus "The Office" - erklärte in einem Video von einer "unglaublichen Geschichte", die "Millionen Menschen weltweit inspirieren könnte". Kurz nach der Rettungsaktion waren bereits Mitarbeiter vor Ort, um Material zu sammeln. Filmproduzent Scott lebt selbst teilweise in Thailand und hat angeblich eine persönliche Verbindung zum Rettungsteam. Die Frau des sich auf Filme mit christlichem Schwerpunkt fokussierenden Pure-Flix-Mitbegründers, sei angeblich mit dem bei der Rettung verstorbenen Taucher aufgewachsen. Doch nicht nur von der Seite kommt mit bedenklich wenig zeitlichem Abstand Interesse an einem Film: auch Mike Medavoy hat bereits Interesse bekundet. Dieser zeigt für den Film "69 Tage" mit Antonio Banderas und Juliette Binoche über die Bergung der eingeschlossenen Minenarbeiter in Chile verantwortlich. Vor allem von den damalig Betroffenen kommen kritische Stimmen: eine filmische Aufarbeitung könne gesundheitliche und psychische Probleme hervorrufen. Für die an einer Filmproduktion Interessierten gilt es ohnehin zunächst die Rechte aller Beteiligten einzuholen, was ebenfalls keine leichte Hürde sein dürfte.

RuPauls Drag Race
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Zwölf Emmy-Nominierungen konnte RuPaul Charles für seine "RuPaul's Drag Race", der staffelweisen Suche nach Amerikas neuem Drag-Superstar, für die am 11. September in Los Angeles im Microsoft Theater stattfindenden Creative Arts einheimsen. Dies ist zudem gleichbedeutend mit einem Rekord in der Geschichte des Senders VH1. Noch vor der Verkündung wurde bekannt, dass RuPaul einen Schritt ins tägliche TV-Geschäft am Nachmittag wagen will. Telepictures hat nämlich einen Talk-Show-Piloten mit dem Emmy-Gewinner abgedreht. In der Show soll unter anderem der positive, wie unterhaltsame und energetische Standpunkt des Gastgebers in Szene gesetzt werden. Und etwas konkreter heißt es: in der als tägliche Nachmittagsshow geplanten Sendung sollen neben Gesprächen mit Prominenten, Styling-Tipps gegeben, oder Insider- wie Popkultur-Wissen zum Besten gegeben werden. Ein Start ist für 2019 geplant.

US-Quoten-Update

Sharp Objects
© HBO
Die neue HBO-Serie "Sharp Objects" feierte am Sonntag vergangener Woche vor 1,5 Millionen Zuschauern Premiere. Damit lag die Zuschauerzahl um über ein Drittel höher als beim vielgelobten "Big Little Lies" und war generell die erfolgreichste Serienpremiere seit "Westworld", das 2016 mit zwei Millionen Zuschauern gestartet war. Rechnet man auch noch die Wiederholung und HBO Go/HBO Now mit ein, dann sahen allein am Premieren-Abend 2,1 Millionen Zuschauer zu. Üblicherweise dürften im Lauf der darauffolgenden Tage noch deutlich mehr dazu kommen, schon mit den frühen Zahlen dürfte man bei HBO aber hochzufrieden sein. Weniger begeistert ist man wohl bei The CW, wo die neue Serie "The Outpost" einen völligen Fehlstart hinlegte. Weniger als 800.000 Zuschauer und in der Zielgruppe ein kaum messbarer Marktanteil von 0,1/1 Prozent (Rating/Share) sind selbst für Sommerserien-Verhältnisse deutlich zu wenig.

Big Brother
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Doch auch mit non-fiktionalen Inhalten läuft es in diesem Sommer für die Networks nicht ganz so gut wie in den letzten Jahren. "Big Brother" kam etwa im vergangenen Jahr im Schnitt noch auf über sechs Millionen Zuschauer und ein Zielgruppen-Rating von 1,8. In diesem Jahr pendelt die Reichweite nur um die 5-Millionen-Marke, selbst der Höchstwert lag in der Zielgruppe in den ersten Wochen nur bei einem 1,5-Rating. Am Mittwoch legte auch die neue Show "TKO: Total Knock Out" einen etwas enttäuschenden Start hin. 4 Millionen Zuschauer insgesamt und 0,9/5 Prozent in der Zielgruppe (Rating/Share) sind angesichts der "Big-Brother"-Vorlage sicherlich weniger als man sich bei CBS eigentlich erhofft hatte.

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