Kleine Sender © DWDL
Die Jahresmarktanteile der kleinen Sender

ZDFneo spurtet in die Top 10, Nitro erstmals vor DMAX

 

Auch 2017 hat ZDFneo seine Rekordjagd fortsetzen können: Das ZDF-Beiboot ist inzwischen sogar in die Top 10 vorgedrungen. Aber auch Nitro, ProSieben Maxx und One zählen zu den Gewinnern des Jahres. Rückschläge gab's für DMAX und Sixx.

von Alexander Krei
02.01.2018 - 14:05 Uhr

Seite 1 von 2

Das Jahr 2017 hätte für das ZDF aus Quotensicht vermutlich kaum besser laufen können, schließlich kann man auf dem Lerchenberg nicht nur die Marktführerschaft feiern, sondern auch den Aufstieg von ZDFneo in die Top 10 der Fernsehsender. Mit einem Gesamt-Marktanteil von 2,9 Prozent gelang dem Sender ein sattes Plus von 0,8 Prozentpunkten, wodurch er sogar nahe ran an RTL II heranrückte – und an immer mehr Tagen gelingt es ZDFneo mittlerweile, in der Primetime so manch großen Sender hinter sich zu lassen. Die größten Erfolge gelingen dabei vor allem mit Bewährtem, genauer gesagt mit Krimis. Wenn "Inspector Barnaby" oder "Wilsberg" ermitteln, finden gerne mal zwei Millionen Zuschauer den Weg zu ZDFneo. Zudem haben sich die Wiederholungen von "Bares für Rares" am Vorabend mit inzwischen teils mehr als eineinhalb Millionen Zuschauern fest etablieren können.

Solche Reichweiten gelingen ZDFneo mit den explizit fürs eigene Programm hergestellten Formaten nicht, doch die bei Kritikern wenig beliebte Serie "Lobbyistin" kam mit rund einer Million Zuschauern beim Publikum durchaus gut an und zeigt, dass auch in diesem Bereich einiges möglich ist. Ganz zu schweigen vom "Neo Magazin Royale" mit Jan Böhmermann, das sich – anders als dessen Talkshow mit Olli Schulz – regelmäßig guter Quoten erfreut. Böhmermanns Show ist zudem insbesondere beim jungen Publikum gefragt: Im Jahr 2017 lag der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen erstmals im Schnitt bei mehr als zwei Prozent und damit über den Normalwerten von ZDFneo. Hier baute der kleine Sender seinen Marktanteil innerhalb eines Jahres übrigens um einen halben Prozentpunkt auf 1,9 Prozent aus und gehörte nach Super RTL und Nitro ebenfalls zu den Größten unter den Kleinen.

Auch der Männersender von RTL kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Nachdem der Marktanteil 2016 zurückgegangen war, ging es 2017 um 0,4 Prozentpunkte auf 1,9 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen nach oben. Besser lief es für Nitro noch nie. Dass noch mehr drin ist, zeigt allerdings schon alleine die Tatsache, dass es dem Sender im abgelaufenen Jahr in gleich fünf Monaten gelang, zwei Prozent und mehr zu erzielen. Zu verdanken hat man das vor allem Formaten wie "CSI" oder "Medical Detectives", aber auch Serien-Klassikern in der Daytime. Mehr denn je ruhen 2018 die Hoffnungen auf Sport: Nachdem zuletzt das WM-Aus Italiens mit in der Spitze mehr als drei Millionen Zuschauern für einen neuen Rekordwert sorgte, könnte der Erwerb der Europa-League-Rechte ab Herbst weitere Fußball-Fans zu Nitro locken.

  MA 2017
14-49
+/-
2016
MA 2017
gesamt
Super RTL
2,1
+/-0
1,7
Nitro 1,9
+0,4
1,6
ZDFneo
1,8
+0,5
2,9
DMAX 1,7
-0,2
1,0
Sat.1 Gold
1,5
+0,1
1,5
ProSieben Maxx
1,3
+0,2
0,7
Comedy Central (14:00-02:00 Uhr) 1,3
+0,2
0,5
Sixx
1,2
-0,1
0,7
Tele 5
0,9
+/-0
0,8
RTLplus
0,9
+0,5
1,1
Viva (06:00-14:00 Uhr) 0,9
-0,2
0,4
Deluxe Music 0,5
+0,1
0,2
One 0,5
+0,2
0,6
TLC 0,5 +/-0 0,3

Die Spalte +/- gibt die Veränderung im Vergleich zum Vorjahr an. Quelle: DWDL.de-Recherche

Dass der rollende Ball jedoch kein Selbstläufer ist, zeigt das neue Magazin "100 % Bundesliga", das die Quoten-Erwartungen bisher noch nicht erfüllen kann. Doch weil es sonst überwiegend rund läuft, fielen die überwiegend schwachen Zuschauerzahlen am späten Montagabend bislang noch nicht so sehr ins Gewicht. Ohnehin dürfte bei Nitro zunächst die Freude überwiegen, den längjährigen Platzhirschen DMAX in die Schranken gewiesen zu haben. Der Männersender von Discovery büßte im Vergleich zum Vorjahr nämlich 0,2 Prozentpunkte ein und musste sich mit 1,7 Prozent Marktanteil zufriedengeben. Dass der Frauensender TLC bei 0,5 Prozent stagnierte, wird bei Discovery zudem ebenfalls nicht für Freudensprünge sorgen. Und mit Blick auf DMAX rückt der nächste Konkurrent immer näher: ProSieben Maxx beendete das Jahr dank NFL, Wrestling und Animes mit sehr guten 1,3 Prozent Marktanteil, was einem Plus von 0,2 Prozentpunkten entspricht.

