Primetime Emmys: Beste Mini-Serie

Wo "Fargo" auf "American Horror Story" trifft

von Uwe Mantel
20.08.2014 - 10:00 Uhr

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© FX

Anders als in den letzten Jahren gibt es diesmal wieder eine eigene Emmy-Kategorie für die "Beste Miniserie". Als Favoriten dürfen "Fargo" und "American Horror Story" gelten. Martin Freeman ist gleich doppelt nominiert.

2011 hatte die Television Academy die Kategorie "Beste Mini-Serie" eigentlich abgeschafft. In den Jahren zuvor war die Zahl der eingereichten Produktionen in diesem Bereich viel zu gering, nur zwei Nominierte gab es teilweise. Also warf man die Miniserien mit den Filmen in einen Topf. Dabei gehören Miniserien eigentlich nicht gerade zu einer aussterbenden Gattung im US-Fernsehen, im Gegenteil: Sogar die Networks haben zuletzt Serien mit eng begrenzter Folgenanzahl wieder für sich entdeckt. Daher wird in diesem Jahr der Emmy für die Beste Miniserie und den Besten Film wieder getrennt vergeben.

Doch einer der Prominentesten Vertreter des Genres fehlt: "True Detective" steht mit seiner innerhalb der acht Folgen umfassenden ersten Staffel abgeschlossenen Handlung geradezu mustergültig für das, was man als Miniserie bezeichnen würde. Eine zweite Staffel wird es zwar geben, doch dann mit anderen Darstellern und einer anderen Geschichte. Doch die Macher haben sie kurzerhand in der Kategorie "Beste Drama-Serie" eingereicht. Trotzdem gibt es hochkarätige Anwärter auf den Titel "Beste Mini-Serie".

Vor allem FX präsentiert sich hier stark: Zum einen ist da natürlich "American Horror Story" zu nennen. Die Anthologie-Serie erfindet sich in jedem Jahr komplett neu, lediglich diverse Personen gibt es Jahr für Jahr wieder zu sehen, allerdings in ganz anderen Rollen in ganz anderen Geschichten. In den vergangenen Jahren, als die Miniserien noch gegen Einzelstücke antreten mussten, hat es zwar nicht zu einer Trophäe als "Beste Miniserie/Film" gereicht, vier Emmys konnten die ersten beiden Staffeln aber trotzdem schon mit nach Hause nehmen. Unter anderem wurde Jessica Lange 2012 als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet - was sie in diesem Jahr wiederholen könnte. Sie tritt dabei unter anderem gegen Sarah Paulson an, die ebenfalls für "American Horror Story: Coven" nominiert ist. Mit Frances Conroy, Kathy Bates und Angela Bassett kommt zudem noch die Hälfte der Nominierten in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin in einer Miniserie" aus "American Horror Story: Coven".

Neben "AHS" hat FX aber mit dem Neuling "Fargo" noch ein weiteres ganz heißes Eisen im Feuer. Gleich 18 Nominierungen gingen im ersten Jahr auf das Konto von "Fargo", die einzige Produktion, die häufiger auf den Nominierungslisten auftaucht, ist "Game of Thrones". "Fargo" ist dabei kein Remake des zweifach Oscar-prämierten Films aus den 90ern, kein Prequel und kein Sequel, sondern eine hochkarätig besetzte Neuinterpretation. Bei den schon vergebenen Creative Arts Emmys reichte es zwar bislang nur für eine Auszeichnung, doch noch könnte es für diverse Ehrungen reichen. Neben der Serie an sich sind auch Martin Freeman, der in der Rolle des gefrusteten Ehemanns und unscheinbaren Versicherungsvertreters Lester Nygaard brilliert, sowie Billy Bob Thornton alias Auftragskiller Lorne Malvo als Beste Hauptdarsteller nominiert. Allison Tolman und Colin Hanks können in den Nebendarsteller-Kategorien punkten.

Hanks tritt darin übrigens lustigerweise auch direkt gegen Martin Freeman an, denn der ist nicht nur für seine Rolle in "Fargo" als bester Hauptdarsteller nominiert, sondern auch für seine Interpretation des John Watson in der eigentlich britischen Miniserie "Sherlock" als bester Nebendarsteller. Um die Verwirrung komplett zu machen, ist "Sherlock" übrigens nicht als Mini-Serie eingereicht, sondern der Film "His Last Vow" als Einzelfilm - und hat hier auch gute Chancen auf eine Auszeichnung. Bei den personalen Kategorien sind Mini-Serien und Filme aber nicht wieder getrennt worden. Daher trifft Martin Freeman in der Hauptdarsteller-Kategorie unter anderem auch auf Benedict Cumberbatch alias "Sherlock Holmes".

Doch genug Verwirrung gestiftet, hier soll es ja um die Miniserien gehen. Und da gibt es noch vier weitere Nominierte, die allesamt aber auf deutlich weniger Nominierungen insgesamt kommen. Die HBO-Serie, die in New Orleans nach den Verwüstungen durch Hurricane Katrina spielt, war bislang etwas unter dem Radar der Kritiker geflogen. 2010, als "Treme" noch in den Dramaserien-Kategorien antrat, gab es schonmal zwei Nominierungen, aber noch keinen Emmy. Danach war Funkstille bis nun die vierte und letzte Staffel doch nochmal etwas Aufmerksamkeit erhielt. Bei den Creative-Arts-Emmys gab es immerhin auch schon eine erste Auszeichnung für "Outstanding Sound Mixing". Der Preis als beste Miniserie käme aber trotzdem schon ein wenig überraschend.

Dazu kommen zwei britische (Ko-)Produktionen. Weit zurück in der Geschichte geht's bei "The White Queen", das von BBC und Starz gemeinsam produziert wurde. In dem mit opulenter Ausstattung gesegneten Zehnteiler geht es um die englischen Rosenkriege des 15. Jahrhunderts. Wenig überraschend war die Serie daher natürlich u.a. auch für die Kostüme und das Hairstyling nominiert - ging dort allerdings leer aus. Via BBC America gab es zudem eine Nominierung für die britische Krimireihe "Luther" über den gleichnamigen Detective, der für die Lösung eines Falles bereit ist, gesetzliche und moralische Grenzen zu überschreiten. Und schließlich hat auch noch die Lifetime-Produktion "Bonnie & Clyde" Chancen auf eine Auszeichnung. Als Miniserie würde man sie im deutschen allerdings kaum bezeichnen, handelt es sich doch schlicht um einen Zweiteiler. Erzählt wird darin die wahre Geschichte von Clyde Barrow und Bonnie Parker.

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