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Jürgen Hörner, eoTV © eoTV
Interview mit eoTV-Chef Jürgen Hörner

Hörner: "Wir wollen bis Mitte 2018 überall präsent sein"

 

Jürgen Hörner ist mit seinem kleinen Sender eoTV in den vergangenen zwei Jahren stetig gewachsen. Im Interview spricht er über die Konkurrenz im Einkauf neuer Serien, die Stärke des klassischen TV, die Ziele beim Ausbau der Verbreitung und seine Pläne für 2018.

von Timo Niemeier
21.12.2017 - 14:23 Uhr

Herr Hörner, Sie haben mit eoTV in den vergangenen zwei Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Zum Start Ende 2015 gab es nur ein Primetime-Fenster bei RiC, jetzt gibt es ein 24-Stunden-Programm und Sie verbreiten den Sender auch via Satellit und Kabel, unter anderem bei Unitymedia und NetCologne. Wie haben Sie die vergangenen zwei Jahre erlebt?

Jürgen Hörner: Wir sind sehr glücklich, dass sich der Sender so dynamisch entwickelt. Trotzdem sind wir noch ein kleines, unabhängiges Start-up. Wir arbeiten mit viel Herzblut an der Evolution der Marke European Originals. Das Sendefenster bei RiC im ersten Jahr war eine schöne Fläche, um in den Markt zu starten. Es gibt ja nicht so viele Sender, die ausgerechnet die beste Sendezeit zur Verfügung stellen. So konnten wir testen, ob unser Konzept angenommen wird.

Das wird es offenbar.

Wir gewinnen nach wie vor Monat für Monat neue Zuschauer hinzu, der Trend zeigt ungebrochen nach oben. Bislang haben uns schon über 15 Millionen Zuschauer zumindest einmal kurz eingeschaltet, Ende 2016 waren es noch sieben Millionen. Unsere technische Reichweite liegt bei 44 Millionen Haushalten im deutschsprachigen Raum und die wollen wir weiter steigern. Bei der Sehbeteiligung kommen wir in der Spitze schon auf 12.000 Zuschauer, im Mittel sind es zwischen 5.000 und 10.000. Das lässt sich schon sehr gut vermarkten.


Früher hieß es immer, Sender brauchen rund 1,0 Prozent Marktanteil, um am Markt von den Mediaagenturen ernst genommen zu werden. Dort stehen Sie noch lange nicht.

Inzwischen gibt es immer mehr Sender, auch außerhalb der großen Konzerne. Sender, die Werbung verkaufen und 1,0 Prozent oder mehr haben, bilden lediglich 75 Prozent des Marktes ab. Das heißt, demnach würden 25 Prozent gar nicht berücksichtigt werden können. Das ist ja nicht die Realität. Die früher magischen 1,0 Prozent haben sich inzwischen zu magischen 0,5 Prozent gewandelt. Abgesehen von den ganz großen Mediaagenturen, die sich mit Sendern tatsächlich erst ab einer gewissen Größe beschäftigen, gibt es aber auch heute schon viele andere Agenturen, die den Markt auch bearbeiten. Für die sind wir interessant.

Und in der Vermarktung bzw. Vermessung stehen bei eoTV im neuen Jahr ja einige Änderungen an.

Ab 2018 haben wir eine AGF-Volllizenz, da werden die Zahlen genauer und wir können die exakten Zuschauer pro Sendung und Werbeblock ausweisen. Bislang bekommen wir nur die Sehbeteiligung pro Viertelstunde. Aber man muss auch ganz klar dazu sagen, dass Sender, die auf weniger als 0,5 Prozent Marktanteil kommen, nur schwer ganz korrekt erfasst werden können von der AGF. Das ist rechnerisch gar nicht möglich, aber wir nehmen trotzdem gerne am System teil und arbeiten daran, dass wir in Regionen kommen, in denen die statistischen Ausfälle und Schwankungen nicht mehr so dramatisch sind.

eoTV sendet mittlerweile via Satellit und Kabel. Wie sieht der weitere Fahrplan im Verbreitungsausbau aus?

Unser Ziel ist es, bis Mitte nächsten Jahres überall präsent zu sein. Wir streben die größtmögliche Verbreitung an. Dazu sind wir schon in Gesprächen mit allen großen Kabelnetzbetreibern, die uns bislang noch nicht einspeisen.

