Frau Maceri, Sie werden neue Bundesliga-Moderatorin bei DAZN. Für viele kam es ja durchaus überraschend, dass DAZN ab sofort eine Nachfolgerin für Laura Wontorra benötigt. Wie überraschend war das denn für Sie?
Ich habe es auch nicht so schnell kommen sehen, weil Laura ja noch ein Jahr Vertrag hatte. Wir hatten zunächst gute Gespräche mit DAZN-Chefin Alice Mascia und Michael Bracher, um generell über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen, perspektivisch für die nächste Saison. Dann hat sich in den darauffolgenden Wochen herauskristallisiert, dass es doch schon früher klappen könnte. Dementsprechend haben wir die Gespräche schnell intensiviert.
Wie bereiten Sie sich auf den Start vor?
Ich bin am ersten Spieltag mit Daniel Herzog in Elversberg mitgelaufen, um die Abläufe und das Team kennenzulernen. Natürlich kenne ich die DAZN-Konferenz als Zuschauerin, mir war es aber sehr wichtig, die Sendung vorab mitzuerleben, um für meine erste Konferenz perfekt vorbereitet zu sein. Ansonsten Sendungsvorbereitung as usual. ☺
Sie kennen die Live-Berichterstattung bereits von Ihrer Arbeit rund um die Champions League für den Schweizer Sender Blue, wo Sie allerdings oft im Studio sind. Was macht den Unterschied zwischen Studio und Stadion aus?
Ich mag beides sehr gerne. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich immer einen gesunden Mix zwischen Studio und Pitch auswählen. Ich liebe es, Stadionluft zu riechen. Näher dran geht nicht. Das ist schon besonders. Die Atmosphäre, die du vor Ort aufsagen kannst, bekommst du im Studio einfach nicht mit. Die Arbeit im Stadion ist viel dynamischer und actionreicher, fordert dich auch anders. Die Herausforderung im Stadion: du musst maximal flexibel und stressresistent sein, weil du nicht weißt, wie und wann die Schalten in die anderen Stadien stehen, welcher Gesprächspartner wann als Nächstes kommt. Gerade in der Champions League sind die Zeiten sehr eng getaktet. Und die Supervisor sehr streng. Wenn wir zum Beispiel einen Zehn-Minuten-Slot Prematch haben und einer von zwei Interview-Gästen (meist Trainer oder Funktionär) nicht pünktlich ist, dann bleiben dir vielleicht nur noch drei Minuten und zwei Fragen, und die müssen sitzen. Du musst wirklich on point da sein. Im Studio hast du für alles mehr Zeit, aber meist auch mehr Gesprächspartner, die du richtig einbinden können musst. Das erfordert ein gutes Gespür für Gäste und Themensetzung. Lass es mich so vergleichen: Studio = der erfahrene Taktgeber, der Dirigent des Spiels. Stadion = der kreative Dribbler und Techniker.
Bei der Bundesliga-Konferenz müssen Sie vom Stadion aus mehrere Spiele gleichzeitig im Blick behalten müssen. Eine besondere Herausforderung?
Dafür hatte ich bei Blue die beste Schule. Wer den Matchday Madness, am achten Spieltag der Königsklasse, überlebt, bei dem alle Teams am gleichen Abend spielen, der schafft auch eine Bundesliga-Konferenz (lacht). Da sitzen wir teilweise vor zwölf Fernsehern. Insofern bin ich durch die Champions League gut trainiert, mehrere Spiele parallel im Auge zu behalten.
Zuletzt haben Sie auch für "Bild" moderiert. Wie geht’s dort für Sie weiter?
Ich hatte bei "Bild" zusammen mit Marcel Reif bei "Reif ist Live" eine fantastische Zeit. Zur Bundesliga gibt es mich ab jetzt aber nur bei DAZN. Die Champions League begleite ich weiterhin für Blue. Mindestens noch eine Saison.
"Ich wollte, dass es mehr Frauen gibt, die selbstverständlich am Spielfeldrand stehen, wissen wovon sie reden."
Sie haben selbst viele Jahre Fußball gespielt, sogar Länderspiele. Wie sehr hilft Ihnen das heute?
