Markus Küttner © Markus Küttner
DWDL.de-Interview

Küttner: "Wir spielen mit kulturellen Unterschieden"

 

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Markus Küttner
© RTL
Ist RTL da Opfer des eigenen Comedy-Erfolges geworden? Das Fernsehen hat die Comedians in den letzten Jahren groß gemacht und kriegt sie jetzt nicht mehr zurück?

Das würde ich gerne als Kompliment annehmen, aber es ist ein wenig wie die Frage mit dem Huhn und dem Ei: Haben wir die Comedians groß gemacht oder war die Live-Comedy populär und wir sind aufgesprungen? Ich glaube die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte...

Wechseln wir mal zu Ihrem zweiten Gebiet Real-Life, was ich gleich mit der Frage verbindern würd: Welcher Scherzkeks hat eigentlich Comedy und Real Life als einen Bereich zusammengefasst?

(lacht) Das ist einfach so gewachsen. Früher hatten mein Vorgänger Holger Andersen und ich gemeinsam eine Entwicklungsabteilung und haben in allen möglichen Genres Programme entwickelt und auch betreut. Am Ende, einfach  gesagt, sind eben Comedy und Real Life hängengeblieben als die Bereiche, in denen wir einfach die meisten laufenden Programme hatten - und das auch erfolgreich.

 

 

Wie steht es denn nun um die Coaching-Formate? "Raus aus den Schulden" und die "Super Nanny" haben ja nicht nur Freude bereitet in den vergangenen Monaten.

Ich denke die Königsdisziplin ist es, erfolgreiche Formate möglichst lange erfolgreich zu halten. Das ständige Verändern und Weiterentwickeln kann mal der richtige Weg sein. Manchmal ist es aber auch besser zu sagen: Wir verändern gar nichts, wir belassen die Dinge wie sie sind. Bei Peter Zwegat liegt - wie so oft heute in dem Gespräch (lacht) - die Wahrheit in der Mitte. Auf der einen Seite verändern wir gar nichts. Die Fallstellungen und verschuldeten Menschen, denen Peter Zwegat zur Hilfe eilt, haben sich nicht geändert. Da suchen wir jetzt nicht gezielter nach Großfamilien oder besonders harten Fällen, sondern bleiben uns treu. Was wir hingegen ändern: Wir lassen Peter Zwegat freie Hand. Mal will er mehr Seelsorger sein, mal zieht er die klassische Schuldenberatung durch.

Aber so ganz erfolgreich war das jetzt ja nicht.

Ja, die Einschaltquoten bei "Raus aus den Schulden" waren im letzten Jahr etwas unter Druck. Wir waren aber am Ende des Jahres bei knapp 18 Prozent, der RTL-Jahresschnitt liegt bei gut 18 Prozent, also ist es absolut noch im grünen Bereich. In der Herbst-Staffel hatten wir auch nicht selten Werte von über 20 Prozent Marktanteil. Das alles hinter einer "Super Nanny", die nicht ganz so stark performt hat. Sowas spürt ein Folgeprogramm um 21.15 Uhr. Ein starkes Vorprogramm ist da nicht ganz unwichtig.

Hat sich die "Super Nanny" also überlebt?

Nein, ich glaube, man ist gut beraten, den Nachruf auf das Format "Super Nanny" noch etwas in der Schublade zu lassen. Wir halten an dem Format fest und machen neue Folgen in diesem Jahr. Wir haben hier zuletzt viel experimentiert. Einmal Specials mit Frau Saalfrank, die außerhalb des "Super Nanny"-Formats stattgefunden haben, dann auch "Super Nanny"-Specials, wo wir uns in der Tat auch höhere Marktanteile erhofft hätten. Aber muss das auch mal ins Verhältnis setzen: Wenn die "Super Nanny" bei uns mal nur 17 Prozent holt, dann würden alle anderen Sender in Deutschland ihr dafür trotzdem noch die Füße küssen.

Aber wo liegt jetzt die Zukunft dieses Genres mit dem RTL so große Erfolge gefeiert hat?

Vielleicht ist das klassische Coaching tatsächlich an eine Grenze gestoßen. Es gab ja häufiger auch bei Ihnen auf der Website Witzeleien, dass man sich mit RTL durch das ganze Leben coachen kann - vom Baby bis zur Entschuldung. Wir haben natürlich den Nachbarschaftsstreit als relativ neue Coaching-Geschichte, die im letzten Sommer auch gut funktioniert hat und wovon wir auch neue Folgen produzieren. Ansonsten muss man schauen. Ich glaube schon, dass es nicht mehr so einfach sein wird bei RTL ein neues Coaching-Format stark zu etablieren. Im Thema Real Life steckt aber noch viel Potential. Wir haben da zahlreiche Ideen. Ganz aktuell bringen wir jetzt "Undercover Boss", ein in den USA und England sehr gut gelaufenes Format, nach Deutschland. Da produziert die MME gerade für uns.

Oh, Glückwunsch. Das Format galt zuletzt ja als eine der spannendsten TV-Ideen auf dem Markt...

Ja, mal abwarten. Was wir gerade bei diesem Format wieder gemerkt haben: Es ist immer wieder schwierig, gerade solche Doku- und Real Life-Formate von einem Markt und von einem Kulturkreis in den anderen zu transferieren. Unternehmensbosse leben in den USA viel öfter in einem Elfenbeinturm, völlig jenseits der Realität. Aber in Deutschland gehört es zum guten Ton mit seinem Sportwagen auch ab und an mal zu Aldi zu fahren um einzukaufen. Das Gefälle ist bei uns nicht so groß. Das spielt bei solch einem Format eine Riesenrolle, weil der Boss eines Abfallunternehmens in den USA, wenn er denn mal am Fließband steht und Recycling-Müll aussortiert, ernsthaft an einen Scherz glaubt, wenn ihm jemand sagt, dass er nur 250 Dollar verdient, weil er das in seinem Country-Club für eine Flasche Evian ausgibt. Und das ist in Deutschland einfach nicht so. Und trotzdem ist es uns gelungen, spannende Situationen mit der Kamera zu verfolgen.

Wann geht es los?

Die Ausstrahlung dauert noch etwas. Jetzt steht erstmal das Dschungelcamp an.

Wo Sie das Dschungelcamp nochmal ansprechen: In Großbritannien lief das Format schon deutlich öfter als bei uns - und ohne die wiederkehrenden Diskussionen über das Format selbst. Was unterscheidet uns Deutsche da von den Engländern?

Das ist tatsächlich nochmal ein abendfüllendes Thema für sich. Die richtige Antwort darauf habe ich aber auch noch nicht gefunden. Es gibt sicherlich kulturelle Gründe. Die ganze Herangehensweise ist einfach etwas ganz anderes. Von den Werbetreibenden wie auch von der Presse. Da ist man manchmal schon ein bisschen neidisch. Aber das müssen wir dann ein anderes Mal diskutieren…

Herr Küttner, herzlichen Dank für das Gespräch

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