Die Fernsehpreis-Nominierungen in den Unterhaltungskategorien halten in diesem Jahr etliche kleinere und größere Überraschungen bereit. Eine sticht direkt ins Auge: In der Kategorie "Beste Moderation / Einzelleistung Unterhaltung" ist neben Pierre M. Krause für die "Kurzstrecke" und Laura Wontorra für "Deutschland sucht den Superstar" nämlich direkt das gesamte Ensemble der Profi-Tänzerinnen und -Tänzer von "Let's Dance" nominiert - bzw. stellvertretend dafür Evgeny Vinokurov, Marta Arndt und Malika Dzumaev, die es bei der jüngsten Staffel bis ins Finale geschafft hatten. 

Das fällt zwar nicht gerade in den Bereich "Moderation" und eigentlich auch nicht "Einzelleistung", erkennbar ist aber die Idee der Jury, die seit vielen Jahren erbrachte Leistung derjenigen zu würdigen, ohne die "Let's Dance" nicht möglich wäre. Auch in die Kostüme und Requisiten von "Let's Dance" wird Jahr für Jahr viel Arbeit gesteckt und auch das würdigt die Jury mit einer weiteren Nominierung in der Kategorie "Beste Ausstattung".

"Beste Show" entscheidet sich zwischen ARD und RTL Deutschland

Als Format hingegen ist "Let's Dance" diesmal nicht unter den Nominierten, hat den Fernsehpreis für die beste Show allerdings 2019 auch schon einmal gewonnen. Stattdessen können sich "Wer weiß wie wann was war?" (RTL), "Wer weiß denn sowas?" (ARD) und "Sing meinen Song" (Vox) Hoffnungen auf eine Auszeichnung als Beste Show machen. Das bedeutet gleichzeitig - nächste Überraschung - dass erstmals seit sieben Jahren hier kein ProSieben-Format nominiert ist. In sieben der letzten zehn Jahre ging sogar der Sieg in der Show-Kategorie an ProSieben. Mit dem "Sehr guten Quiz" in der Kategorie Beste Ausstattung und "WSMDS" in der Kategorie Regie hält Florida Entertainment das ProSieben-Fähnchen freilich trotzdem hoch.

Mit der Nominierung für den Preis als Beste Show würdigt die Jury diesmal stattdessen unter anderem eine der wenigen neuen Eigenentwicklungen im Bereich der Primetime-Shows: Das von Raab Entertainment produzierte und von Stefan Raab und Barbara Schöneberger moderierte "Wer weiß wie wann was war?". "Wer weiß denn sowas?" (UFA Show & Factual) überzeugte die Jury offensichtlich in Jahr 1 nach Elton durch die Neu-Besetzung mit Wotan Wilke Möhring. Dazu kommt mit "Sing meinen Song" von ITV Studios Germany ein Klassiker, der in seinem 13. Jahr erfolgreich war wie lange nicht mehr.

Viele Reisen - und der erste Reality-Fernsehpreis für die Öffentlich-Rechtlichen?

So dominierend ProSieben in den letzten Jahren im Show-Bereich war, so häufig gewann im Bereich Factual Entertainment Vox mit seinen Produktionen. Doch, nächste (jetzt nach bisheriger Lektüre des Textes vielleicht nicht mehr ganz so große) Überraschung: Diesmal gehen Vox und überhaupt RTL Deutschland in diesem Bereich leer aus. Ambitionierte neue Formate wie den Vorjahressieger "Herbstresidenz" suchte man bei Vox allerdings in den letzten Monaten auch vergeblich. Dafür steht die Kategorie diesmal unter dem Oberthema "Reisen". Ob nun mit Köchen im Kabel-Eins-Format "Roadtrip Australien" (south & browse), mit Musikern im ZDF-Format "Song Trip" (Content Laden) oder mit Creatorn in der Joyn-Produktion "The Race" (Studio Flitz).

Kommen wir zur Überraschung in der Kategorie "Reality": In dieser Domäne der Privaten ist diesmal die ARD mit im Rennen. Die von ITV Studios Germany umgesetzte deutsche Adaption von "Werwölfe" könnte zwei Jahre nach der Auszeichnung des ähnlich gelagerten RTL-Formats "Die Verräter" den Reality-Fernsehpreis erstmals in öffentlich-rechtliche Hände holen. Konkurrenz kommt von "Villa der Versuchung" (Banijay Productions Germany/Sat.1), das mit seiner konsequenten Umsetzung des Prinzips "Alles hat seinen Preis" überzeugte. Darüber hinaus könnte "Princess Charming" (Seapoint Productions für RTL+) nach 2021 schon zum zweiten Mal einen Fernsehpreis holen - diesmal für die Staffel, die vorzeitig abgebrochen wurde, weil die "Princess" sich in eine Kandidatin verliebt hatte, die ihr einen Korb gab.

"TV Total" tritt gegen ZDF-Satire an

Bleibt noch die Kategorie Beste Comedy / Late Night, in der "TV Total" (Brainpool Entertainment) mit Sebastian Pufpaff nach drei Jahren erneut mit einem Fernsehpreis geehrt werden könnte, es dabei aber mit zwei Satire-Sendungen des ZDF zu tun bekommt. "Die Anstalt" hat zuletzt vor allem mit der Danger-Dan-Ausladung Schlagzeilen gemacht, diese Sendung lag aber außerhalb des Nominierungszeitraumes. Nominiert wurde die Folge "Die IRANstalt 2" (Content Laden). Dritter im Bunde ist der "heute-show"-Ableger "Next Stop Köster", in dem Fabian Köster Politiker in einem Aufzug-Setting interviewt. Mit "heute-show Extra: Die unglaubliche Geschichte des Elon Musk" ist in der Kategorie Bestes Buch übrigens noch ein weiterer der sommerlichen "heute-show"-Ableger unter den Nominierten. Beides sind Produktionen von Prime Productions. In der Kategorie bestes Buch ist mit einer "Extra 3"-Sendung auch Satire der ARD im Rennen - acht Jahre, nachdem die Show zuletzt einen Fernsehpreis gewann.

Doppelt auf dem Nominierten-Zettel steht auch die Vorentscheid-Show "ESC - Das deutsche Finale", die von Kimmig Entertainment und Lodge of Levity produziert wurde - zwar nicht als Format, dafür könnte aber Florian Wieder in der Kategorie Beste Ausstattung ausgezeichnet werden, Christof Mannschreck und Nicole Simmen fürs Beste Buch. Und noch ein Format sei hier genannt, das viele nicht auf dem Zettel gehabt haben dürften: Der "Silvester-Schlagerbooom" (Jürgens TV) mit Florian Silbereisen könnte auch einen Preis abräumen. Nominiert ist hier Carsten Seibt für die Regie-Leistung.

Aufgeschlüsselt nach Sendern ergibt sich bei allen Überraschungen auch diesmal wieder ein ziemlich ausgewogenes Bild. RTL Deutschalnd und die ARD liegen mit jeweils sieben Nominierungen gleichauf an der Spitze, ProSiebenSat.1 folgt dicht dahinter mit sechs, auf das ZDF entfielen vier Nominierungen. Die US-Streamingdienste gingen in diesem Jahr in der Unterhaltung komplett leer aus.

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