Bob Odenkirk © Netflix
DWDL.de-Interview mit dem "Better Call Saul"-Star

Bob Odenkirk: "Die Menschheit ist verdammt"

 

Bei den Primetime Emmys ist Bob Odenkirk dieses Mal nur Zuschauer, da "Better Call Saul" nicht qualifiziert war fürs diesjährige Rennen. Warum die Serie seiner Meinung nach jedoch nächstes Jahr allerhand Chancen hat, verrät er im Gespräch.

von Kevin Hennings
15.09.2018 - 17:30 Uhr

Herr Odenkirk, Sie haben einmal gesagt, dass Sie sich am wenigsten mögen, nachdem Sie ein Interview beendet haben. Welche Art von Interview würde das Gegenteil herbeiführen?

Ich hasse es, wenn ich mich verspreche oder etwas sage, was ich eigentlich gar nicht sagen wollte. Dass ist nicht wie bei “Better Call Saul”, wo ich den Take einfach nochmal neu machen kann. Deswegen muss ich sagen, dass es eigentlich kein Treffen mit Journalisten gibt, bei dem ich mich gut fühle.

Das macht Mut für dieses Gespräch.

(lacht) Beim nächsten Mal machen wir dann einfach ein schriftliches Interview, dass finde ich in Ordnung.

Reden wir über Ihre Arbeit. Können Sie mir erklären, warum "Breaking Bad" ein jahrelanger Emmy-Favorit war und "Better Call Saul" bis zuletzt nicht? 

Wurde “Breaking Bad” in den ersten zwei Staffel außerordentlich oft nominiert? Und gewann die Serie zu der Zeit gar viele Emmys? Ich denke nicht. Tatsächlich war es so, dass nicht einmal die Resonanz die Beste war. Erst aber der dritten Staffel ging es bergauf. Die ersten zwei Staffel von “Better Call Saul” wurden immerhin schon einmal seitens der Kritiker und Zuschauer gelobt. Die dritte Staffel ist nun leider nicht nominiert, da sie zu spät veröffentlicht wurde. Aber wer weiß, ob es danach nicht so weiter geht, wie schlussendlich mit “Breaking Bad". Stand jetzt haben wir schon eine Menge Nominierungen eingefahren und mehr Beachtung bekommen, als sie sich viele andere Serien je erhoffen können. Natürlich liegt das auch daran, dass wir auf “Breaking Bad” folgten und dass Vince Gilligan und Peter Gould so begnadete Schreiber und Produzenten sind. Sie haben den Standard aus den letzten “Breaking Bad”-Staffeln mit zu “Better Call Saul” genommen.

Sie prophezeien also, dass “Better Call Saul” 2019 den ersten Emmy gewinnt?

Ich sage nur, dass es für jedermann wichtig ist, sich bei einer Serie wie zu Hause zu fühlen. Wenn wir die Qualität, die wir an den Tag legen, auf diesem hohen Niveau halten können und unseren Zuschauern weiterhin zeigen, dass wir nicht nur von dem Namen “Breaking Bad” leben, bin ich sehr guter Dinge. Nichtsdestotrotz darf nicht vergessen werden, dass wir nicht das einzige Team sind, dass eine ansehnliche Serie auf den Markt bringt. Selbst wenn wir einen Emmy verdient haben, verdienen ihn auch ganz viele andere.

Sie haben gerade gesagt, dass Sie nicht nur durch “Breaking Bad” leben wollen. Haben Sie sich schon einmal bei dem Gedankenspiel erwischt, wie "Better Call Saul" ankommen würde, hätte es "Breaking Bad" nicht gegeben?

Da ich “Breaking Bad” wirklich abgöttisch liebe, habe ich nie an ein solches Szenario gedacht. Bei “Breaking Bad” kam einfach alles zusammen - ein Erfolg, der nicht kopiert werden kann. Das liegt auch daran, dass “Breaking Bad” in eine Ära hineingeboren wurde, in der Streaming gerade angefangen hat, interessant zu werden. Diese Serie ist schlichtweg perfekt dafür, gestreamt und gebingt zu werden. So etwas wird nie wieder passieren, da diese Technologie sich mittlerweile etabliert hat und es platt gesagt nichts besonderes mehr ist.

Das kann ich so unterschreiben. Jetzt müssen Sie aber noch meine Frage beantworten.

