Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst hat beim Golden Hour Empfang anlässlich des Deutschen Fernsehpreises 2026. NRW könne sich mit Stolz als „Medienland Nummer eins“ bezeichnen, sagte Wüst vor geladenen Vertreterinnen und Vertretern der Medienbranche, Filmschaffenden sowie den Nominierten und Stiftern des Deutschen Fernsehpreises. Besonders Köln sei ein Zentrum der deutschen Fernsehunterhaltung. Hinter den Produktionen stehe dabei weit mehr als das, was Zuschauer später auf dem Bildschirm sehen: Regie, Drehbuch, Kamera, Musik, Montage und Ausstattung seien nur einige der Bereiche, in denen Kreative maßgeblich zum Erfolg einer Sendung beitragen.
Dass der Deutsche Fernsehpreis auch Menschen würdige, die normalerweise nicht im Rampenlicht stehen, sei deshalb von besonderer Bedeutung. Wüst gratulierte sowohl den Nominierten als auch den bereits bei der Nacht der Kreativen am Dienstagabend ausgezeichneten Macherinnen und Machern. Er hob einerseits die wirtschaftliche und kreative Stärke der Branche hervor, warnte bei seiner Rede aber auch eindringlich vor Angriffen auf die Freiheit der Medien. Vor dem Hintergrund der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt appellierte Wüst außerdem an Politik und Medien, sich mit dem schwindenden Vertrauen eines Teils der Bevölkerung auseinanderzusetzen.
Freie Medien seien „eine ganz wesentliche Säule, eine tragende Säule einer Demokratie“. Freie Medien schauten genau hin, fragten kritisch nach und machten unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Sie könnten Menschen zudem dazu bringen, die eigene Haltung zu überprüfen. Dass Journalistinnen und Journalisten unabhängig berichten und Filmschaffende ihre Geschichten frei erzählen könnten, erscheine in Deutschland selbstverständlich. „Aber so selbstverständlich ist es eben nicht“, warnte Wüst. In vielen Staaten würden Redaktionen unter Druck gesetzt, Berichterstattung zensiert und kritische Stimmen zum Schweigen gebracht.
Auch in Deutschland gebe es politische Kräfte, die unabhängige Medien angriffen und gezielt versuchten, deren Glaubwürdigkeit zu untergraben. Dabei nahm Wüst ausdrücklich Bezug auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Das Ergebnis bezeichnete er als „Zäsur“. Besonders mit Blick auf Kultur und Medien sei die politische Entwicklung besorgniserregend und rüttle „an den Fundamenten unserer Demokratie“. Die nordrhein-westfälische Landesregierung stehe deshalb fest an der Seite von Filmschaffenden und Kreativen. Medien müssten sich trauen können, Mächtigen kritisch gegenüberzutreten – und dafür politische Rahmenbedingungen vorfinden, die ihre Unabhängigkeit schützen.
„Wo nämlich nur noch gesendet wird, was den Mächtigen gefällt, da geht es den Mächtigen vielleicht besser, aber irgendwann allen schlechter“, sagte Wüst. Zugleich beließ es der Ministerpräsident nicht bei einer Warnung vor extremistischen Kräften. Aus dem Wahlergebnis leitete er einen Auftrag zur Selbstkritik ab – für die demokratischen Parteien ebenso wie für die Medien. Schnelle Antworten auf die Ursachen des Vertrauensverlusts gebe es nicht. Notwendig seien vielmehr Nachdenklichkeit und die Frage, wie verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden könne.
Wüst berichtete von eigenen Erfahrungen im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Er sei bewusst dorthin gefahren, wo schwierige Gespräche zu erwarten gewesen seien. Dabei habe das Thema Medien nahezu immer eine zentrale Rolle gespielt. Es sei nicht lediglich um Kritik gegangen, sondern teilweise um „schroffe Ablehnung“. Viele Menschen hätten ihm vermittelt, dass sie ihre Sorgen und ihre Lebensrealität in der medialen Öffentlichkeit nicht wiederfänden. Diese Wahrnehmung müsse man zunächst ernst nehmen, so Wüst. „Das ist deren Empfindung.“ Gehe Vertrauen in Medien verloren, werde zugleich die Grundlage für einen gemeinsamen öffentlichen Diskurs schwächer.
Eine Gesellschaft, in der sich Menschen nur noch in ihren eigenen Informationsräumen bewegten, berge erhebliche Gefahren. „Wenn jeder nur in der Bubble sich bewegt, wo er sich besonders gesehen fühlt, die sich gegenseitig verstärkt, dann redet im Grunde jeder nur noch mit sich“, sagte Wüst. Extremisten verstärkten diese Entwicklung und nutzten sie gezielt für ihre politischen Zwecke. Deshalb müssten sich nicht nur Parteien, sondern auch Medien selbstkritische Fragen stellen.
Wüst brachte eine größere Themen- und Meinungsvielfalt ins Spiel – auch dann, wenn bestimmte Positionen in der Medienbranche auf breite Ablehnung stießen. Zudem brauche es einen stärkeren Blick auf Regionen und Lebenswelten, die sonst weniger Aufmerksamkeit erhielten. Der ländliche Raum dürfe beispielsweise nicht allein über Landwirtschaft abgebildet werden. Für die Wiederherstellung des Vertrauens gebe es keinen einfachen Weg. Politik und Medien müssten offen bleiben für Gespräche mit Menschen, deren Auffassungen den eigenen fundamental widersprächen. „Ich glaube, wir müssen sehr viel arbeiten, um das Vertrauen in die Demokratie wiederherzustellen“, sagte Wüst.

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