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Meine Woche in Serie

Bitte gucken Sie "This Is Us"*

 

In den USA war die erste Staffel der Familienserie "This Is Us" ein großer Erfolg. Am Mittwoch ist sie nun auch in Deutschland gestartet - doch nur wenige Menschen haben eingeschaltet. Wer sie nicht gesehen hat, sollte das dringend nachholen, findet unsere Kolumnistin Ulrike Klode.

von Ulrike Klode
27.05.2017 - 08:05 Uhr

*Denn es ist eine verdammt sehenswerte Serie.
So, das war die Begründung in Kürze. Aber natürlich werde ich im Folgenden noch ein bisschen ausführen, was ich damit meine.

Zuerst aber die Vorgeschichte: Am Mittwochabend startete die amerikanische Familienserie "This Is Us" auf ProSieben. Auf dem Sendeplatz um 21.15 Uhr, also nach "Grey's Anatomy". Die Serie war stark beworben worden - online, im Fernsehen und auf Plakatwänden. Und sie ist DER Überraschungserfolg der Seriensaison 2016/2017 in den USA. (Außerdem spielt Milo Ventimiglia eine Hauptrolle, was für "Gilmore Girls"-Fans interessant sein dürfte.) Doch am Donnerstagmorgen nach der Ausstrahlung der ersten Folge zeigte der Blick auf die Quoten, dass noch nicht einmal eine Million Zuschauer und Zuschauerinnen eingeschaltet hatten.

Mich hat das sehr überrascht, weshalb ich am Donnerstagmorgen mal in die Twitterer-Runde rief: "Verstehe ich gar nicht. #Thisisus ist eine richtig gute Serie. Vielleicht ist sie zu schnulzig beworben worden?" Daraus entwickelten sich ein paar interessante Tweetwechsel - sowohl mit Leuten, die die Serie gesehen haben, als auch mit Leuten, die sie nicht gesehen haben. Zusätzlich bin ich noch in andere Diskussionen darüber eingestiegen und fasse jetzt mal kurz und unkommentiert ein paar Gründe zusammen, die genannt wurden: falscher Sendeplatz vor dem Feiertag, Werbung ließ Rosamunde-Pilcher-Schnulze vermuten, falscher Sendeplatz hinter "Grey's Anatomy", Werbeblöcke würden nerven, amerikanische Erfolgsserien würden sich am Anfang immer schwer tun in D, das sei keine Serie für den deutschen Mainstream, bei ProSieben würde man keine schlaue Serie mehr vermuten. Was jetzt wirklich die Gründe waren? Das weiß ich natürlich nicht, vermutlich eine Mischung aus allem.

Was ich weiß: Dass ich es sehr schade finde, dass so wenige Zuschauerinnen und Zuschauer eingeschaltet haben. Weswegen ich meine Kolumne nutzen will, Sie, liebe Leserinnen und Leser, dazu aufzurufen, "This Is Us" anzuschauen. Ich mache mir keine Illusionen - mein Aufruf wird nicht die Quote nach oben reißen. Mir ist die Quote aber auch egal. Ich möchte einfach verhindern, dass Sie diese sehenswerte Serie verpassen, nur weil Sie am Abend vor Himmelfahrt was anderes vorhatten/sowieso nie "Grey's Anatomy" gucken/die Trailer zu schnulzig fanden/kein ProSieben mehr gucken/oderoderoder. 

Ich kann Ihnen leider nicht viel über den Inhalt verraten, denn das würde zu viel vorwegnehmen. Ein wichtiges Element der Serie sind nämlich überraschende Wendungen - die allerdings sehr gut vorbereitet und konsistent sind. Nur so viel: Es geht um vier Menschen, die am selben Tag Geburtstag haben. Wir lernen sie kennen, begleiten sie in ihrem Leben und erfahren einiges über ihre Vergangenheit. Doch die Geschichte (über die ich, wie gesagt nicht viel verraten kann) ist gar nicht der Hauptgrund, warum ich Ihnen die Serie ans Herz legen möchte. Sondern es geht mir um das Gefühl, das sie vermittelt. "This Is Us" ist eine der wenigen aktuellen Serien, die Warmherzigkeit ausstrahlen. Das tut sehr gut inmitten der vielen brutalen, anstrengenden und feindseligen Geschichten, die derzeit erzählt werden. Nicht falsch verstehen, ich bin begeistert von der Serienlandschaft, wie wir sie haben. Ich gucke genau diese brutalen, anstrengenden und feindseligen Geschichten sehr gerne. Aber: Mittendrin etwas wie "This Is Us" anschauen zu können, ist wie eine Streicheleinheit für die Seele.