Ich würde behaupten, dass es das ist, was meine Arbeit auszeichnet, aber auch was mich als Person und Frau geformt hat. Ich habe im Alter von vier Jahren auf dem Bolzplatz mit meinem Cousin angefangen - zu einer Zeit, zu der Frauen im Fußball überhaupt nicht normal waren. Ich war auf der DFB-Eliteschule in Nürnberg das aller erste Mädchen, nur unter Jungs. Das prägt. Ich habe früh gelernt, mich durchzusetzen. Auch deshalb habe ich mich als Frau später in dieser Männerdomäne wahrscheinlich nie unwohl gefühlt. Hinzukommt, dass du als Ex-Spielerin die mentalen Prozesse der Spieler oder Trainer nachempfinden kannst, und verstehst - das hilft enorm beim Fragenstellen in Interviews, das richtige Fingerspitzengefühl für verschiedene Situationen zu haben. Außerdem lehrt dir der Sport die wichtigsten Werte, auch als Mensch.
War es für Sie denn schon während Ihrer aktiven Karriere klar, dass Sie später in den Sportjournalismus wechseln wollen?
Ja, das war mein absoluter Traumberuf. Als ich meine Fußballkarriere früh aufgab, um Sportmoderatorin zu werden, hatten mich viele für Verrückt erklärt. Aber ich hatte eine klare Vision von mir als Frau, und die sah sich nicht auf dem Spielfeld als Fußballerin, sondern als Reporterin: ich wollte, dass es mehr Frauen gibt, die selbstverständlich am Spielfeldrand stehen, wissen wovon sie reden. Deswegen wollte ich die Fußballschuhe gegen ein Mikrofon eintauschen, um Teil dieses Prozesses zu sein und meinen Beitrag zu dieser Entwicklung zu leisten. Heute gibt es zum Glück einige von uns: Esther Sedlaczek, Laura Wontorra, Lili Engels zum Beispiel. Das ist schön, diese Entwicklung zu beobachten und mitzugestalten.
Was war dabei die größte Hürde?
Ich würde sagen, dass es nicht die eine große Hürde gibt, sondern dass es ein Prozess ist, den man durchlaufen muss, ohne aufzugeben, wenn es mal unbequem wird oder nicht so läuft, wie man es gerne hätte. Der Moderations-Beruf ist zu Beginn nicht richtig greifbar, man kann sich ja nicht einfach wie bei anderen Berufen auf diese Stellen bewerben. Es gibt keine Schritt-für-Schritt Anleitung. Wie kommt man dahin, wie wird man Moderatorin oder Reporterin? Wie werden Sender auf einen aufmerksam?
Wie lautet heute Ihre Antwort auf diese Fragen?
Man muss sich die Antwort Stück für Stück erarbeiten. Es gibt auf jeden Fall nicht den einen Königsweg. Meiner hatte viele Umwege. Wichtig ist, dass man sehr gut wird. Im besten Fall so gut, dass kein Weg mehr an einem vorbeiführt. Daran glaube ich zumindest, dass sich Qualität immer durchsetzt. Also war es mir wichtig, das Handwerk richtig zu lernen, zu studieren und Praxis zu sammeln. Eines meiner Vorbilder war Esther Sedlaczek. Ich habe ihren Werdegang genau verfolgt. Nach meinem Studium wollte ich bei einem der großen Medienhäuser ein Volontariat machen, wurde aber mehrmals nicht angenommen. Erst nach einigen Anläufen, habe ich schließlich bei "Bild" in der Sportredaktion angefangen und bin auf diese Weise später zu einem Moderations-Casting für den “Sport1-Fantalk“ zur Champions League eingeladen worden, das ich gewonnen habe. Witzigerweise war Olaf Schröder, der mich heute berät, einer meiner großen Fürsprecher, dass ich diese Rolle bekommen würde. Danach hat alles seinen Lauf genommen. Ich bekomme oft zu hören, dass ich noch super jung sei, und mein Weg steil nach oben ging. Für mein Empfinden hat es sehr lange gedauert, war eher steinig als steil, aber ich bin generell ein ungeduldiger Mensch, also bin ich vielleicht nicht der richtige Maßstab in dieser Diskussion. (lacht)
Was bedeutet es für Sie, nun bald selbst durch die Bundesliga-Konferenz zu führen?
Es ist ein wahrgewordener Traum. Die Bundesliga-Konferenz ist das ikonischste Produkt im deutschen Fußball. Jetzt selber auf der anderen Seite für DAZN zu stehen und zu moderieren ist einfach eine schöne Bestätigung dafür, dass sich harte Arbeit auszahlt.
Und insgeheim hoffen Sie schon darauf, dass Sie die Konferenz in einem Jahr auch mal in Ihrer Heimatstadt Nürnberg moderieren können?
Der 1. FC Nürnberg ist traditionell eine Fahrstuhlmannschaft. Da ist immer alles möglich.
Frau Maceri, vielen Dank für das Gespräch.
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