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Erste Daten aus der Streaming-Messung

Internet-Quoten: "Bachelor" schlägt Dschungelcamp

 

Am Mittwoch legte die AGF mit etwas Verspätung erste Daten aus ihrer neuen Streaming-Messung vor - die allerdings noch etlichen Einschränkungen unterliegen. Welche das sind und was die ersten Hitlisten zeigen...

von Uwe Mantel
05.02.2014 - 16:30 Uhr

Im Herbst vergangenen Jahres stellte die AGF ihre Pläne zur Videostreaming-Messung analog zu den TV-Quoten vor und stellte in Aussicht, noch 2013 erste Daten im Rahmen einer Hitliste zu veröffentlichen. Angesichts technischer Schwierigkeiten hat sich die Ausweisung dann allerdings doch noch etwas verzögert. Am Mittwochnachmittag gab es nun erste Zahlen - allerdings noch in unvollständiger Form. Zunächst mal: In der Messung fehlen allein von den großen acht Sendern derzeit noch Das Erste und kabel eins. Bei ProSiebenSat.1 kommt das Problem dazu, dass Maxdome und Myvideo noch nicht erfasst werden. Ab dem 2. Quartal sollen zumindest die vier AGF-Gesellschafter, also ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat.1, komplett erhoben werden und dann sollen auch weitere Anbieter dazu kommen.

Außerdem kann derzeit nur die Nutzung auf PCs und Laptops mit Windows oder MacOS X als Betriebssytem gemessen werden. In den ersten heute veröffentlichten Daten wurde sogar nur die Nutzung auf Windows-Rechnern berücksichtigt. Noch gar nicht erfasst werden Apps auf Smartphones oder Tablets und damit ein erheblicher Teil der Nutzung. Dort arbeitet man derzeit noch an einer technischen Lösung. Die Daten lassen sich zudem derzeit nicht mit den TV-Quoten vergleichen, weil noch keine durchschnittliche Sehbeteiligung angegeben wird. Startet ein Nutzer einen Stream und bricht ihn nach zehn Sekunden wieder ab, dann zählt das genauso als Abruf wie wenn er eine 90-minütige Sendung komplett schaut. Eine Zusammenrechnung von Zuschauerzahlen im TV und der nun veröffentlichen Online-Abrufe ergibt also bislang noch keinen Sinn.

Wie angekündigt gibt es zudem erstmal nur die Daten aus der sogenannten Vollerhebung, noch nicht aus dem Nielsen-Panel. Daher lassen sich auch noch keine Aussagen darüber treffen, wie sich das Publikum zusammensetzt und welche Überschneidungen es mit dem TV-Publikum gibt. All das sind die unter anderem für die Werbewirtschaft eigentlich wichtigen Daten, die dann im weiteren Verlauf des Projekts zur Verfügung stehen sollen - voraussichtlich im Laufe dieses Jahres. Einstweilen gibt es aber nur angesichts der Einschränkung auf Windows-PCs wenig sehr bedingt aussagekräftige Abrufzahlen. Auch bei der AGF spricht man daher von einer "Momentaufnahme" der aktuellen Situation.

Einige der wenig überraschenden ersten Erkenntnisse aus dieser ersten Zahlen: Tagsüber - also zum Beispiel im Büro oder unterwegs auf dem Smartphone - werden eher kurze Clips bevorzugt, während die kompletten Sendungen eher abends geschaut werden. Ein Nutzungs-Hoch der Streams gibt es überdies auch morgens gegen 8 Uhr - also zu einer Zeit, zu der viele auf dem Arbeitsweg mit ihrem Smartphone auch Videoinhalte nutzen. Und: Die VoD-Nutzung ist noch stärker event-getrieben als die normale TV-Nutzung. Auch das leuchtet schnell ein: Kaum jemand wird sich die Mühe machen, ein "Nebenbei-Programm" noch online nachzuholen. Die Folge: Die zehn meistgesehenen Videostreams machen mehr als zehn Prozent der Gesamtnutzung aus. Im klassischen TV sind es gerade mal zwei Prozent.

Blickt man nun auf die nun veröffentlichten wöchentlichen Hitlisten der einzelnen Sender, dann zeigt sich etwa bei RTL folgendes: Für ein Grundrauschen sorgt bei RTL Now unter anderem die Soap "Alles was zählt", für die in der Regel zwischen 85.000 und 100.000 Abrufe pro Folge gezählt wurden. Für die stärksten Ausschläge nach oben sorgten aber die Shows. Die erste "DSDS"-Folge erreichte mit Teil 1 - RTL veröffentlicht jede Folge in mehreren Teilen - immerhin 216.590 Abrufe. Damit lag die erste "DSDS"-Folge in etwa auf dem Niveau, das auch das Dschungelcamp erreichen konnte. Obwohl RTL hier gerade Rekorde feierte, musste sich "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" bei den Abrufen allerdings trotzdem dem "Bachelor" geschlagen geben. Teil 1 der ersten Folge wurde hier sogar über 243.000 Mal aufgerufen.

Beim ZDF überstrahlt die "heute-show" alles andere. Allein auf Windows-Rechnern zählte die erste Ausgabe nach der Winterpause 137.000 Abrufe. Der Film "Die letzte Instanz" kam auf rund 75.000 Abrufe. Zum Vergleich: Im TV lag die Zuschauerzahl bei 7,7 Millionen. Der "Bergdoktor" zählte rund 66.000 Abrufe. Bemerkenswert ist noch eine Ausgabe von "Markus Lanz", die sich mit 74.000 Abrufen oben in der Hitliste findet - es handelt sich um die heftig diskutierte Folge mit Sarah Wagenknecht, die viele offenbar nochmal mit eigenen Augen sehen wollten.

Überdurchschnittlich hoch fallen die Abrufzahlen bei RTL II für "Köln 50667" und "Berlin - Tag & Nacht" aus, die im Januar in der Spitze bei 112.412 lagen. Bei Vox werden die Top 10 fast vollständig vom Nachmittagsformat "Shopping Queen" belegt, das häufig über 50.000 Abrufe verzeichnete. In ähnlichen Dimensionen bewegten sich daneben nur die Abrufzahlen der Serie "Arrow". Bei ProSieben und Sat.1 sind die Daten wie erwähnt aufgrund der fehlenden Implementierung bei einigen Angeboten mit noch größerer Vorsicht zu genießen als ohnehin schon. Herausstechen kann bei ProSieben aber in jedem Fall "Joko gegen Klaas - Das Duell um die Welt" mit über 127.000 Abrufen. Häufig finden sich auch schon Clips des noch gar nicht gestarteten "Germany's Next Topmodel" in den Top 10 - allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau mit Abrufzahlen von meist unter 20.000. Bei Sat.1 fällt die nächtliche Live-Übertragung der NFL-Spiele Broncos vs. Patriots und Seahawks vs. 49ers mit über 120.000 Abrufen aus dem sonstigen Rahmen. Die Daten des Super-Bowls selbst liegen noch nicht vor.

Auch wenn nun erste Zahlen veröffentlicht wurden: Auf dieser schmalen Basis ergeben sie nur bislang nur bedingt Sinn. Von der einstigen Ankündigung, wöchentliche Top 10 zu veröffentlichen, ist man bei der AGF ohnehin erstmal abgerückt. Man denke darüber nach, derzeit gebe es aber noch keinen Beschluss, so die AGF-Vorsitzende Karin Hollerbach-Zenz am Mittwoch. Bis es mehr Transparenz in Sachen Online-Video-Nutzung geben wird, wird also noch eine Weile vergehen.

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