Bei den großen Sendern der ProSiebenSat.1 Media SE stehen 2027 zahlreiche Programmänderungen an. Wie Chief Content Officer Henrik Pabst im DWDL.de-Interview ankündigt, werden mehrere bekannte Formate und Köpfe die Sender wechseln. "Wir sind zudem überzeugt, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer in einer immer komplexeren Medienwelt sehr klare Versprechen honorieren", so Pabst. "Das nehmen wir zum Anlass, um unsere linearen Sender noch klarer zu positionieren."

Besonders umfangreich fallen die Veränderungen bei Sat.1 aus: Dort ziehe man "erfolgreiche Programmmarken aus unserem Senderportfolio zusammen", so Pabst. Konkret: Jenke von Wilmsdorff wechselt mit seinen Reportagen von ProSieben zu Sat.1, Peter Giesel zieht mit dem Verbraucherformat „Achtung Abzocke“ von Kabel Eins ebenfalls dorthin. Gemeinsam mit den bereits bei Sat.1 beheimateten "Markenchecks" sollen die Formate ab März 2027 einen neuen Factual-Dienstag bilden. 

Auch die beiden Castingformate „The Voice of Germany“ und „The Voice Kids“ werden künftig ausschließlich bei Sat.1 zu sehen sein. Damit will der Sender neben dem Freitagabend auch einen Show-Samstag etablieren. ProSieben wiederum zeige samstags künftig Spielfilme, die Shows am Sonntagabend gehen weiter. Zu "Schlag den Star", das bislang am Samstagabend bei ProSieben läuft, sagte Pabst nichts. Auf Nachfrage erklärt der Sender, es gebe "unterschiedliche Ideen, die noch konkretisiert werden". 

Am Montagabend setzt Sat.1 im zweiten Halbjahr 2027 auf Fiction: Geplant sind neue Staffeln von „Kommissar Rex“ und „Der letzte Bulle“ - möglicherweise mit neuem Koproduktionspartner - sowie "mindestens eine weitere Serie". Für den Vorabend kündigt Pabst weitere Gameshows an. Neben dem „Glücksrad“ seien zusätzliche Formate pilotiert worden. Ab dem 14. Dezember ist dort um 19 Uhr zunächst einmal Jörg Pilawa mit „Deal or no Deal“ zu sehen

Henrik Pabst © ProSiebenSAT.1 Media SE / Amelie Niederbuchner Henrik Pabst
ProSieben soll sich unterdessen stärker auf große Shows, Innovationen, Hollywoodfilme und Sportereignisse konzentrieren. "Es gibt keine Diskussion um den Joko & Klaas-Kosmos, um den Heidi-Kosmos oder den Puffpaff-Kosmos. Das sind herausragende Talente. Und 2027 kommen viele Heldinnen und Helden dazu", so Pabst im DWDL.de-Interview. Er meint den Sport. 2027 kommen die Handball-, Eishockey- und Basketball-Weltmeisterschaften der Männer sowie die Handball-WM der Frauen und zum Jahresende die Darts-WM zu ProSieben.

Eine neue Heimat bekommen zahlreiche US-Serien: Kabel Eins übernimmt von Sat.1 am Dienstagabend „Navy CIS“ und „NCIS: Origins“ sowie von ProSieben die Comedyserien „Georgie & Mandy“, „Ted“ und die Erstausstrahlungen neuer Folgen von „Die Simpsons“ am Montagabend. Am ProSieben-Vorabend bleiben die „Simpsons“ allerdings auch weiterhin in Wiederholung zu sehen.

Mit der Neuordnung will Pabst die Profile der einzelnen Sender schärfen. „Wir kommen aus einer Welt, in der jede größere Sendermarke alles angeboten hat. Alle wollten Karstadt sein, aber das erscheint mir kein Modell für die Zukunft zu sein“, sagt er im DWDL.de-Interview. Auch beim Streamingdienst Joyn gibt es neue Pläne. Für 2027 kündigt Pabst mehr als 20 Creator-Formate an, die an Produktionen wie „Love Hunter“ oder „The Race“ anknüpfen sollen.

Inhaltlich konzentriert sich Joyn künftig auf fünf Schwerpunkte: Reality, Adventure, Food, Factual und Crime. In diesen Bereichen sollen auch neue Joyn Originals entstehen. Darüber hinaus steht eine technische Überarbeitung der Plattform an. Joyn soll unter anderem Nutzerprofile und eine verbesserte Empfehlungsfunktion erhalten. Dafür wird die Streamingtechnologie des MFE-Dienstes Infinity mit der von Joyn zusammengeführt. 

Spätestens im Sommer 2027 soll die Plattform dadurch deutlich verbessert sein. Schon früher, vor Ende des Jahres, sollen zudem die bereits angekündigten Inhalte des ZDF bei Joyn verfügbar werden. Mit weiteren potenziellen Partnern befinde man sich in Gesprächen, so Pabst: "Ich hoffe sehr, dass auch andere Marktteilnehmer den Vorteil sehen."

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