Sandra Maischberger © WDR/Peter Rigaud
DWDL.de-Interview mit Sandra Maischberger

"Ich hoffe sehr, dass das neue Konzept Bestand haben wird"

 

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Wann ist die Besetzung einer Talkshow ideal?

Wenn Sie es schafft, eine leidenschaftliche Diskussion zu erzeugen, in der unterschiedliche Standpunkte aufeinander treffen, ohne dass die Menschen beleidigend werden. In dem Moment, in dem das Sachargument einem persönlichen Foul weicht, ist die Sendung nicht gelungen. 

Wird heutzutage häufiger gefoult?

Im Meinungsaustausch ist der Diskurs im Netz dazugekommen – und der ist ziemlich brutal. Das hat an manchen Stellen dazu geführt, dass auch die Menschen, die sich gegenübersitzen, brutaler miteinander umgehen, weil der Boden schon bereitet ist. Aber wir hatten auch in der Vergangenheit unflätige Beschimpfungen des politischen Gegners, auch in Bundestags-Debatten der 60er- oder 70er-Jahre. Auch damals hat man sich nichts geschenkt. Ich habe allerdings den Eindruck, dass die Menge der Beleidigungen zugenommen hat, vor allem auch die Schnelligkeit, in der Menschen übereinander herfallen.

Ist die Erwartungshaltung des Publikums dann nicht zwangsläufig die, dass das auch in Talkshows so laufen muss?

Wir machen eine andere Erfahrung. In den 80er-Jahren gab es eine Phase, in der das sogenannte Krawallfernsehen vor allem in den Privaten Sendern sehr erfolgreich war. Diese Zeiten sind vorbei. Gerade angesichts der Schärfe im Netz suchen unsere Zuschauer zwar die offene Auseinandersetzung. Sie schätzen es aber nicht, dass sich die Gäste anschreien, und sie schalten ab, wenn es einen Wettbewerb darum gibt, wer das Wort am längsten behält. Das Netz ist so laut, dass man offensichtlich auch die stillen Momente sucht. 

Worauf führen Sie es zurück, dass die Zuschauerzahlen der politischen Talkshows rückläufig sind? Wir leben doch in politisch aufregenden Zeiten...

Helmut Schmidt würde sagen: "Ich stimme Ihrer Prämisse nicht ganz zu.“ Wir erleben immer Auf und Abs - auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise hatten wir alle unheimlich viele Zuschauer, danach wurde es weniger, um vor wichtigen Wahlen wieder anzusteigen. Auf dem Höhepunkt der nächsten Regierungskrise werden wir wieder viele Zuschauer haben. Außerdem leidet Das Erste gerade insgesamt etwas unter schwächeren Quoten. Das wirkt sich im Vorlauf dann auch auf die Talkshows aus, anders als zum Beispiel bei Maybrit im ZDF. Und bei Markus Lanz sitzen, anders als früher, inzwischen auch immer politische Gäste – in direkter Konkurrenz zu unserer Sendung.  

"Inzwischen machen alle, was wir anfangs als unsere Mischung betrachtet haben."
Sandra Maischberger

Aber auch Ihre Sendung ist politischer geworden als Sie es mal war. 

Wir sind in den letzten beiden Jahren verstärkt auf die politischen Themen gegangen, was sich aus einem internen Wechsel unserer Sendung von der Unterhaltung in die Chefredaktion ergab. Die Frage ist jedoch, wie man ein politisches Thema als solches definiert. Wir fanden es immer gut, Themen außerhalb des Kalenders des Bundestags aufzugreifen, etwa Themen aus dem Gesundheitsbereich oder ethische Fragestellungen. Da hatten wir lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal, aber inzwischen machen alle, was wir anfangs als unsere Mischung betrachtet haben. Warum also sich nicht noch einmal verändern, um auch der ewigen Kritik zu begegnen, dass ohnehin alle das gleiche machen? Ein Stück weit kommen wir mit dem neuen Konzept auch der gewachsenen Zuschauererwartung an Wechsel und Kurzweiligkeit entgegen, gerade zur späten Sendezeit. Damit können wir vielleicht häufiger überraschen als mit der gesetzten Runde.

Und nach den vier noch ausstehenden Folgen der Sommer-Staffel ist wieder Schluss mit Kurzweiligkeit?

Ich hoffe sehr, dass das Konzept über diese 4 Folgen hinaus Bestand haben wird und bin angesichts der sehr guten Resonanz auf die beiden ersten Sendungen zuversichtlich. Wir werden aber natürlich sehen, wie sich unsere Idee entwickelt und ob wir gemeinsam mit dem WDR an einer Weiterentwicklung arbeiten wollen.  

Zum Schluss noch eine Frage abseits der Talkshow, schließlich haben Sie im Sommer mit "Nur eine Frau" erstmals einen Kinofilm produziert. Wird es in Zukunft mehr davon geben?

Zunächst mal freue ich mich, dass er Film im Kino sehr erfolgreich gelaufen ist, wir jetzt damit an die Schulen gehen werden und er Anfang 2020 am Mittwochabend um 20:15 Uhr im Ersten laufen wird. Wir produzieren mit der Vincent productions ja ständig Filme - im August läuft unser Film über die Treuhand mit Birgit Breuel in der ARD und eine Reportage über den Libanon auf arte. Daneben arbeiten wir gerade tatsächlich an zwei weiteren Kinofilmen. Mir selbst macht es großen Spaß, mich auch auf eine andere Weise mit Themen zu beschäftigen. Das bereichert letztlich auch meine Arbeit in der Talkshow.

Frau Maischberger, vielen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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