The Good Doctor © MG RTL D
DWDL.de-Interview mit dem "Good Doctor"-Star

Highmore: "'The Good Doctor' ist eine Art Wiedergutmachung"

 

Wer "Bates Motel" gesehen hat, lernte Freddie Highmore als kaltblütigen Killer kennen. In "The Good Doctor" spielt er nun einen Autisten, der Leben rettet. Im Interview mit DWDL.de spricht er über Stereotypen und die Begegnung mit echten Autisten.

von Kevin Hennings
31.10.2018 - 18:35 Uhr

Mr. Highmore, wie viel Zeit ist verstrichen, bis sich Hugh Laurie bei Ihnen meldete, um zur hervorragenden Performance eines seltsamen Doktors zu gratulieren?

Als großer "Dr. House"-Fan hätte das gerne wenige Minuten nach der Premiere passieren können. Leider habe ich ihn bis heute aber nicht kennenlernen dürfen und kann deswegen nur spekulieren, was er über meine Rolle denkt.

In "The Good Doctor" spielen Sie Shaun Murphy, einen autistischen Chirurgen. Wenn es darum geht eine autistische Rolle zu spielen, droht man schnell, in Stereotype zu verfallen. Wie wollten Sie das vermeiden?

Es war mir wichtig, unvoreingenommen an diese Rolle heranzugehen. Auch Autisten sind Menschen und als solche gehören sie behandelt. Ich wollte mich also nicht komplett darauf verkrampfen, nur darauf zu achten, jedes Fettnäpfchen zu vermeiden, sondern vor allem meiner Intuiton freien Lauf lassen. Ich habe mich bereits vor dem Dreh mit autistischen Menschen beschäftigt und dadurch ein Verständnis dafür bekommen, wie sie ticken. So habe ich verstanden, dass sie nicht emotionslos sind, sondern einfach anders auf Situationen reagieren. Es war mir ein Anliegen, mit einem gewissen Respekt an die Rolle zu treten, aber auch keine Angst zu haben, die dunkleren Seiten des Autismus zu zeigen, wenn es nötig ist.

Haben Sie mit autistischen Personen gesprochen, ob sie die Serie mögen?

Ja, und ich wurde vor allem dafür wertgeschätzt, wie sozial peinlich ich wirken kann. Das klingt in erster Linie ziemlich lustig, ist aber eine großes Lob. Autisten fügen sich selten gut in soziale Umstände und wirken oft wie ein Fremdkörper. Anscheinend habe ich das authentisch rüberbringen können. Mir wurde außerdem gesagt, dass die Szene, in der darüber entschieden wird, ob Shaun Murphy als Autist überhaupt Chirurg sein sollte, für einige Tränen sorgte. In der Szene wird diskutiert, ob ein Mensch ohne Empathie wirklich mit Patienten und deren Familien umgehen sollte. Die Autistin mit der ich sprach, meinte, dass sie tief berührt war. Da musste ich dann eine Träne zurückhalten.

In den Körper eines Autisten zu schlüpfen ist das Eine, in die eines Doktors nochmal etwas anderes. Versteht der private Freddie Highmore etwas von Medizin?

Nein, auch das war eine absolut neue Erfahrung für mich. Tatsächlich muss ich zugeben, dass ich logisch gesehen die absolut schlechteste Wahl für eine Medizinerrolle bin (lacht). Zumindest wenn es darum geht, Vorwissen mitzubringen. Deswegen kann ich Ihnen auch direkt verraten, was eine der besten Dinge ist, die ich aus dem Dreh mitgenommen habe: Ich weiß jetzt, wie die stabile Seitenlage funktioniert.

Was haben Sie denn noch mitgenommen?

Es klingt kitschig, aber die Zeit am "Good-Doctor"-Set hat mir weitere Gründe dafür geliefert, ein guter Mensch zu sein. Die Serie zeigt, was es im Leben ausmacht, anderen Menschen zu helfen und wie sehr man sich damit indirekt auch selbst hilft. Von mir aus können wir es Karma nennen, oder wie auch immer. Es ist nur wichtig zu wissen, dass Egoismus diese Welt zu Grunde richtet und wir das ganz einfach dadurch verhindern können, indem jeder seinem Nächsten eine helfende Hand reicht. Und in dem man seinen Mitmenschen einfach mal zuhört, anstatt nur selbst zu reden. Selbst das kann schon Wunder wirken.

Das sind erfreuliche Erkenntnisse. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Sie in ihrer letzten Serie, "Bates Motel", nur gemordet haben. Morden oder Leben retten, was machen Sie vor der Kamera lieber?

Auch wenn ich gerade noch den Egoismus in dieser Welt verdammt habe, muss ich bei dieser Antwort etwas egoistisch sein: Ich will mich nicht entscheiden und mich nicht selbst in irgendeine Schublade stecken. Denn um ehrlich zu sein, macht beides einfach höllisch Spaß. Sie können beinahe jeden Schauspieler fragen und er oder sie wird ihnen mit hoher Sicherheit sagen, dass es einfach toll ist, den Bösewicht zu spielen. Mal alle Skrupel fallen zu lassen, ganz anders zu sein als im echten Leben - darum geht es doch als Schauspieler. Es geht aber auch um Rollen wie Shaun Murphy, wo ich auf andere Art eine Seite ausleben kann, die ich sonst nicht bin. Die Mischung macht's und deswegen habe ich vor, mich nicht auf eine Rolle festnageln zu lassen. Ich bin aber tatsächlich froh, mit "The Good Doctor" die Morde aus "Bates Motel" wiedergutzumachen (lacht).

 

Qualitativ eingeschlagen hat auch das koreanische Original von "The Good Doctor". Wie sehr lässt man sich als Schauspieler davon inspirieren?

Ich habe kurz in die erste Folge reingeschaut, nach zehn Minuten aber wieder ausgemacht. Nicht, weil ich es schrecklich fand, sondern weil ich unvoreingenommen in den Dreh gehen wollte. Hätte ich die Serie gesehen, hätte ich unterbewusst bereits ein Bild von dem Shaun gehabt, wie er laut dem Original aussehen muss. Ich wollte aber meine eigene Version kreieren. Für wäre das sonst ein bisschen wie abschreiben in der Schule. Macht man einfach nicht. 

Persönlich wirken Sie tatsächlich genauso nett und besonnen, wie Shaun Murphy.

Das freut mich und macht mich so froh, ein Teil von "The Good Doctor" zu sein. Im Fernsehen findet man so viel Programm, das einen runterzieht. Seien es Dramen oder die Nachrichten. Deswegen ist es schön, wenn es auch Sendungen wie diese gibt, die pure Menschlichkeit ausdrückt und zeigt, wie vernünftig unsere Gesellschaft handeln kann. 

Mr Highmore, vielen Dank für das Gespräch.

Die erste Staffel von "The Good Doctor" ist derzeit jeden Mittwoch um 20:15 Uhr bei Vox zu sehen. 

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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