Ein Gastbeitrag von Maite Woköck, Geschäftsführerin der Telescope Animation Studios GmbH. Sie ist Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der Produktionsallianz und Vorsitzende der Sektion Animation

Animation made in Germany ist international: Wir produzieren gerne für das deutsche Publikum, und, oft als internationale Koproduktionen, genauso für den internationalen Markt. Animationsfilme aus Deutschland sind Exportschlager: Obwohl Animation nur ungefähr 7 Prozent der in Deutschland produzierten Filme ausmacht, gehen über 50 Prozent des internationalen Box Office auf ihr Konto.

Umso wichtiger ist es, in Deutschland Rahmenbedingungen vorzufinden, die sich auf dem internationalen Markt messen können, denn Animation findet grenzübergreifend statt. International konkurrieren deutsche Studios mit Ländern wie Frankreich oder Kanada, die über Jahre hinweg gezielte Standortpolitik betrieben haben. In Deutschland dagegen wird Animation in der Förder- und Medienpolitik noch immer zu häufig als Anhängsel des Realfilms behandelt, obwohl Produktionslogik, Vorlaufzeiten und internationale Verwertungsmöglichkeiten grundlegend andere sind.

Hätten wir drei Wünsche frei (wie in jedem guten Film) für die Zukunft und für eine starke deutsche Animationsindustrie, so sind sie hier:

Auslandserfolge anerkennen

Die enormen Auslandserfolge deutscher Animationsfilme sollten über die FFA-Referenzmittel honoriert werden. Die Referenzfilmförderung bemisst sich bislang vor allem an Kinobesucherzahlen und Festivalerfolgen im Inland; Kriterien, die der Realität der Animationsbranche oft nicht gerecht werden, da viele Produktionen ihren eigentlichen Erfolg über internationale Verkäufe in dutzende Länder erzielen. Eine Produktion kann damit im Ausland ein enormer Erfolg sein und bei der Vergabe von Referenzmitteln trotzdem leer ausgehen. Würden internationale Vorverkäufe oder Box Office als gleichwertiges Kriterium einfließen, entstünde ein Anreiz, der genau jene Produktionen stärkt, die Deutschland international sichtbar machen.

Animation fördern

Animationsfilme sind investitionsintensiv und diese Investitionen zahlen sich aus.Die Förderung sollte die Chancen der Animationsbranche gezielt in den Blick nehmen. Denn mit den richtigen Rahmenbedingungen kann die Animationsbranche als Exportchampion noch deutlich mehr Potential entfalten.

Von erfolgreichen Kinderfilmen profitiert die gesamte Kinobranche zusätzlich: Denn durch die klare Orientierung auf Kinder wird hier das Kinopublikum der Zukunft angesprochen. Ein erstes beeindruckendes Kinoerlebnis als Kind, meist ein Animationsfilm, ist die Eintrittskarte zur lebenslangen Begeisterung für die große Leinwand. Um dieses Feld nicht allein Hollywood-Produktionen zu überlassen, muss die deutsche Animationsfilmbranche besonders gestärkt werden, denn die Filme werden mehr an ihrer internationalen Konkurrenz gemessen als Realfilme.

In Deutschland sind die Projekte, mit den vergleichsweise höheren Budgets, jedoch oft unterfinanziert. Speziell für Animation braucht es daher eine Booster-Förderung von 5% im Anzreizsystem. Damit kann das Anreizsystem dem hohen Investitionsbedarf der Animationsbranche Rechnung tragen und die Unterfinanzierung in diesem Bereich lösen. Zudem wird Deutschland als Koproduktionsstandort gestärkt.

Damit würde die Animationsbranche auch als das anerkannt werden, was sie längst ist: eine nachhaltige Wirtschaftskraft mit langfristigen, stabilen und familienfreundlichen Beschäftigungsverhältnissen in Deutschland.

Animation auf dem Bildschirm

Eine besondere Rolle spielt die Animation für Kinderprogramm: Sie entführt mit ihren unbegrenzten Möglichkeiten in phantasievolle Welten und ist besonders geeignet, auch schwierige Inhalte zielgruppengerecht zu erzählen. Das Programm wird jedes Jahr von einer neuen Generation entdeckt. Auch lange nach der ersten Auswertung werden diese Filme und Serien immer wieder lizenziert.

Kinder unter 13 Jahren machen in Deutschland rund 12 Prozent der Bevölkerung aus. Sender sollten anteilig zur Bevölkerung und im Rahmen der Generationsgerechtigkeit mindestens diesen Anteil ins Kinderprogramm investieren, statt aktuell deutlich darunter zu liegen.

Auch die großen Streamingdienste sollten den durchschlagenden Auslandserfolg deutscher Animationsproduktionen und die Langlebigkeit von Kinderprogrammen nutzen, anstatt nur bestehendes US-Programm zu zeigen. Deutsche Marken sollten sich auch in Streamingprogrammen wiederfinden, damit künftige Generationen weiterhin durch deutsche Kultur geprägt werden, nicht nur durch importierte Stoffe.

Mithilfe dieser Maßnahmen wollen wir auch künftig viele (erste) Seh- und Kinoerlebnisse „made in Germany" ermöglichen!