Quoten © DWDL
Analyse der Jahresmarktanteile 2018

ZDF mit stärkstem Jahr seit 1996, ProSieben kriegt die Kurve

 

Das ZDF ist der Fels in der Brandung der Fragmentierung: 2018 waren die Quoten so hoch wie seit 22 Jahren nicht mehr. Während RTL und Sat.1 weiter verloren, stabilsierte sich ProSieben, RTL II und kabel eins verzeichneten trotz WM und Olympia sogar steigende Quoten

von Uwe Mantel
01.01.2019 - 11:15 Uhr

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ZDF Jahres-MA 2018

Fels in der Brandung: ZDF feiert stärkstes Jahr seit 1996

Da kann man den Programm-Machern rund um Programmdirektor Norbert Himmler nur gratulieren: Das ZDF hat das Jahr 2018 mit einem Jahresmarktanteil von 13,9 Prozent abgeschlossen und damit die Marktführung im siebten Jahr in Folge verteidigt - und mehr noch: der Vorsprung auf den zweiten Platz, auf dem weiterhin Das Erste rangiert, wurde deutlich auf 2,4 Prozentpunkte ausgebaut. Doch damit nicht genug der beeindruckenden Zahlen: Man muss bis ins Jahr 1996 zurückgehen, um ein stärkeres Jahr des ZDF zu finden, damals aber noch in einer ganz anderen TV-Landschaft. Den Großteil der heute so zahlreichen kleineren Sender gab es noch gar nicht, die acht Vollprogramme ohne die Dritten kamen damals zusammen auf 80 Prozent Marktanteil. Zum Vergleich: 2018 reichte es zusammen noch für 55,6 Prozent, so wenig wie noch nie. Die so häufig zitierte "Fragmentierung" schreitet also weiter voran, an der das ZDF mit seinen ebenfalls wachsenden Beibooten ZDFneo und ZDFinfo kräftig mitwirkt - doch das ZDF-Hauptprogramm scheint davon gänzlich unbeeindruckt.

Dass das ZDF mit einem Zugewinn von 0,9 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr auch noch das größte Wachstum zu verzeichnen hatte, lässt sich zum Teil natürlich auch durch die Sport-Großereignisse Olympia und Fußball-WM erklären, die Anfang des Jahres und im Sommer die Quoten in die Höhe trieben - doch diese Effekte gab's ja auch für Das Erste und da fiel der Zuwachs mit +0,2 Prozentpunkten deutlich geringer aus. Selbst wenn man die Sport-Monate herausrechnet, hätte es fürs ZDF für ein Plus gereicht. Dem ZDF kommt seine schon immer starke Stellung in Sachen Krimis dabei zupass: Sie legen gemeinsam mit "Bares für Rares" schon nachmittags und am Vorabend die Basis für den Erfolg, auch in der Primetime kann diese Programmfarbe merhmals in der Woche punkten. Mehrere Samstags-Krimi-Reihen sind mit inzwischen regelmäßig über acht Millionen Zuschauern zudem bereits auf dem Weg zum "Tatort"-Niveau. Dabei zeigt sich das ZDF durchaus auch experimentierfreudiger, etwa mit der vielgelobten Miniserie "Bad Banks", die in Sachen Nominierungszahl für den Deutschen Fernsehpreis sogar "Babylon Berlin" noch hinter sich gelassen hat.

Dem ZDF kommt aber auch etwas zugute, dass es schon immer der Sender mit dem ältesten Publikum war - und der Erfolg dort wird nicht nur aufgrund des demografischen Wandels immer wichtiger, dort nimmt auch noch die TV-Nutzung deutlich zu, während Jüngere immer weniger Zeit vor dem klassischen Fernseher verbringen - und Mediatheken-Nutzung wird bislang nicht adäquat erfasst und spielt für die Betrachtung der Jahresmarktanteile generell keine Rolle. Das hohe Durchschnittsalter des ZDF-Publikums hat sich jedenfalls auch 2018 nicht geändert. Tatsächlich wuchs das ZDF dem Sport sei Dank auch bei den 14- bis 49-Jährigen, mit +0,7 Prozentpunkten aber nicht ganz so stark wie beim Gesamtpublikum, hier belegt das ZDF weiterhin Rang 6 knapp hinter Vox und dem Ersten.

Wenn man sich die Entwicklung im Lauf des Jahres ansieht, dann fällt außerdem auf: Die zweite Jahreshälfte nach dem Hoch durch den Sport-Sommer lief generell etwas schwächer, vor allem was das jüngere Publikum anbelangt. Hier macht sich der Verlust der Champions-League-Rechte bemerkbar. Events wie Fußball-Übertragungen werden immer wichtiger, um junges Publikum zum Live-Fernseh-Konsum zu bewegen, während bei anderen Inhalten die On-Demand-Nutzung steigt. Von September bis November schaffte es das ZDF jedenfalls nicht mehr über die 6-Prozent-Marke bei den 14- bis 49-Jährigen, im Dezember wurde sie nur mit einer Punktlandung erreicht. Doch angesichts der Traum-Zahlen was alle Zuschauer angeht, ist das allenfalls ein kleinerer Makel, den man mit Verweis auf Erfolge in der Mediathek beiseite wischen kann.

Das Erste Jahres-MA 2018

Das Erste: Nur der Sport verhindert einen neuen Tiefstwert

Während das ZDF sein Erfolgsrezept in Sachen Quoten gefunden hat, tut sich Das Erste schon erheblich schwerer, obwohl eine der größten Baustellen der jüngeren Vergangenheit - nämlich der Vorabend - dank des Quiz-Erfolgs inzwischen weitgehend geschlossen ist. Auch Das Erste profitierte Anfang des Jahres von Olympia und im Sommer von der Fußball-WM, konnte sich aber trotzdem im Vergleich zum Vorjahr, das ohne solche Sondereinflüsse auskommen musste, nur um überschaubare 0,2 Prozentpunkte steigern. Mit einem Jahresmarktanteil von nun 11,5 Prozent verliert man das ZDF zunehmend aus den Augen. In sechs Monaten 2019 lag Das Erste schon unter der 11-Prozent-Marke, mehrfach wurden historische Tiefs markiert. Es wäre daher schon eine Überraschung, wenn Das Erste im kommenden Jahr beim Jahresmarktanteil nicht weiter abrutschen würde.

Zu diesem Abwärtstrend trägt bei, dass so feste Säulen wie die Telenovelas am Nachmittag im Lauf des Jahres immer weiter an Zugkraft verloren. Im Dezember lagen "Rote Rosen" und "Sturm der Liebe" beispielsweise jeweils über zweieinhalb Prozentpunkte unter den Vorjahreswerten, auch sonst bleiben Vor- und Nachmittagsprogramm Problemzonen. Während das ZDF durch die starken Quoten dort auch mal eine schwächere Primetime einfach verschmerzen kann, kommt Das Erste selbst bei Erfolgen im Abendprogramm im Tagesschnitt meist nicht ans ZDF heran. Das Erste bleibt aber das jüngere Programm der Öffentlich-Rechtlichen, 7,0 Prozent waren es bei den 14- bis 49-Jährigen in diesem Jahr. Und anders als dem ZDF gelang dem Sender hier eine Verjüngung. In dieser Altersgruppe blieb das Marktanteils-Niveau nämlich zumindest weitgehend konstant, während ältere Zuschauer abhanden kamen.

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