Pantaflix hat eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich. Als die damalige Pantaleon Entertainment AG den Streamingdienst vor rund zehn Jahren auf den Weg brachte, fehlte es nicht an großen Ankündigungen. Der damalige Vorstandschef Dan Maag erklärte, die Plattform solle "systemrelevant" werden, Maag träumte von einem "Milliardenunternehmen". Um den Fokus auf die Plattform zu verdeutlichen, wurde später auch der Konzernname in Pantaflix AG geändert.
Doch der Erfolg blieb aus, mit den ganz großen Streamern konnte es Pantaflix nie aufnehmen. Nach einem Strategieschwenk von TVoD hin zu SVoD und AVoD wurde der Dienst Ende 2023 schließlich eingestellt, kurz darauf erfolgte die Umbenennung in PAL Next AG. Das Unternehmen wollte sich zunächst auf die Content-Produktion fokussieren, Anfang des Jahres kündigte man schließlich an, sich auch in andere Branchen vorzuwagen - und genau dort macht man nun einen kompletten Neuanfang.
Das Unternehmen, das mittlerweile auf den Namen SCP Standard Capital hört, hatte bereits Mitte August angekündigt, sich von seinen Entertainment-Beteiligungen zu trennen. Dazu zählt in erster Linie die Produktionsfirma Pantaleon Films, die mal Ursprung des gesamten Unternehmens war. Noch bevor Pantaleon verkauft ist, hat man mit der Vanea Technologies GmbH und der Nocturne Technologies GmbH jetzt aber zwei Unternehmen außerhalb der Unterhaltungsbranche übernommen - und damit Nägel mit Köpfen gemacht.
Vanea ist ein Unternehmen, das sich auf "Verteidigungslösungen für das beginnende Zeitalter der autonomen Kriegsführung spezialisiert" hat, heißt es von SCP. Nocturne ist auf die Drohnenabwehr spezialisiert. SCP wird also künftig in ganz anderen Bereichen tätig sein. Für Vanea hat das Unternehmen nach eigenen Angaben einen niedrigeren sechsstelligen Betrag bezahlt, für Nocturne einen hohen sechsstelligen Betrag.
Es ist ein kompletter Neustart, der auch nach außen hin sichtbar werden soll. Für den 5. Oktober hat SCP zu einer außerordentlichen Hauptversammlung geladen, auf der weitere Pflöcke eingeschlagen werden sollen. Das Unternehmen soll dann abermals umbenannt werden, künftig will man als Vanea AG auftreten. Geplant ist dann auch eine Änderung des Unternehmensgegenstands sowie eine Neubesetzung des Aufsichtsrats. Der bisherige Vorsitzende des Gremiums, Stefan von Moers, war bereits Ende Juli zurückgetreten. Nicolas Paalzow, ehemaliger Chef von Sat.1 und auch Ex-CEO von Pantaflix, wird sein Mandat im Gremium zum Ende der außerordentlichen Hauptversammlung ebenfalls zurücklegen.
Auch der Gesellschafterkreis von SCP bzw. ehemals PAL Next/Pantaflix hat sich zwischenzeitlich gewandelt. Lange war die BlackMars Capital GmbH mit rund 50 Prozent beteiligt - BlackMars gehört zu jeweils einem Drittel Dan Maag, Matthias Schweighöfer und Marco Beckmann - letzterer ist bis heute BlackMars-Geschäftsführer.
Aus einem Eintrag im Bundesanzeiger geht jedoch hervor, dass das Unternehmen seine Beteiligung an der heutigen SCP abgegeben hat, eine Sprecherin des künftigen Unternehmens für Verteidigungslösungen bestätigt das. "BlackMars ist zwischenzeitlich vollständig aus dem Unternehmen ausgestiegen", sagt sie. Die Aktien von SCP würden sich damit heute "überwiegend im Streubesitz sowie bei deutschen, auf Technologieunternehmen spezialisierten Investoren" befinden.
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