Brian Sullivan © Sky
DWDL.de-Interview mit Brian Sullivan

Sullivan: "Wir bei Sky glauben nicht an Second Screen"

 

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Sie stapeln jetzt etwas tief. Premiere war auch schon mal profitabel und dann wurden falsche Entscheidungen getroffen. Also die Rolle der Unternehmensführung ist nicht so klein, wie Sie sie gerade machen...

Sie wissen, dass ich mich nicht zu Entscheidungen und Strategien früherer Manager äußere, aber lassen Sie es mich so sagen: Ich glaube, bis die News Corp. eingestiegen ist, hatte Premiere nie die Chance, ein langfristiges Geschäft aufzubauen, weil das Unternehmen über eingeschränkte Ressourcen verfügte und daher kurzfristige Erfolge im Fokus standen. Und es gibt noch einen zweiten Aspekt, der uns derzeit in die Hände spielt.

Welcher?

Die Einstellung der Deutschen zum Pay-TV. Diese  hat sich stark verändert und ich bin nicht sicher, ob es ein gesellschaftlicher Wandel ist oder mit der neuen Generation zu tun hat: Inzwischen ist die allgemeine Haltung gegenüber Pay-TV deutlich positiver geworden, sofern das Angebot gut ist. Das war in der Vergangenheit eher weniger der Fall. Wir profitieren von den Veränderungen im Free-TV, die den Menschen offenbar nicht gefallen.

Das FreeTV hat in diesem Jahr in jedem Fall gemerkt, wie stark PayTV sein kann, wenn ich an einen Mittwoch im Frühjahr denke, wo Bundesliga bei Sky mehr Zuschauer hatte als eine neue Gameshow bei Sat1...

Für mich ist Deutschland das Land der Möglichkeiten. Wir sind derzeit erst in gut drei von 40 Millionen TV-Haushalten präsent und wenn heute schon an einzelnen Abenden mehr zahlende Zuschauer Sky schauen, als einen freiempfangbaren Sender, dann ist das Grund zum Optimismus. Gemessen an den Investitionen und der Arbeit, die wir nicht nur in unsere Fußball-Berichterstattung stecken, erwarte ich weiterhin hohe Reichweiten. In der Reichweiten-Top20 des vergangenen Jahres waren nicht nur Fußball-Spiele: Auch eine Handvoll Filme hatte über eine Million Zuschauer. Und der nicht einmal ein Jahr alte Sender Sky Sport News HD hat Tage, an denen mehr als eine halbe Million Zuschauer erreicht werden – Tendenz steigend.

Bleiben wir kurz bei Sky Sport News HD. Hat der Sender Ihre Erwartungen erfüllt?

Ohne jeden Zweifel. Er hat sich sogar besser entwickelt, als wir gehofft hatten - nicht nur hinsichtlich der Zuschauerzahlen, sondern auch mit Blick auf die Resonanz aus dem Sport. Sky Sport News HD wurde binnen kürzester Zeit eine anerkannte Größe im deutschen Sportjournalismus.

Also ist der Sender mehr als einfach nur die teuerste Bewerbung um die Fußball-Bundesliga-Rechte die es je gab?

Genau das Gegenteil ist der Fall, denn mit Sky Sport News HD können wir eine so große Bandbreite von Sportarten abdecken wie nie zuvor. Natürlich ist Fußball für uns sehr wichtig, weil es schlichtweg die Sportart Nr.1 im Land ist. Aber mit dem Volumen an Sendefläche haben Sportarten bei uns nun einen Platz gefunden, die bislang weder bei Sky noch irgendwo sonst im deutschen Fernsehen eine Bühne hatten.

Aber wie wichtig sind Live-Rechte in anderen Sportarten abseits Fußball? Sie haben die DEL verloren und bei der Formel 1 ist Sky auch sehr zurückhaltend...

