Trevor Noah © Comedy Central
DWDL.de-Interview mit Trevor Noah

"Auf perverse Art ist Trump das Beste was passieren konnte"

von Thomas Lückerath
19.03.2017 - 13:30 Uhr

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Als Nachfolger von Jon Stewart bei der "Daily Show" von Comedy Central hat Trevor Noah seine Rolle erst finden müssen. Wir haben ihn und seine Show vergangene Woche in New York besucht - und über Donald Trump, seine Sendung und Stefan Raab gesprochen.

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Trevor, sind schlechte Zeiten besser für Comedy als gute Zeiten?

Das ist schwierig. Gute Witze funktionieren eigentlich immer, aber man kann sicher sagen, dass ein Witz in schlechten Zeiten wertvoller ist. Er kann das Ventil sein, das ein bisschen vom Druck ablässt.

Irgendwie ist Donald Trump also schon Beste, was Ihnen passieren konnte?

(lacht) Auf eine perverse Art ist er das Beste was uns passieren konnte, definitiv.

Jubelte der Comedian in Ihnen am Morgen nach der Wahl?

In dieser Nacht und den ersten Tagen danach habe ich nicht an das Comedy-Potential gedacht. In der Situation ist man dann zunächst mal Mensch bzw. Bürger, dann Comedian. Es ist nicht so, dass wir uns die Hände gerieben haben. Es war eher ein Gefühl von Verantwortung.

Sie widmen sich den News des Tages, nehmen sie auseinander und setzen Dinge in Kontext. Würden Sie sich als Journalist bezeichnen?

Oh nein, das würde ich nicht sagen. Das würde die wichtige Arbeit von Journalisten relativieren. Unsere Aufgabe ist es, eine unterhaltsame Sendung zu machen. Ich würde mich als einen politisch und gesellschaftlich engagierten Mitmenschen bezeichnen.

Aber Sie sprachen von dem Gefühl der Verantwortung.

Richtig. Mein Angebot an unsere Zuschauer, die ich im Ton der Ansprache als meine Freunde betrachte, besteht darin zu sagen „Hey, das sind die Themen die mich bewegen. Wir sollten uns darüber mal unterhalten.“ Man muss kein Journalist sein, um den Austausch über politische Themen anzustoßen. Wir machen das mit unseren Mitteln.

Und Donald Trump liefert reichlich Vorlagen.

Er ist pures Gold für Comedy, aber sogar ein bisschen mehr. Wenn seine Präsidentschaft etwas Gutes hat, dann ist es die Folge, dass sich Menschen plötzlich mit Politik beschäftigen. Gerade junge Menschen schauen ihm auf die Finger, wie selten zuvor bei einem Präsidenten. Um bildlich zu sprechen: Als Präsident Obama den Bus fuhr, wurde er gelobt und alle haben ihn einfach fahren lassen. Niemand hat sich darum gekümmert, wie man eigentlich einen Bus fährt. Jetzt fährt Donald Trump - und jeder will sicherheitshalber wissen, wie so ein Bus eigentlich gefahren wird. Es besorgt nur ein bisschen, wenn man merkt: Wir lernen das gerade zusammen mit Donald Trump. Kleiner Trost: Nach vier Jahren sind wir dann alle so qualifiziert Präsident zu sein wie er.

Studio der Daily Show with Trevor Noah
© DWDL
Das Studio der "Daily Show" in Hells Kitchen (Manhattan) vergangene Woche. Schneesturm Stella hat noch Spuren hinterlassen.

Es fällt manchmal schwer in Donald Trump einen Amtsträger zu sehen und nicht einfach nur, pardon, einen Verrückten.

