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Meine Woche in Serie

"Legion" - wow, wie verrückt ist das denn?!

 

Superheldenserien gab es in den vergangenen Jahren so einige - sehenswerte und abschaltbare. Und trotzdem gehört die Marvel-Comic-Adaption "Legion" für unsere Kolumnistin Ulrike Klode zu den Serien, auf die sie sich in diesem Jahr am meisten freut. Nach der Hälfte der Staffel zieht sie ein Fazit.

von Ulrike Klode
04.03.2017 - 10:30 Uhr

Ein wichtiger Hinweis, für alle, die "Legion" noch nicht kennen, aber dringend gucken wollen: Suchen Sie sich jemanden zum Mitgucken. Egal, wen. Und auch egal, ob man im selben Raum ist oder an verschiedenen Orten gleichzeitig guckt und sich währenddessen austauscht. Hauptsache, da ist jemand, mit dem man diesen wilden Trip unternehmen kann. 

Denn "Legion" ist eine Serie, wie ich bisher keine zweite gesehen habe. Hier werden die beiden bereits bekannten Zutaten Superheldengeschichte und "unzuverlässiger Erzähler" (wie bei "Mr. Robot") zu einer sehr überraschenden Mixtur verrührt. Angereichert wird die Mischung mit unerwarteten Stilelementen und einem fast romantisch anmutendem Setting. Und über allem schwebt ab Folge 2 die Frage: Was ist real? 

Anfang Januar hatte ich hier in meiner Kolumne eine Liste der Serien veröffentlicht, auf die ich mich in diesem Jahr am meisten freue - "Legion" stand auch darauf. Einfach deswegen, weil ich davon ausgegangen bin, dass man von Showrunner Noah Hawley nach seiner "Fargo"-Adaption Großartiges erwarten kann. Und, ja, diese Marvel-Comic-Adaption ist nichts weniger als "großartig". Ich habe jede einzelne Sekunde der ersten vier Folgen genossen, mich daran erfreut, wie spielerisch hier verschiedene Erzählebenen verwoben werden, wie mit Sehgewohnheiten gebrochen wird und in welch absurden Szenen Entwicklungen gipfeln können. (In Details möchte ich jetzt nicht gehen, um anderen nicht den Spaß zu nehmen.) Es ist einfach wunderbar großartigst verrückt, was Noah Hawley da ersonnen hat. Und "Legion" ist keine Spielerei um der Spielerei willen, sondern in den vier Folgen entspinnt sich eine spannende, teils brutale Geschichte um David Haller (Dan Stevens. Ja, der Matthew Crawley aus "Downton Abbey - ich habe ihn auch nicht erkannt.), der so gar kein Superheld zu sein scheint. Ein Großteil der Geschichte spielt in seinem Kopf, eine Herausforderung, die Hawley und sein Team bisher bravourös und sehr unterhaltsam meistern. 

Natürlich besteht hier - wie bei vielen Serien, die mit den Erwartungen und Sehgewohnheiten des Publikums spielen - die Gefahr, dass die Auflösung enttäuscht, weil sie entweder zu leicht absehbar war oder der Komplexität, die vorher aufgebaut wurde, nicht gerecht wird. Oder: Weil es alles einfach keinen Sinn ergibt. Die dritte Möglichkeit ist mir von den dreien die liebste. Also, wenn es schon eine Enttäuschung sein muss. Vielleicht schimpfe ich nach weiteren zwei Folgen auf "Legion". Vielleicht verfluche ich am Ende der achtteiligen Staffel Noah Hawley und nehme mir vor, mich nie wieder auf eine seiner Serien zu freuen - die dritte Staffel von "Fargo" eingeschlossen. Aber jetzt gerade, in diesem Hochgefühl nach dem Gucken der vierten und unfassbar absurden Folge, kommt es mir so vor, als könne das nicht passieren.  

Was das Gucken allein oder zu zweit angeht: Ich habe es ausprobiert - zwei Folgen mit Mitgucker, zwei Folgen ohne Mitgucker. Und es ist seltsam, ohne Mitgucker fehlte etwas. Meine vielen "Wow"- und "Hä?"- und "Boah, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet"- und "Wie cool ist das denn gemacht?!?"-Ausrufe blieben unerhört, ohne Reaktion. Und der Drang, danach zu diskutieren, zu spekulieren und zu klären, ob ich alles richtig verstanden habe, blieb unerfüllt. Besonders bei Folge 4, die zu dem verrücktesten gehört, was ich bisher in Serien gesehen habe, fehlte der Mitgucker. Ich werde diese Folge also einfach noch einmal schauen müssen - mit Begleitung.

Hier ist ein ganz kleiner Einblick in die Verrücktheit der Serie: ein Tanz in einer psychiatrischen Klinik zu einem französischen Chanson. Die schwarzgekleideten Figuren sind die Hauptfiguren Syd Barrett (Rachel Keller) und David Haller (Dan Stevens). Die Szene stammt aus der ersten Folge.


Und zum Schluss noch zwei Gucktipps: 

Spionage auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges: Die fünfte Staffel von "The Americans" startet am 7. März in den USA beim Pay-Sender FX. Die bange Frage vor dem Start der neuen Staffel: Kann die Serie überhaupt noch besser werden? Oder ihr hochklassiges Niveau halten?

Liebe, mal anders erzählt: Die zweite Staffel von "Love" ist ab 10. März auf Netflix verfügbar. Wer vorher noch schnell mehr über die erste Staffel erfahren will - ich habe vor einem Jahr in meiner Kolumne darüber geschrieben.

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken, über das ich schreibe?

"Legion": Läuft donnerstags im deutschen Pay-Sender Fox. Die bereits gesendeten Folgen gibt's zum Beispiel bei folgenden Streaminganbietern: Amazon Video, iTunes, Maxdome oder Sky Go/Sky Ticket.

"Fargo" - die Serie: Die beiden bisherigen Staffeln sind unter anderem bei folgenden Streaminganbietern verfügbar: Amazon Video, iTunes, Maxdome oder Netflix. Mitte April startet die dritte Staffel in den USA.

Wer mir auf Twitter folgen möchte, kann das hier tun: @FrauClodette.

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