Die Serie hat es mir leichtgemacht: Ich konnte mich fallenlassen in dieses Gefühl, dass die Welt gar nicht so schlecht ist, dieses Gefühl, dass es Menschen gibt, die füreinander da sind. Ich konnte mich fallenlassen, ohne dass mein Kitsch-Alarm losgegangen ist. (Denn die Geschichten der Hauptfiguren in "This Is Us" sind nicht rosarot oder weichgezeichnet. Natürlich schwingt ein bisschen Pathos mit - es ist nun mal eine amerikanische Serie -, aber über den kann man hinwegsehen.) Ich fühle mich wohl, wenn ich "This Is Us" gucke, und obwohl die Geschichten der Hauptfiguren unaufgeregt erzählt werden und ihr Leben nicht spektakulär ist, leide und liebe ich mit allen mit. Und ich möchte mehr von ihrem Leben erfahren, weswegen ich mich schon auf die zweite Staffel freue. 

Ich kann natürlich nicht vorhersagen, ob Ihnen "This Is Us" genauso gut gefallen wird wie mir. Denn, wie ich in dieser Kolumne ja bereits mehrfach geschrieben habe, spielen beim Seriengucken die persönlichen Faktoren, die subjektiven Kriterien eine wichtigere Rolle als die objektiven Kriterien. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn Sie "This Is Us" einfach mal ausprobieren würden. Vielleicht ist es genau die Serie, die Ihnen gerade gut tut.


(via Giphy)

Ein Lesetipp für alle, die sich mit der Serie bereits beschäftigt haben: Thomas Lückerath hat ein lesenswertes Interview mit Milo Ventimiglia und Chrissy Metz geführt, die zwei der Hauptrollen spielen. 

Und zum Schluss noch ein Hörtipp und ein Gucktipp: 

Im DWDL.de-Podcast "Seriendialoge" geht es um eine Serie, die eigentlich schon ein Klassiker ist: "Sex and the City". Ich spreche mit der Journalistin und Buchautorin Sigrid Neudecker über die dunkle Seite von Carrie Bradshaw, überraschenden Tiefgang, Feminismus und das enttäuschende Finale. Klicken Sie auf folgenden Audio-Player, um die Folge anzuhören:

Was Neues aus Deutschland: "Girl Cave" ist eine neue Webserie von funk, dem jungen ARD/ZDF-Angebot. Und da ich "Wishlist" mochte (und erst spät entdeckt habe), habe ich nun ein Auge darauf geworfen, was die jungen Wilden von ARD und ZDF in Sachen Serien so treiben. Bei "Girl Cave" geht es um Julija, ein Mädchen vom Land. Sie kannte ihre Mutter kaum, doch als diese stirbt, hinterlässt sie Julija ein Buch voller sehr ungewöhnlicher Lebensratschläge, verbunden mit der Aufforderung: "Julija, mach das Buch". Julija beschließt, gemeinsam mit ihren beiden Freundinnen das Buch umzusetzen. Die eine Folge, die ich davon bisher gesehen habe, hat mir gut gefallen - was mich nicht wundert, denn sie ist gut gemacht, und ich bin auf dem Land aufgewachsen. ;-) Die erste Folge "Mach das Buch" soll am Wochenende online gehen ist am Samstagmittag online gegangen, acht Folgen soll es insgesamt geben, sie werden immer freitagnachmittags auf Youtube veröffentlicht. 

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken, über das ich schreibe?

"This Is Us": Läuft mittwochs ab 21.15 Uhr bei ProSieben. Die Folgen sind außerdem nach und nach bei Maxdome verfügbar.

Wer mir auf Twitter folgen möchte, kann das hier tun: @FrauClodette.

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