Live-Rechte sind sehr wichtig – und wir sind natürlich sehr interessiert an attraktiven Live-Rechten abseits des Fußballs. Doch unsere Entscheidungen, welche Rechtedeals wir abschließen, werden immer wohl durchdacht sein. Was die Formel 1 betrifft, so machen unsere RTL-Kollegen einen richtig guten Job. Unser Ansatz als Abo-TV-Unternehmen ist es, unseren Zuschauern das zu bieten, was es im Free-TV nicht zu sehen gibt – genau das ist ja eines unserer Unterscheidungsmerkmale. Von daher gesehen ist die Formel 1 ein spezieller Fall, den wir uns bei der Entscheidung, die für 2013 wieder bevorsteht, erneut genau anschauen müssen.

Und wie sieht es beim Eishockey aus?

Wir haben lange und gut mit der DEL zusammengearbeitet, aber die Fangemeinde hat sich leider nicht so entwickelt, wie wir es uns erhofft hatten. Deswegen haben wir uns dieses Jahr vom deutschen Eishockey zurückgezogen. Wir haben eine gute Beziehungen zur Liga und in den letzten Jahren erhebliche Summen investiert. Manchmal ist es einfach an der Zeit, getrennte Wege zu gehen, wovon beide Parteien profitieren können. Ich wünsche der DEL für die Zukunft nur das Beste und werde immer für Gespräche über eine eventuelle Rückkehr der DEL zu Sky offen sein.

Sie haben eben bei der Bundesliga darüber gesprochen, dass Sie auch gute Quoten erwarten - gemessen an dem Aufwand und dem Geld, das investiert wurde. Erfüllt Harald Schmidt angesichts kaum messbarer Einschaltquoten Ihre Erwartungen?

Harald Schmidt ist ein Premium-Entertainer, der wunderbar zu unseren Premium-Unterhaltungs-Anspruch passt. Die Quoten entsprachen voll und ganz unseren Erwartungen – speziell, wenn man berücksichtigt, dass das Panel die Sky HD-Haushalte und die Nutzung über unsere On Demand Plattformen Sky+, Sky Anytime und Sky Go nicht berücksichtigt. Wir haben immer gesagt, dass Quoten kein ausschlaggebender Faktor für uns sind, sondern Qualität. Daran hat sich nichts geändert und daran wird sich auch nichts ändern. Es fällt hier jedoch besonders auf, wie schwer sich viele tun, die Quotenmessung so zu interpretieren, wie es der tatsächlichen Nutzung entspricht: Die nichtlineare Nutzung von Sendungen wird durch keine Reichweitennutzung erfasst, genauso wenig wie die HD-Ausstrahlungen, die Online-Nutzung oder die Zuschauerzahlen in Sky Bars oder in Hotels. Die Quote spielt bei uns einfach eine andere Rolle als im Free-TV. 

Die „Harald Schmidt Show“ ist abseits vom Sport die größte Eigenproduktion die sich Sky oder Premiere bislang geleistet hat. Ist es grundsätzlich ein Ansatzpunkt zu sagen, dass man auf aus dem FreeTV etablierte Formate setzt, die dort vielleicht kein ausreichend großes Publikum finden aber für PayTV reizvoll sein könnten?

Noch sind wir nicht groß genug für Eigenproduktionen der Art, wie sie im Pay-TV traditionell gemacht werden, daher stimme ich Ihnen zu: Das ist durchaus eine interessante Perspektive für uns, die sehr gut funktionieren kann. Es gibt Programme, die im Free-TV keine ausreichend große Reichweite erzielen, aber aufgrund ihrer Zielgruppe für uns spannend sind. Diese Entwicklung hat in anderen Märkten, etwa den USA, ja schon stattgefunden. Wir sind offen und suchen das Gespräch mit Produktionspartnern. Allerdings ist das ist ein langfristiges Thema für uns.

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Sie haben einen Text aus dem Archiv des Medienmagazins DWDL.de aufgerufen, das bis ins Jahr 2001 zurückreicht und mehrere Zehntausend Artikel umfasst.



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