Ich bin unfassbar dankbar dafür, ein Teil von “Breaking Bad” gewesen zu sein. Nein, ich glaube nicht, dass es “Better Call Saul” besser ergangen wäre, wenn es vorher gestartet hätte. Dafür ist unsere Sendung zu verschroben, zu obskur. Doch “Better Call Saul” ist deswegen so ein Erfolg, weil die Sehgewohnheit sich dahingehend verschoben hat, dass der Zuschauer mehr von einer Geschichte abverlangt. Deswegen sind Serien so beliebt geworden, weil eine Story über mehrere Stunde, wenn nicht Tage, intensiv auserzählt wird. “Better Call Saul” erweitert das Universum, das Vince Gilligan einst mit “Breaking Bad” geschaffen hat.

Würden Sie gleichzeitig auch sagen, dass die Zuschauerschaft aufmerksamer geworden ist?

Das ist ein paradoxes Thema. Auf der einen Seite entschließt man sich an einem Sonntag dazu, eine ganze Staffel durchzuschauen, hängt nebenbei aber phasenweise nur am Smartphone. Es ist auch nur logisch, dass der Zuschauer nach vier Stunden Fernsehen nicht mehr so fit und aufmerksam ist, wie zu Beginn. “Better Call Saul” verlangt jedoch höchste Konzentration, da wir so viele Details und so viel Text haben. Es gibt also Menschen, die sich vordergründig berieseln lassen wollen und es gibt Menschen, die intensiv eine Geschichte verfolgen möchten, die auch mal herausfordernd wirken kann.

Waren sie lieber am Set von “Breaking Bad” oder sind Sie es jetzt lieber bei “Better Call Saul”?

Mir macht “Better Call Saul” mehr Spaß. Das liegt daran, dass ich hier einfach unterschiedlichere Szenen spielen kann und nicht durchgehend den verschlagenen Saul Goodman, den jeder aus “Breaking Bad” kennt. Als Schauspieler möchte ich meiner Figur alles abverlangen, was bei “Better Call Saul” mehr als glückt. 

Better Call Saul
© Netflix

Gut lachen hat er in "Better Call Saul" meist weniger - Bob Odenkirk


"Better Call Saul" läuft nicht nur auf ihrem Heimatsender AMC, sondern auch bei Netflix - der Anbieter, der dieses Jahr die meisten Emmy-Nominierungen einfahren konnte. Es bewegt sich was im Fernsehgeschäft...

Das ist toll! Es war lange so, dass sich diverse Fernsehanstalten wie HBO auf einem erhöhten Podest bewegt haben, weil sie unantastbar waren. Nun wird das Geschäft durch Netflix und co. aufgewirbelt und interessant gemacht. Dadurch entstehen kreative Projekte, die nicht nur Produzenten weiterhelfen, sondern vor allem den Zuschauern. Außerdem steht Netflix nicht immer direkt in Konkurrenz zu jedem anderem Network. Tatsächlich hilft Netflix AMC dabei, die Aufmerksamkeit für die Serie oben zu halten. Die Serie ist dort durchgehend verfügbar, während AMC weiterhin linear ausstrahlt. Beide Welten können also zusammen arbeiten und vor allem zusammen harmonieren. 

Sie sprechen sehr leidenschaftlich über ihren Beruf. Was würden Sie eigentlich tun, wenn Sie nicht Teil dieses Geschäfts sein könnten?

Oh mein Gott, egal was ich tun würde, ich würde damit aufhören und mich irgendwie in diese Branche kämpfen. Ich kann nichts anderes! Das ist das, was ich mein ganzes Leben lang getan habe. Ich habe mit Comedy und Entertainment angefangen und mich dann zum Schauspielern und zum Drama gemausert. Für mich ist es viel zu spät, irgendetwas anderes zu machen.

Gibt es denn irgendetwas, was Sie unbedingt noch machen möchten?

Privat möchte ich noch hauptsächlich reisen. Ich möchte nach Irland, da ich dieses Land einfach liebe. Italien und Deutschland, wo Teile meiner Wurzeln herkommen, nehme ich dann auch noch mit. Beruflich möchte ich irgendwann einen Film machen, der persönlich ist und gute Absichten hat. In der Vergangenheit habe ich viel Comedy gemacht. Oft war diese Comedy negativ und kritisch, weil Comedy das im Grunde nunmal ist. Doch ich würde gerne mal etwas machen, dass inspiriert, während es positiv nach vorne schaut.

Würden Sie sagen, dass Sie nun eine optimistische Person sind?

Nein. Ich denke wirklich, dass die Menschheit verdammt ist. Also lass uns einfach ein bisschen gutes Fernsehen schauen und Zeit mit unserer Familie verbringen, solange wir hier sind.

Wird gemacht. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Odenkirk.

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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