Verrückte Menschen gab es immer und wird es immer geben. Mich sorgen eigentlich weniger die verrückten Menschen als die, die ihnen folgen. Wenn wir die Wahl in den Niederlanden betrachten, dann sind alle erleichtert über das Ergebnis weil er nicht die meisten Stimmen geholt hat. Aber er hat Stimmen geholt - mehr als bei der letzten Wahl. Ob Wilders oder Trump: An einer Person kann man sich reiben. Das ist greifbar. Die werden mit Comedy erträglicher, aber wie gehen wir damit um, dass sie von Millionen Menschen unterstützt werden?

Wie viel ausländische Politik verträgt „The Daily Show“ bzw. Ihr Publikum in den USA?

Wir haben uns gerade mit der Wahl in den Niederlanden beschäftigt, wir werden das türkische Referendum aufgreifen, auch die Wahlen in Frankreich und Deutschland. Es liegt mir viel daran, den Amerikanern die internationale Politik schmackhaft zu machen. Das hat sicherlich auch persönliche Gründe.

"Man muss ja kein eingefleischter Demokrat sein, um zu erkennen, dass Donald Trump ein Verrückter ist."

Ich wollte gerade fragen: Hilft es als Einwanderer den Blick von außen mitzubringen?

Das tut es bestimmt, aber was man sich immer vor Augen halten muss: Die Vereinigten Staaten sind groß. Wir beide kommen da ja aus vergleichsweise kleinen Ländern. Dort ist es einfacher, weil im Wortsinn naheliegender, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Man hat mehr Nachbarn. Die Vereinigten Staaten hingegen sind groß und vergleichsweise isoliert. Das muss man sich vergegenwärtigen wenn man das Nachrichteninteresse beurteilt. Wenn ein Terroranschlag Brüssel trifft, dann trifft das Paris und Düsseldorf zunächst einmal mehr als einen Amerikaner.

Wie kommen Sie denn jetzt ausgerechnet auf Düsseldorf, meine Heimatstadt?

(lacht) Ich hab einige Zeit in Düsseldorf verbracht und war auch viel in Köln. Da hab ich auch schon Karneval gefeiert. Kölle Alaaf!

Ist Ihnen aus dem deutschen Fernsehen irgendetwas in Erinnerung geblieben?

Ja, warten Sie. Da gab es eine LateNight, die ich gerne geschaut habe, auch wenn ich trotz meiner Deutsch-Kenntnisse nicht immer alles verstanden habe.

„Circus Halligalli“ mit Joko & Klaas? Oder „Neo Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann?

(überlegt)… es war Stefan Raab. „TV Total“ heißt die Sendung, oder?

Ja, so hieß sie. Stefan Raab hat sich allerdings aus dem Fernsehen zurückgezogen.

Oh. So viel LateNight habt Ihr dann nicht mehr oder?

Nein, wirklich nicht. Sie kennen sich ja recht gut aus.

Nicht wirklich.

Aber gut beobachtet. Aber kommen wir nochmal zurück in die USA. Die Haltung aller LateNight-Shows ist deutlich: Liberal, aufgeschlossen und gegen Trump. Das ist sehr unterhaltsam. Aber Sie predigen lediglich denen, die ohnehin ihrer Meinung sind. Oder glauben Sie, dass sich Trump-Supporter erreichen und überzeugen lassen, in denen man ihnen vorführt wie albern manche Dinge sind?

Ich glaube, dass Witze die Kraft haben, über Meinungen oder Haltungen hinaus zu funktionieren. Wenn ein Witz richtig gut sitzt, dann können darüber meistens auch die Menschen lachen, auf deren kosten er geht. So sehr es da draußen fanatische Trump-Supporter gibt, die man so nicht erreichen wird, so gibt es eine Vielzahl von Amerikanern die sich weder von Donald Trump noch von Hillary Clinton angesprochen fühlen. Man muss ja kein eingefleischter Demokrat sein, um zu erkennen, dass Donald Trump ein Verrückter ist. Es gibt trotz der Dominanz zweier Parteien nicht nur zwei Lager sondern auch interessierte Bürger die eine Einordnung dessen wollen, was sie da in ihrem Land erleben.

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