Sebastian Romanus, Christian Meinberger © Studio 71
Romanus und Meinberger von Studio71

"In der digitalen Welt gibt es kein Entweder-Oder mehr"

 

Mit "LeFloid vs. The World" produziert die ProSiebenSat.1-Tochter Studio71 eine von drei deutschen YouTube-Originals. DWDL.de sprach mit Geschäftsführer Sebastian Romanus und dem für Entwicklung, Produktion und Distribution verantwortlichen Christian Meinberger über das Verhältnis zu Google.

von Alexander Krei
13.09.2018 - 15:21 Uhr

Herr Romanus, Herr Meinberger, Sie machen mit Studio71 eine von drei deutschen YouTube Original-Produktionen. Inwiefern ist Google Freund und Feind für Sie? 

Sebastian Romanus: Beides, denn natürlich steht YouTube in manchen Bereichen mit ProSiebenSat.1 im Wettbewerb. Andererseits haben wir auch schon enge Partnerschaften geschlossen, maßgeblich durch uns getrieben – sowohl in der Produktion, wie auch in der Vermarktung. Von daher respektieren wir Youtube als ernstzunehmenden Wettbewerber und schätzen es als Partner. 

Auf der einen Seite geht ProSiebenSat.1 im Kampf gegen die US-Player ein Werbevermarktungsbündnis ein, auf der anderen Seite helfen Sie YouTube, sich von der Distributionsplattform zum Publisher zu wandeln. Züchten Sie sich da nicht die eigene Konkurrenz heran?

Romanus: In der digitalen Welt gibt es doch längst kein Entweder-Oder mehr, wir fokussieren uns in der Weiterentwicklung unseres Geschäftes auf sinnvolle Kollaborationen. Mit den YouTube Originals starten wir mit Studio71 in die Produktion von Highclass-Content für diese Plattform. Mit Blick auf das allumfassende Inventar bildet dies eine kleine, aber feine Facette ab. Schließlich besteht YouTube auch künftig zu einem großen Teil aus User-generated- oder Creator Content. Und auch bei YouTube Originals wird es unterschiedliche Services geben. Ich sehe das neue Angebot daher weniger als Konkurrenz zu klassischen Broadcastern, sondern vielmehr als Chance für uns, ein wichtiges digitales Zukunftsfeld zu besetzen.

Christian Meinberger: Das Format, das wir mit LeFloid für YouTube Originals produzieren, ist bewusst für und um den Künstler herum gebaut. LeFloid steht für YouTube und ist auf der Plattform bekannt und groß geworden. Das neue Format integrieren wir ohne Medienbruch direkt in seinen Kanal und sichern uns damit vom Start weg die richtige Zielgruppenansprache und hohe Reichweiten. Da passt vieles zusammen. 

Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen?

Meinberger: Wir entwickeln ständig neue Konzepte für eine Vielzahl von Distributionswegen. Bei "LeFloid vs. The World" war uns der Pay-Value wichtig. Das Format soll sich deutlich von dem unterscheiden, was es bislang bei YouTube zu sehen gab. Das trifft auf die LeFloid-Produktion mit Sicherheit zu, denn wir haben hier ein neues Format aus verschiedenen Genres kreiert. Über mehrere Wochen hinweg haben wir 15 Länder bereist und mit prominenten Protagonisten ein breites Themenspektrum abgebildet. Die Liste der Gäste reicht von Christine Lagarde über Dieter Zetsche bis hin zu Ice T. Das ist in einer Premium-Qualität produziert, wie wir sie vom klassischen Fernsehen kennen. 

Wie viel Geld lässt YouTube dafür springen?

Meinberger: Zum Produktionsbudget können wir uns natürlich nicht äußern. Aber die Höhe des Budgets ermöglichte uns diese Qualität. Darüber hinaus hat uns YouTube die nötige Flexibilität und kreative Freiheit für diese außergewöhnliche Produktion eingeräumt. 

Für Studio71 ist es also lukrativer, ein Format direkt für YouTube zu produzieren als es selbst zu vermarkten? 

