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Bienen, Wasserkraft und LED: Wie grün sind die Privatsender?

 

In den kommenden Wochen befasst sich DWDL.de im neuen "Green Screen"-Special mit der Frage, welchen Stellenwert der Umweltschutz für die Fernsehbranche hat. Zum Auftakt geht es um das Engagement der großen Privatsender.

von Alexander Krei
01.10.2018 - 16:22 Uhr

Der Schutz der Umwelt hat in vielen Unternehmen inzwischen einen wichtigen Stellenwert eingenommen. Doch wie sieht es eigentlich im Fernsehen aus? Wer bei der Produktion von Filmen und Shows dabei ist, mag mitunter kaum glauben, dass dem Thema Nachhaltigkeit eine große Bedeutung beigemessen wird, schließlich laufen Generatoren und Klimaanlagen oft stundenlang auf Hochtouren, ganz zu schweigen vom Scheinwerferlicht, das auf die Stars vor der Kamera niedergeht. Ungeachtet dessen haben sich die großen Fernsehhäuser dennoch den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben. Für das vergangene Jahr hat etwa ProSiebenSat.1 einen Nachhaltigkeitsbericht herausgegeben. "Wir sind uns unserer unternehmerischen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und nehmen sie als ganzheitliche Herausforderung wahr", steht dort zu lesen.

So habe man die Stromversorgung am Standort Unterföhring bereits vor sechs Jahren vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt. Seither wird der Bedarf an elektrischem Strom zu 100 Prozent aus zertifizierter Wasserkraft gedeckt. 2016 habe man darüber hinaus die Beleuchtung der Tiefgaragen vollständig auf LED umgerüstet, erklärt ProSiebenSat.1. Auch in Köln geht man ähnliche Wege. Gegenüber DWDL.de weist eine Sprecherin der Mediengruppe RTL Deutschland darauf hin, dass seit Anfang des Jahres die Leuchtmittel in der Sendezentrale sukzessive gegen LED-Leuchtmittel ausgetauscht würden. "Damit werden der Stromverbrauch und der CO2-Ausstoß um bis zu 60 Prozent reduziert." Gleichzeitig werde der Papierverbrauch schon seit 2010 "kontinuierlich reduziert" – etwa, indem Drucker auf das Bedrucken beider Seiten eingestellt wurden.

Und dann sind da auch noch all die Coffee-to-go-Becher, die vielen Umweltschützern ein Dorn im Auge sind. Berechnungen haben ergeben, dass in Deutschland 320.000 Kaffeebecher nach einmaligem Gebrauch weggeworfen werden – und zwar pro Stunde. RTL hat seine Becher 2017 gegen umweltfreundlichere Mehrwegbecher ausgetauscht und zugleich ein Pfandsystem integriert, das dabei helfen soll, weniger Müll anzuhäufen. Von diesem Montag an will man darüber hinaus gemeinsam mit dem Caterer die bisherigen Plastikschalen und -becher auf eine Alternative umstellen: Statt des bisherigen Kunststoffs auf Ölbasis werde bei den neuen Artikeln sogenanntes PLA verwendet – Verpackungen also, die vegan und aus nachwachsendem Rohstoff sind und nicht aus fossilem Brennstoff. "Somit wird dem Thema Nachhaltigkeit auch beim Mittagessen weiter eine wichtige Rolle eingeräumt", heißt es aus Köln. 

Alles gut also? Wer sich bei den Sendern umhört, kann diesen Eindruck gewinnen. Auf die konkrete Frage nach weiteren Verbesserungsmöglichkeiten und Nachholbedarf geben sich die Privatsender aber zurückhaltend. So verweist ProSiebenSat.1 auf einen "Strategieprozess", in dem man sich gerade befinde. Wie dieser am Ende aussehen wird, bleibt unklar. Auch RTL spricht lieber auf bereits bestehende oder in die Wege geleitete Veränderungen zum Schutz der Umwelt. "Das Sendezetrum der Mediengruppe RTL Deutschland ist dank vieler ressourcenschonenden Maßnahmen energietechnisch auf dem neuesten Stand", erklärt eine RTL-Sprecherin auf Nachfrage und verweist etwa auf ein "ausgeklügeltes Heiz- und Kühlsystem". So werde das Haus primär mit Abwärme geheizt, die bei Betrieb der sendetechnischen Anlagen in den Technikräumen sowie im Studiobetrieb anfalle.

Grüne Produktionen und plastikfreie Verpackung

Aber auch mit Blick auf TV-Produktionen geben sich die Sender einen grünen Anstrich – zumindest bei einigen Projekten wie der Formel-1-Übertragung, bei der vor einiger Zeit die sogenannte Remote-Produktion zum Einsatz kommt. "Wo früher Teams und sehr umfangreiches Equipment von Rennort zu Rennort transportiert werden mussten, kann seit ein paar Jahren vieles aus unserem Sendezentrum 'ferngesteuert' werden", betont man bei RTL und nennt darüber hinaus mit dem "Green Team" der UFA ein weiteres Beispiel. Dieses habe vor einem Jahr dafür gesorgt, dass alle Plastik- und Kartonbecher vom Set verschwanden. RedSeven Entertainment habe bei "The Taste" ähnliche Ansätze für das Catering verfolgt. Auch Endemol Shine hat das kürzlich am Set von "Promi Big Brother" so gehandhabt. Hier sei zudem der Deko- und Setbau weitgehend frei von Kunststoff erfolgt.

Der Pay-TV-Riese Sky hat zusammen mit Endemol Shine bei "MasterChef" gar eine komplette "Green Production" umgesetzt und fährt darüber hinaus schon seit geraumer Zeit seine "Ocean Rescue"-Kampagne. "Wir stellen alles, was Auswirkungen auf die Ozeane haben könnte auf den Prüfstand, wie etwa ein geringer Materialverbrauch beim Design unserer Produkte", schreibt Sky auf seiner Internetseite. Wie das im Idealfall aussehen kann, zeigt der Blick auf die neue Soundbox, die der Sender vor wenigen Wochen auf den Markt gebracht hat. Diese wird in einer komplett plastikfreien Verpackung ausgeliefert, verspricht der Sender. Ziel sei es, bis 2020 jegliches Einweg-Plastik aus Betrieb, Lieferkette und Produkten zu beseitigen.

Ganz anders geht RTL II das Projekt Umweltschutz an: Im Mai ist auf dem Firmengelände in Grünwald ein Imkerprojekt ins Leben gerufen worden. Unter der ehrenamtlichen Anleitung eines erfahrenen Imkers kann die Belegschaft seither in ihrer Freizeit den Umgang mit Bienen lernen. Inzwischen gibt es zwei Völker, die gut 25 Kilogramm Honig hergestellt haben. Es gehe darum, den Firmenstandort für ein nachhaltiges Projekt zu nutzen und gleichzeitig die Aufmerksamkeit für ein ökologisch relevantes Thema zu schaffen, erklärt eine Sendersprecherin gegenüber DWDL.de. Ein kommerzielles Interesse verfolgt RTL II damit im Übrigen nicht – der Honing wird stattdessen intern sowie an Geschäftspartner verteilt.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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