Ein Gastbeitrag von Benedikt Böllhoff, Geschäftsführer der VIAFILM GmbH & Co. KG. Er ist Mitglied im Gesamtvorstand der Produktionsallianz.
25 Jahre DWDL. 25 Jahre verlässliche Berichterstattung. 25 Jahre eine Meinung. „Chapeau!“
Wenn ich auf diesen Zeitraum und vor allem meinen Start vor 16 Jahren schaue, blicke ich auf eine starke Branche zurück. Produktionsfirmen, die trotz mancher Krise sich darauf verlassen konnten, dass ihre Produkte den Weg zu den Zuschauenden im Kino oder linear fanden. Es gab ein verlässliches Miteinander im herstellenden Markt zwischen Verleihern, öffentlich-rechtlichen Sendern und andere Distributionspartnern auf der einen und den Produktionsfirmen sowie allen Mitwirkenden vor und hinter der Kamera auf der anderen Seite. Nicht zuletzt in der Coronapandemie konnten wir uns auf diese Zuverlässigkeit, dieses Miteinander verlassen. Das schließt die Filmförderungen des Bundes und der Länder mit ein, die die Produktionslandschaft in Deutschland verlässlich unterstützt haben.
In letzter Zeit hat sich jedoch einiges verändert.
Der Medienmarkt hat sich weiterentwickelt, da die Partner von gestern heute immer stärker mit Streamern, audiovisuellen Anbietern, Games und nicht zuletzt Social Media um die Aufmerksamkeit der sehr unterschiedlichen Zuschauenden buhlen. Erhebungen belegen, dass sich die Gewohnheiten der Zuschauenden seit Jahren immer weiter verändern. Öffentliche Akzeptanz muss in diesem Zusammenhang immer stärker erarbeitet werden, Aufmerksamkeit ist eine eigene Währung.
Die Filmförderung des Bundes steht nach der Erhöhung für das Jahr 2026 bereits wieder unter Druck und Kürzungen werden mit schmerzlicher Gewissheit demnächst beschlossen. Befremdlich für mich ist darüber hinaus die Form der Kommunikation des zuständigen Ministeriums, dass die im August ausgeschöpften Mittel des DFFF und GMPF eine Erfolgsstory sei. Das kann aus meiner Sicht nur jemand formulieren, der wirtschaftlich nicht davon betroffen ist. Das entspricht keiner (konservativen) Verlässlichkeit, womit ich in Ostwestfalen groß geworden bin.
Aber nicht nur das: Es werden Pfeiler wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk infrage gestellt. Dabei zweifle ich nicht an der Notwendigkeit der Reformen der öffentlich-rechtlichen Sender, allerdings sollten die Entscheider der Politik schon wissen, wer welche Entscheidung treffen kann. Vertrauen in die Zukunft der Branche baut man so jedenfalls nicht auf.
Bei allem dürfen wir nicht vergessen, dass wir aktuell mit den Herausforderungen nicht allein sind. Nicht nur wir als Branche mit allen Teilnehmenden sind von Veränderungen betroffen, sondern auch viele andere Industrien. Außerdem müssen wir alle zusammen mit der weltweiten Lage zurechtkommen, worauf wir nur wenig Einfluss haben.
Genau deswegen sehe ich u.a. folgende vier Notwendigkeiten:
Es liegt auf der Hand, dass wir unsere Produkte mit Blick auf Format, Themen und Genre noch mehr den modernen Sehgewohnheiten anpassen müssen. An den besten Ideen und Produkten kommt niemand vorbei.
Es braucht mehr Bereitschaft und gegenseitiges Verständnis, damit wir vorankommen, statt zu verharren. Das schließt eine vernünftige Sozialpartnerschaft ein, damit Beschäftigung entstehen und gesichert werden kann.
Wir müssen uns als Branche weiterhin politisch einbringen, damit wir Teil des Reformprozesses für die Film- und Fernsehlandschaft sind. Gegenwind gehört dazu, aber mit den besseren Argumenten und vor allem einer starken Wertschöpfung im Inland können wir überzeugen.
Wir müssen den technologischen Fortschritt mit Vernunft einsetzen, aber wir dürfen den Fortschritt nicht unvernünftig ausblenden. Da wo es an Fachkräften in einzelnen Bereichen mangelt, dürfen wir die Gelegenheit zur Vereinfachung von Prozessen nicht verpassen. Wen wir das nicht machen, werden es andere tun.
Alles dient am Ende dem Ziel, dass wir weiterhin gute und begeisternde Geschichten für ein facettenreiches Publikum erzählen. Was dabei im Konzert der weltweiten Industrie um die Aufmerksamkeit des Publikums nicht fehlen darf, ist Verlässlichkeit.