Romanus: Wie wir die Formate produzieren, platzieren und vermarkten hängt ganz vom spezifischen Szenario ab. Hier gibt es mehrere Modelle, die sich nicht so recht miteinander vergleichen lassen. Ohnehin setzen wir die meisten unserer Produktionen mit Partnern um – seien es Auftraggeber wie YouTube und "funk" oder auch Handelspartner, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Und natürlich arbeiten wir auch mit den Kollegen innerhalb der ProSiebenSat.1-Gruppe an Inhouse-Projekten. 

LeFloid vs. The World
© YouTube

Wie wichtig ist das Fernsehen fürs Geschäft mit den YouTubern?

Romanus: Beide Welten können sich gegenseitig extrem befruchten. Manche Künstler wollen in ihrer digitalen Welt bleiben, andere haben Spaß am Sprung auf den großen Screen und wollen sich gemeinsam mit uns eine Präsenz im Fernsehen aufbauen. So wie zu Jahresbeginn MarcelScorpion bei der "Promi Darts-WM" oder demnächst Julien Bam bei "Masters of Dance". Hier bieten wir innerhalb unserer Sendergruppe perfekte Umsetzungsmöglichkeiten – gerade auch für junge Zielgruppen.

Werden Formate wie diese den klassischen YouTube-Content auf Dauer ablösen?

Romanus: Nein, der Pay-Content wird die klassischen Inhalte nicht ersetzen, denn wir sprechen hier von völlig unterschiedlichen Nutzungsszenarien. Auch künftig wird daher beides seine Daseinsberechtigung haben.  

Und doch erreicht beispielsweise ein mit einfachen Mitteln gedrehtes Video, das Ihre Künstlerin Sarah Harrison beim Essen einer gesponserten Tiefkühlpizza zeigt, eine Million Views.

Romanus: Interessant an Online-Video ist doch, dass sich hier ganz verschiedene Formate entwickeln und finden lassen. Ihr Beispiel zeigt außerdem, dass Influencer Marketing längst in der breiten Masse angekommen ist – auch in Bezug auf die Werbekunden. Da hat sich die Überzeugungsarbeit, die wir in den ersten Jahren geleistet haben, inzwischen ausgezahlt.

"Wir sehen noch eine Menge Potenzial – auch weit über Videos hinaus."
Sebastian Romanus, Geschäftsführer Studio71

Wie viel Wachstum ist da noch möglich?

Romanus: Potenzial sehen wir vor allem in der zunehmenden Ausdifferenzierung des Marktes. So beobachten wir gerade einen signifikanten Wachstumsschub bei Instagram. Auf diese Trends reagieren wir natürlich mit der Diversifizierung unseres Portfolios. Analog zum Markt verläuft auch unsere Entwicklung positiv. Aktuell liegen wir bei etwa einer Milliarde Views pro Monat – alleine in Deutschland. Und wir sehen noch eine Menge Potenzial – auch weit über Videos hinaus. Beispielsweise die Verlängerung des Influencer Marketings in die reale Welt. Nehmen Sie Luca, mit dem wir eine Pizza in den Handel bringen, oder die beiden Freundinnen ViktoriaSarina, mit denen wir Bücher verlegen. Da ist gerade nichts undenkbar.

Meinberger: Gleichzeitig wollen wir natürlich die Produktion originärer Creator-Formate wie "LeFloid vs. The World" weiter forcieren. Schon jetzt arbeiten wir mit einem großen Network an einer Serie für die Primetime, die wir 2019 releasen werden.

Wie spannend ist Fiction für Sie?

Meinberger: Sehr! Hochwertige Fiction-Produktionen werden von den großen Plattformen gerade gesucht. Für Studio71 ist das natürlich sehr interessant. Mit "LeFloid vs. The World" konnten wir als noch junge Produktionsfirma hohe Qualität abliefern. Das ist nun unsere Visitenkarte für hochklassigen lokalen OTT-Content, der auch für Netflix oder Amazon in Deutschland attraktiv sein könnte.

Herr Romanus, Herr Meinberger, vielen Dank für das Gespräch.


Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

Teilen

Kommentarbereich anzeigen
Mit den Newslettern der DWDL.de-Redaktion sind Sie werktäglich bestens informiert. Für die Rundum-Versorgung abonnieren Sie einfach alle Angebote oder wählen den für Sie passenden Newsletter...
Name:
E-Mail:
Frage: 2 mal 4 ist

Ich möchte die folgenden Newsletter erhalten:
Sie können sich jederzeit wieder abmelden. Beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.