Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine kam es in der Nacht von Samstag auf Sonntag wieder zu schweren Drohnen- und Raketenangriffen, bei denen erneut Kyjiw im Fokus stand. Dabei wurde auch das ARD-Studio, das zentral in der ukrainischen Hauptstadt liegt, massiv beschädigt und in Teilen zerstört, wie der WDR am Sonntag mitteilt. Es gab keinen direkten Treffer, vermutlich führte aber eine Druckwelle dazu, dass Fenster barsten, Räume verwüstet wurden und Wände einstürzten.

Immerhin: Personen befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Studio. Nun muss zunächst die statische Sicherheit des Gebäudes überprüft werden, eine Wiederinbetriebnahme ist also erstmal nicht möglich. Die Produktion und aktuelle Berichterstattung soll nun mit mobilen technischen Lösungen und Ausweichmöglichkeiten gewährleistet werden.

Vassili Golod, ARD-Studioleiter in Kyjiw, sagt: "Rausgerissene Fensterrahmen, überall Splitter, zerstörte Technik – den eigenen Arbeitsplatz völlig verwüstet zu sehen, ist ein Schock. Die russischen Luftangriffe sind seit Jahren massiv, rücksichtslos und Teil der brutalen Lebensrealität in der Ukraine. Die Folge sind Tausende getötete Zivilisten, zerstörte Krankenhäuser, Schulen und eben auch Redaktionsräume. Ich habe riesigen Respekt vor unserem Team, das sich von dieser Aggression nicht einschüchtern lässt und sich mit vollem Einsatz auf das fokussiert, was unsere Aufgabe ist: zu berichten, was ist."

WDR-Intendantin Katrin Vernau: "Ich bin sehr erleichtert, dass unsere Mitarbeiter bei diesem Angriff nicht verletzt wurden. Aber dies zeigt erneut, unter welch gefährlichen Bedingungen unser Team in Kyjiw seit Jahren arbeitet. Die Kolleginnen und Kollegen kennen die Berichterstattung im Ausnahmezustand und werden auch jetzt alles tun, um in dieser schwierigen Situation über den russischen Angriffskrieg und die Hintergründe zu berichten, damit die Menschen in Deutschland die wichtigsten Informationen aus der Ukraine aus erster Hand bekommen. Ich habe großen Respekt vor dem Mut und der Leistung unseres Teams."

Update: Auch das DW-Büro in Kyjiw ist betroffen, dort wurden durch die Druckwelle ebenfalls Fenster und Decken beschädigt. Mykola Berdnyk, Leiter des DW-Büros in Kyjiw: "Glücklicherweise befand sich während des Angriffs niemand im Studio. Trotz der schwierigen Nacht haben die Kolleginnen und Kollegen in Kyjiw am Morgen regulär ihre Schichten im Nachrichtenbetrieb aufgenommen. Auch wenn Kyjiw immer stärker dem russischen Luftterror ausgesetzt ist, bleibt die Motivation der DW-Journalistinnen und -Journalisten vor Ort ungebrochen. Sie wissen, dass ihre Arbeit gerade in solchen Zeiten wichtiger denn je ist."

DW-Intendantin Barbara Massing sagt: "Ich bin sehr dankbar, dass bei dem Angriff keine DW-Mitarbeitenden verletzt wurden. Die Nachricht heute Morgen war ein Schock und zeigt einmal mehr die Bedingungen, unter denen Journalistinnen und Journalisten arbeiten, um das zu berichten, was in der Ukraine passiert. Sie setzen sich jeden Tag unvorstellbaren Gefahren aus und werden dies weiterhin tun, um dafür zu sorgen, dass Menschen in der Ukraine, in Russland und weltweit unabhängige Informationen zum Krieg in der Ukraine bekommen können. Für diesen Mut und ihre Professionalität gilt unserem Team und den Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine meine höchste Anerkennung – und große Dankbarkeit."