Wo Licht ist, ist auch Schatten

Die großen Verlierer der diesjährigen Emmys

von Thomas Lückerath
26.08.2014 - 20:33 Uhr

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In der Nacht zu Dienstag deutscher Zeit wurden in Los Angeles viele Gewinner der 66. Primetime Emmys gekürt. Am Tag danach ist es Zeit, einen Blick auf die zu werfen, die als Verlierer der diesjährigen Emmys gelten können.

Schon während der Emmy-Verleihung begannen backstage im Media Center die Analysen der diesjährigen Ehrungen. Auch das Medienmagazin DWDL.de hat bereits bei der Bekanntgabe der Gewinner die deutliche Kritik an manchen Entscheidungen anklingen lassen. Am Tag nach der großen Preisverleihung im Nokia Theatre bahnt sich die Kritik jedoch noch deutlicher ihren Weg. Gerade das sonst oft so gefeierte Abstimmungssystem der Television Academy wird in Zweifel gezogen, weil es einige überraschende Verlierer produziert hat.

- Matthew McConaughey und „True Detective“

Im Vorfeld der Primetime Emmys galt McConaughey als klarer Favorit in der Kategorie Bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie. Für seine Darstellung des Polizisten Rustin „Rust“ Cohle in der ungewöhnlichen HBO-Krimiserie „True Detective“ wurde Matthew McConaughey von Kritikern in den vergangenen Monaten überschwenglich gelobt. Nach seinem Oscar für „Dallas Buyers Club“ hätte es sein Jahr gekrönt. Vielleicht aber erschien genau das den meisten Academy Mitgliedern doch zu viel des Guten. Aber nicht nur Matthew McConaughey persönlich, auch die HBO-Serie selbst wurde von den Mitgliedern der Television Academy weitgehend ignoriert. Nur einen Preis gab es in der TV-Gala (Beste Regie), drei weitere Emmys zuvor bei der Verleihung der Creative Arts Emmys. Angesichts der Tatsache, dass die starke Serie in Staffel 2 mit neuem Cast eine neue Story erzählt, hat die starke erste Staffel von „True Detective“ auch keine Chancen mehr auf Emmy-Ehrungen.

- „Orange is the new black“ und Netflix im Abseits

Was die HBO-Serie „True Detective“ im Segment der Dramaserie war, war „Orange is the new black“ im Comedy-Segment: Favorit. Dabei ist die Netflix-Serie trotz einiger Lacher gar keine Comedy. Das dürfte der Produktion bei der Abstimmung auch das Genick gebrochen haben: Den Trick von Netflix, die Serie als Comedy antreten zu lassen, um damit dem vermeintlich härteren Wettbewerb in der Drama-Kategorie aus dem Weg zu gehen, wurde von den Mitgliedern der Television Academy offenbar nicht akzeptiert. Nur drei Emmys bei der Creative Arts-Verleihung waren drin. Für Netflix waren die Emmys 2014 ein Reinfall, auch weil „House of Cards“ und „Derek“ (mit Ricky Gervais) leer ausgingen.

- „Game of Thrones“ und „Fargo“

Zwei Serien mit außerordentlich vielen Emmy-Nominierungen stehen nach den Creative Arts Emmys und der live übertragenen TV-Gala mit erstaunlich wenig Auszeichnungen da. 19 Nominierungen bekam die Fantasy-Serie von HBO - und erhielt am Ende nur vier Emmys, davon keinen während der TV-Gala. Die FX-Serie „Fargo“ ging mit 18 Nominierungen ins Rennen und konnte im Rahmen der TV-Gala immerhin den Emmy als beste Miniserie und einen Emmy für beste Regie einer Miniserie einheimsen. Zusammen mit einer Auszeichnung bei den Creative Arts Emmys sind es am Ende aber nur drei Preise geworden. Und keinen für Allison Tolman, die als Neuentdeckung Favoritin in der Kategorie Nebenrolle Miniserie/Movie war. Auch Billy Bob Thornton, der als Favorit in der Hauptrollen-Kategorie galt, ging leer aus.

- Der Cast von „The Normal Heart“

Der US-PayTV-Sender HBO hat seit vielen Jahren neben den hochkarätigen Serien auch ein bemerkenswertes Portfolio an starken Fernsehfilmen im Programm. In diesem Jahr holte „The Normal Heart“ zwar den Emmy als bester Television Movie des Jahres. Doch das Ensemble des Films ging leer aus. Beste männliche Hauptrolle, beste weibliche Hauptrolle, beste männliche Nebenrolle, beste weibliche Nebenrolle, bestes Drehbuch und beste Regie - sechs Mal ging „The Normal Heart“ leer aus bevor man dann doch immerhin noch den Gesamtpreis abräumen konnte. Der HBO-Film erzählt von der AIDS-Krise der 80er Jahre, basierend auf der Geschichte von Aktivist Larry Kramer, und ist mit Mark Ruffalo, Jonathan Groff, Matt Bomer, Taylor Kitsch, Jim Parsons, Alfred Molina, Joe Mantello und Julia Roberts hochkarätig besetzt.

- NBC, FOX und Showtime

In seinem StandUp zur Eröffnung der 66. Primetime Emmy Awards scherzte Host Seth Meyers noch darüber, dass es die großen US-Networks sind, die Jahr für Jahr die Emmys übertragen und doch selbst immer weniger wenn nicht sogar gar keine Preise gewinnen. So kam es dann auch: Im Rahmen der TV-Gala gingen mit NBC und FOX gleich zwei der vier großen US-Networks gänzlich leer aus. Dank Auszeichnungen im Rahmen der 9 Tage zuvor verliehenen Creative Arts Emmys kommen sie aber immerhin auf zeh (NBC) sowie acht (FOX) Emmys. In die Röhre guckte auch der PayTV-Sender Showtime, der zuletzt mit „Homeland“ Emmy-Erfolge feierte, aber diesmal leer ausging bei der Verleihung Montagabend. Dank den Creative Arts Emmys gehen am Ende immerhin noch vier Emmys auf das Showtime-Konto.

- Die Television Academy und ihre Emmys selbst

So viele prominente, überraschende Verlierer haben Folgen. „If the Results Indicate Anything, It's That the Voting System Is Broken“ titelt der „Hollywood Reporter“ am Tag nach der Verleihung online und liefert ebenfalls eine kritische Analyse zu den diesjährigen Preisvergaben bei den Primetime Emmys, die in der Forderung nach einer Reform das Abstimmungsverfahren der Television Academy mündet. Gerade die zahlreichen Abschiedsgeschenke für „Breaking Bad“ wird zwar kein Fan der Serie als ungerechtfertigt betrachten - und doch feiern die Emmys 2014 damit eine vor fast einem Jahr beendete Serie und hat viel beachtete Newcomer leer ausgehen lassen.

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