Damit hat ProSieben Maxx erstmals Sixx den Rang abgelaufen. Der Frauensender von ProSiebenSat.1 schloss das Jahr mit einem Marktanteil von 1,2 Prozent in der Zielgruppe ab – das war der schwächste Wert seit 2013 und zeigt, dass auch für kleine Sender die Bäume nicht endlos in den Himmel wachsen. Mit dem starken Fokus auf US-Fiction traf Sixx zuletzt längst nicht mehr so stark den Geschmack des Publikums wie früher. Wohl auch deshalb finden nun verstärkt Doku-Formate den Weg ins Programm. Und dass man 2017 keine Late-Night-Verlängerung von "Promi Big Brother" spendiert bekam, wirkte sich freilich ebenfalls negativ aufs Quoten-Ergebnis aus. Nach oben zeigte der Trend indes für Sat.1 Gold, das sich trotz seiner älteren Zielgruppe bei den 14- bis 49-Jährigen mit einem Marktanteil von 1,5 Prozent besser schlug als Sixx. Der leichte Aufwärtstrend konnte damit fortgesetzt werden, obwohl mit RTLplus inzwischen ein neuer Konkurrent das Feld betreten hat.

RTLplus und One gewinnen Zuschauer hinzu

RTLplus schaffte in seinem zweiten Jahr nun schon einen Marktanteil von 1,1 Prozent beim Gesamtpublikum, während Sat.1 Gold hier ebenfalls 1,5 Prozent verzeichnete. Abseits all der Gerichtsshows, die das Tagesprogramm überfluten, war für RTLplus vor allem das Comeback von "Der Preis ist heiß" ein schöner Erfolg – die Show schlug sich auf Anhieb besser als die übrigen Gameshows, die zwar am späten Abend zumeist gut laufen, sich am Vorabend aber nach wie vor schwer tun, ihr Publikum auszubauen. Bei so viel neuer Konkurrenz kann man bei Tele 5 wohl zufrieden sein, das Quoten-Niveau stabil gehalten zu haben. Mit einem Marktanteil von 0,9 Prozent lief es bei den 14- bis 49-Jährigen sehr ordentlich – die Hürde von einem Prozent konnte der Sender 2017 jedoch nur noch ein einziges Mal überspringen. 2016 gelang das immerhin noch vier Mal, 2015 sogar in zehn Monaten.

Für One ging es derweil im vergangenen Jahr ein gutes Stück nach oben: Nachdem der ARD-Sender, der einst Einsfestival hieß, lange in der Bedeutungslosigkeit verharrte, reichte es nun immerhin für 0,6 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum sowie 0,5 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Erfolge gelingen etwa mit den "Tatort"-Wiederholungen, aber auch mit Serien wie "Miss Fishers mysteriöse Mordfälle" und so manchen Comedy-Formaten. A propos Comedy: Für Comedy Central ging es in der Zeitschiene zwischen 14 und 2 Uhr im vorigen Jahr deutlich nach oben – der Marktanteil belief sich hier auf 1,3 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen, was 0,2 Prozentpunkte mehr waren als 2016. Im Gegenzug hat Viva, mit dem sich Comedy Central eine Frequenz teilt, in den übrigen Stunden leichte Einbußen hinnehmen müssen.

Nach dem Free-TV-Comeback von MTV könnte sich in Zukunft womöglich die Frage stellen, ob eine Ausweitung der Sendezeit von Comedy Central perspektivisch nicht sinnvoll wäre. Dass mit Musikfernsehen Quote zu machen ist, zeigt allerdings der Aufwärtstrend von Deluxe Music, das 2017 mit einem Marktanteil von 0,5 Prozent in der Zielgruppe so erfolgreich war wie nie zuvor. Seinen höchsten Tagesmarktanteil verbuchte Deluxe Music übrigens im August: Hier lag der Marktanteil einmal bei starken 1,8 Prozent. Aber auch der Jahreswechsel verlief aus Quotensicht wieder erfolgreich. An Weihnachten und Neujahr erreichte der Sender über den Tag hinweg 2,74 beziehungsweise 2,22 Millionen Zuschauer – ein toller Erfolg.

Teilen

Kommentare zum Artikel

Alle Zuschauer ab 3 Jahren vom 23.02.2018


Zuschauer 14-49 Jahre vom 23.02.2018
Mehr in der Zahlenzentrale