Ein Gastbeitrag von Nico Hofmann, Geschäftsführer der Nico Hofmann Film Consulting & Development. Er ist Preisträger des Carl Laemmle Produzentenpreises.

Thomas Lückerath gründete DWDL Ende 2001 noch als Oberstufenschüler. Daraus wurde Deutschlands meistgelesenes Medienmagazin, und Thomas avancierte zum Vordenker einer ganzen Branche. Herzlichen Glückwunsch! 

Dieses Jubiläum ist zugleich Anlass, über die Zukunft unserer TV- und Filmbranche aus Produzentensicht nachzudenken. Dazu passt die aktuelle Meldung, dass Paramount Skydance kurz vor Abschluss der Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD) den CEO des Spielwarenriesen Mattel, Ynon Kreiz, zum Co-Chef an der Seite von David Ellison ernannt hat. Der Abschluss der über 110 Milliarden Dollar schweren Warner-Übernahme wird gerade in diesen Tagen vollzogen, nachdem Kalifornien und andere Bundesstaaten nach einer Einigung ihre Klage dagegen zurückzogen. Paramount versprach dabei unter anderem, in den kommenden fünf Jahren mehr Geld für Dreharbeiten in den USA auszugeben und das Gelände beider Studios in Los Angeles zu behalten. 

Kreiz war der Vater des Erfolgs des „Barbie“-Films vor gut drei Jahren. Ansonsten hat er sich bei Mattel als knallharter Sanierer hervorgetan. Das beschreibt auch seine Agenda beim neuen Streaming-Giganten. Bereits nach der Übernahme von Skydance im Jahr 2025 hatte Paramount den Abbau von 1.600 Stellen angekündigt. Nun sollen weitere 6 Milliarden US-Dollar eingespart werden. Die Wirtschaftsbehörde des Los Angeles County hält weltweit rund 6.000 Stellen für gefährdet. 

Zwar beteuert Ellison, dass man mehr Geld in Inhalte investieren wolle als je zuvor, doch muss die neue Firma erst einmal sehr hohe Schulden abbauen. Das bedeutet in der Regel weniger Aufträge, weniger Risikobereitschaft und weniger Experimente. Der Vorzeige-Kanal Showtime könnte endgültig verschwinden, wenn HBO die Rolle der Premiummarke übernimmt. Dass CNN in der Hand der Ellisons seine redaktionelle Unabhängigkeit behält, ist sehr unwahrscheinlich. Dass Paramount bereits jetzt kreativ schwächelt, zeigt sich daran, dass Taylor Sheridan, der Schöpfer eines ganzen Universums („Yellowstone“, „1883“, „1923“, „Tulsa King“, „Landman“ und „Special Ops: Lioness“), bereits die Flucht ergriffen und einen Milliarden-Deal mit NBCUniversal abgeschlossen hat. Dort wird er bereits als „big fish“ gefeiert. 

Die Fusion von Paramount Skydance mit WBD ist bereits die sechste Runde in den „Streaming Wars“. Seit 2009 gab es bereits fünf Megafusionen im US-amerikanischen Medien- und Telekommunikationsmarkt. Diese Konsolidierungswellen haben Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet und gleichzeitig die traditionelle Trennung zwischen Filmstudios und Streamingdiensten immer mehr verwischt. So sind riesige Unternehmen entstanden, die sowohl die Produktion als auch den Vertrieb von Inhalten kontrollieren. 

Diese Oligopole haben dramatische Auswirkungen auf die Marktchancen kreativer Talente und Produzenten. Ihnen könnten immer weniger Türen offenstehen, um ihre Ideen und Drehbücher anzubieten, wenn die Sender oder Streamer nur noch Stoffe ihrer eigenen Studios produzieren. Die jüngsten Fusionen haben eine Konzentration der Marktmacht geschaffen, in der bald nur noch drei Unternehmen kontrollieren, welche Inhalte global produziert werden, welche Inhalte die Verbraucher sehen können und wo sie diese Inhalte sehen können. Und auch in Deutschland geht die Konsolidierungswelle weiter: Sky Deutschland wurde von RTL übernommen und ProSiebenSat.1 von dem Berlusconi-Konzern MFE. Auch die Öffentlich-Rechtlichen bündeln ihre Angebote.

Ich fürchte, dass künftig immer weniger komplexe Stoffe produziert werden, da sie aus Sicht der Controller zu schmale Marktnischen repräsentieren. In der Phase des Markenaufbaus hatten sich die Streamer komplexe Produktionen geleistet, um sich eine gute Reputation zu erarbeiten. Das hatte vielen Regisseuren und Produzenten weltweit großzügige Drehbedingungen beschert, was sich in der Regel positiv auf die Qualität der Produktionen auswirkte. Doch jetzt ist der Wettbewerb durch die Fusionen so gut wie beseitigt und King Content läuft Gefahr, degradiert zu werden: zum Hoflieferanten, der nicht mehr selbst regiert, sondern nur noch den Rohstoff an die tatsächlichen Herrscher liefert. An die Algorithmen der mächtigen Tech-Plattformen.