"Unser Ziel ist es, bis Mitte nächsten Jahres überall präsent zu sein."

Sind Sie überhaupt noch auf das Sendefenster bei RiC angewiesen?

Wir arbeiten sehr gerne mit den Kollegen von RiC zusammen und ich bin da sehr pragmatisch. Zuschauer, die uns jetzt lange über RiC treu waren, werden wir bestimmt nicht vergraulen, in dem wir diesen Sendeweg schließen. Wären wir ein Sender mit fünf oder zehn Prozent Marktanteil müsste man sich wohl überlegen, ob man sich da nicht kannibalisiert. Aber da sind wir noch nicht. Deswegen werden wir das fortsetzen.

Ist die Konkurrenz im Einkauf eigentlich härter geworden? Es sind doch gerade gefühlt alle auf der Suche nach guten Serien.

Das beantworte ich mit einem klaren Jein (lacht). Die Suche nach tollem Content ist natürlich von vielen Medienhäusern verschärft worden, aber uns trifft das nicht unbedingt. Europäische Serien fügen sich bei einem kleinen Sender eines großen Konzerns, der seinen Schwerpunkt auf US-Fiction, Reality und Eigenproduktionen hat, nicht leicht ein. Im Gegenteil, da passen europäische Serien teilweise gar nicht. Bei den Öffentlich-Rechtlichen passt es zwar besser, aber die Sendeflächen sind sehr gering. Die Konkurrenz bei europäischen Serien im Free-TV ist also überschaubar, das mag sich im Bereich VoD anders darstellen. Wir sind jedenfalls in der Lage, uns unser Programm aussuchen zu können.

Hatten Sie eigentlich nie die Bedenken, dass ein linearer TV-Sender, der sich auf Serien fokussiert, im Jahr 2015 oder auch danach nicht mehr zeitgemäß sein könnte?

Die Konkurrenz ist groß, na klar. Aber wir hätten das nie gemacht, wenn es nicht der beste Weg gewesen wäre. Die Überlegung, wie wir unsere Inhalte verbreiten, stand natürlich ganz am Anfang. Ich schaue auch gern bei Netflix und Amazon, aber der SVoD-Bereich wird ein bisschen gehypt. In Deutschland gibt es geschätzt nur rund zehn Millionen Haushalte, die diesen Extra-Euro für entsprechende Dienste ausgeben wollen. Perspektivisch sind es vielleicht 15 Millionen. Es bleibt also ein sehr großes Zuschauerpotenzial im frei empfangbaren Fernsehen, darauf setzen wir.

"Wir sind in der Lage, uns unser Programm aussuchen zu können."

Was planen Sie für technische Neuerungen?

Wir bieten schon jetzt alles mobil an, Sie können unsere Inhalte auf allen Geräten sehen. Seit Anfang Dezember gibt es eine eigene eoTV-App für iOS und Android. Das ist alles werbefinanziert und frei. Wir sind nicht so vermessen zu glauben, dass das ein Konkurrenzprodukt zu Netflix sein könnte. Wie gesagt: In Deutschland ist die Zahlbereitschaft nicht so hoch. Die Menschen zahlen ja schon für ARD und ZDF, wenn sie Sport mögen noch für Sky und vielleicht auch noch für Netflix und Amazon. Aber dann wird die Luft schon sehr dünn.

Im Herbst lief bei eoTV die erste Staffel der französischen Serie "Versailles", dessen Produktion rund 30 Millionen Euro gekostet hat. Welche Highlights gibt es 2018?

Wir zeigen natürlich auch die zweite Staffel von "Versailles", darauf sind wir sehr stolz. Auch "Agatha Christie" geht weiter, hinzu kommt die zweite Staffel von "Undercover". Ganz frisch im Gepäck haben wir "Passo dalCielo" mit Terence Hill, der in der Serie einen Südtiroler Ranger spielt. Und nachdem "Grand Hotel" bei uns gut funktioniert hat, zeigen wir 2018 auch "Velvet", das von denselben Machern kommt. Ganz neu ist zudem eine Reihe mit französischen Filmen. Das ist ein schöner Bereich für uns, weil wir viele Filme hier als Free-TV-Premiere zeigen können.

Herr Hörner, vielen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit einer kleinen Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de. Lebt in Wien, das deutsche Fernsehen liebt er aber trotzdem. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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