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Meine Woche in Serie

Warum mich "Die Bill Cosby Show" jetzt anwidert

 

Nach der Verurteilung von Bill Cosby wegen sexueller Nötigung stellt sich unsere Kolumnistin Ulrike Klode die Frage, ob Cosbys Taten ihre Gefühle für "Die Bill Cosby Show" verändern. Und sie erklärt, warum dieser Fall für sie anders ist als der von Kevin Spacey und "House Of Cards".

von Ulrike Klode
28.04.2018 - 08:41 Uhr

Die Vorwürfe gegen den US-Schauspieler Bill Cosby sind seit einigen Jahren bekannt: Er soll über Jahrzehnte hinweg mehr als 50 Frauen missbraucht und sexuell genötigt haben. Viele der Fälle sind mittlerweile verjährt, doch selbst bei einem Fall, der noch nicht verjährt ist, dauerte es 13 Jahre, bis es tatsächlich zu einer Anklage, einem Strafprozess und Ende der Woche nun zu einem Urteil kam. Bill Cosby wurde schuldig gesprochen, eine Frau mit Medikamenten hilflos gemacht und dann sexuell genötigt zu haben.

Auch wenn der Fall Cosby lange vor der #Metoo-Bewegung bekannt war, die mit den Vorwürfen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein im Herbst 2017 ins Rollen kam - so gehört der Fall doch genau in diese Kategorie: ein einflussreicher Mann im Showbusiness, der seine Position und Macht dazu missbraucht, um andere Menschen sexuell auszunutzen. Einige Schauspieler, Regisseure, Produzenten oder auch Showrunner stehen mittlerweile am Pranger. Und besonders am Fall Kevin Spacey, der ebenfalls über viele Jahre hinweg ihm untergebene Männer sexuell genötigt haben soll, wurde ausführlich diskutiert, was das für die Kunst dieser Männer bedeutet. In zweierlei Richtungen verlief die Diskussion: 1. Kann man Spacey jetzt noch engagieren? (Die Antwort hier lautete mehrheitlich: nein, weshalb Ridley Scott zum Beispiel für seinen Film "Alles Geld der Welt" Kevin Spacey durch Christopher Plummer ersetzt und die Szenen nachgedreht hat und Spaceys Figur Frank Underwood aus der nächsten Staffel von "House of Cards" herausgeschrieben wurde.) 2. Kann man Spaceys bisherige Filme und Serien noch guten Gewissens schauen? Um diese Frage entspann sich eine Kontroverse, die auch in Deutschland in den Feuilletons geführt wurde. 

Jetzt, da Bill Cosby verurteilt wurde, stellt sich für mich diese zweite Frage für eine Serie, die ich früher häufig und sehr gern geschaut habe: "Die Bill Cosby Show". Ich schaue immer mal wieder in Serien von früher rein - aus Nostalgie-Gründen, aus "Da könnte irgendwann ein Revival angekündigt werden"-Gründen oder weil ich mich frage, was mich daran früher fasziniert hat. Vor ein paar Jahren habe ich zufällig in Bill Cosbys Familien-Sitcom auf Kabel 1 reingeschaltet, habe dann aber - ohne inne zu halten - schnell weitergeschaltet. Die Vorwürfe waren längst bekannt, ich hatte mich eingehend damit beschäftigt, die Beschäftigung damit aber bisher noch von der Serie, die ich früher so gerne geschaut habe, abgekoppelt.

Als das Urteil gegen Bill Cosby am Donnerstag verkündet wurde, habe ich mich nun endlich auch damit auseinandergesetzt, was das für "Die Bill Cosby Show" für mich bedeutet. Es ist eigentlich simpel: Ich werde die Sitcom nie wieder schauen. Und zwar weil mich Bill Cosby in der Rolle des liebenden, freundlichen, verständnisvollen und Frauen wertschätzenden Vaters und Ehemanns Dr. Cliff Huxtable anwidert. Auch wenn ich aktuelle Fotos von Cosby sehen, bin ich angeekelt (genau wie übrigens bei Weinstein, Spacey und Co. auch). Dieser Mann hat von 1984 bis 1992 acht Jahre lang die oben beschriebene Rolle gespielt, deren Image als liebenswerter Vater der Nation er für sein öffentliches Leben genutzt hat - obwohl er sich jahrzehntelang Frauen verachtend und gewalttätig verhalten hat. Und ja, einige der Vorwürfe fallen auch in die Zeit, in der die Familien-Serie produziert wurde (eine gute Übersicht bietet eine Auflistung der "Los Angeles Times").

Ich fühle mich von ihm getäuscht, obwohl ich es eigentlich besser weiß. Denn natürlich sind Schauspieler nie das, was sie spielen. Sie schlüpfen in eine Rolle, die meistens von jemand anderem geschrieben wurde. Aber: Ich war 12 oder 13, als ich den Huxtables zum ersten Mal im ZDF begegnete und hatte damals sehr wenig Serien-Erfahrung. Die einzelnen Mitglieder der TV-Familie Huxtable und auch Bill Cosbys Vaterfigur beeindruckten mich damals nachhaltig. Und auch wenn ich es nun seit Jahrzehnten besser weiß - das, was mein damals wenig Medien-erfahrenes Ich gefühlt hat, ist in Ansätzen noch vorhanden. Das ist alles nicht dramatisch, aber für mich selbst überraschend. Und es zeigt mir einmal mehr: Den richtigen Umgang mit Medien kann man nicht früh genug lernen.  

Bei Kevin Spacey liegt der Fall für mich anders: Auch wenn ich froh bin, dass ich ihn in der nächsten Staffel von "House Of Cards" nicht sehen muss, kann ich mir die alten Staffeln ohne Probleme anschauen. Erstens bin ich - 30 Jahre nach meinen ersten Folgen der "Bill Cosby Show" - sehr erfahren im Umgang mit Filmen und Serien, und zweitens spielt Spacey in "House Of Cards" ein intrigantes, manipulatives Arschloch. Bei ihm gab es auch nie eine Vermischung zwischen dieser und anderen Rollen und der Inszenierung seiner eigenen Person in der Öffentlichkeit. Über den echten Spacey wusste man nicht viel. Seine Rolle als Frank Underwood scheint näher am echten Spacey gewesen zu sein, als das Publikum bei der Veröffentlichung der ersten Staffel 2013 ahnen konnte.

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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