Oliver Schablitzki © MG RTL D / Boris Breuer
DWDL.de-Interview mit Oliver Schablitzki

Schablitzki über VoxUp: "Die Idee ist eigentlich naheliegend"

 

Der Nächste, bitte: Neben Nitro und RTLplus verantwortet Oliver Schablitzki jetzt auch den Spartensender VoxUp, der am Sonntag startet. Mit DWDL.de sprach er über die Schnittmenge mit dem Hauptprogramm, Eigenproduktionen und die Vermarktung.

von Alexander Krei
28.11.2019 - 07:54 Uhr

Herr Schablitzki, wie antiquiert ist es, im Jahr 2019 einen linearen Fernsehsender zu starten?

Mir macht es besonders großen Spaß, genau das zu tun, was niemand erwartet. (lacht) Unser Kerngeschäft in der Mediengruppe sind starke Marken, die auf allen Wegen Verbreitung finden. Wir investieren aktuell stark in Streaming und bauen TVNow aus. Gleichzeitig untermauern wir unsere führende Rolle im Free TV mit der Gründung eines neuen Senders…

… und sind dann auf VoxUp gekommen?

Jeder große Sender hat inzwischen einen Ableger, nur Vox nicht. Dabei ist Vox eine echte Love Brand. Die Idee, das Vox-Universum zu erweitern, war dann tatsächlich schnell geboren – bei einem Mittagessen im Mai. Das erste Programmschema haben wir relativ schnell gebaut, was uns nochmal vor Augen geführt hat, wie naheliegend die Idee eigentlich ist.


Sie verantworten seit vielen Jahren den Männersender Nitro und inzwischen auch RTLplus. Welche Erfahrungen haben Sie in die Planungen für VoxUp einfließen lassen?

Wir haben bei Nitro über die Jahre hinweg gelernt, wie man schnell und effizient in einem großen Netzwerk wie der Mediengruppe einen gut funktionierenden Sender bauen kann. Dadurch, dass wir Nitro, RTLplus und demnächst VoxUp inzwischen aus einem Bereich heraus entwickeln, können wir die Sender noch ein Stück weit klarer positionieren und sie so einreihen, dass sie die großen Sender perfekt ergänzen. 

Welche Zielgruppe wollen Sie mit Ihrem neuen Sender ansprechen?

Weil wir Vox und VoxUp gemeinsam vermarkten, ist uns daran gelegen, eine deckungsgleiche Zielgruppe anzusprechen, vorwiegend also junge Frauen. Gleichzeitig wollen wir programmlich bestmöglich komplementär aufgestellt sein. Wenn sonntags "Kitchen Impossible" bei Vox läuft, setzen wir zum Beispiel auf US-Fiction.

Vox gibt also den Ton an...

… und VoxUp ist der Hall. (lacht)

VoxUp-Kampagne (5 Videos)


Wie wichtig ist der Absender für den Erfolg von Formaten?

Der Absender ist wichtig, um einen Einschaltimpuls zu liefern. Ob die Zuschauer dauerhaft dranbleiben, hängt von der Stärke des Programms ab, aber auch von der Verlässlichkeit. Natürlich kann man links und rechts immer wieder etwas Neues probieren, letztlich befindet man sich aber in einem bestimmten Kraftfeld, das wir mit VoxUp auch nicht verlassen wollen. Deshalb haben wir gleich zum Start eine Menge vertrauter Marken wie "Menschen, Tiere & Doktoren", "Das perfekte Dinner" oder auch "Ally McBeal" und "Rizzoli & Isles" im Programm.

Das Programmschema wird von vielen Wiederholungen dominiert. Sind perspektivisch auch Erstausstrahlungen denkbar?

Ja, Free-TV-Premieren werden eine wichtige Rolle spielen. Die erste Serie, die wir in Erstausstrahlung zeigen werden, wird die amerikanische Mystery-Dramaserie "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert", die Serie von Jean-Jacques Annaud, die bereits bei TVNow gut funktioniert hat. Im Factual-Bereich werden wir zudem gleich in der ersten Woche neue Folgen von "Mein Traumhaus am Meer" ausstrahlen. Zudem haben wir ab 7. Dezember mit "Ein Baby zieht ein" eine echte Pre-Vox-TV-Ausstrahlung, die auf dem BBC-Format "Help, we're having a baby" basiert. Perspektivisch wollen wir aber auch explizite VoxUp-Eigenproduktionen ins Programm nehmen.

Nach welchen Formaten suchen Sie?

Vox-Chef Sascha Schwingel, sein Team und ich befinden uns in einem engen Austausch und definieren gemeinsam, wofür VoxUp steht. Da kamen wir beispielsweise schnell auf die Themen Reisen und Camping, von denen wir glauben, dass es noch Spielarten gibt, sie weiterzuspinnen. Zusammen mit RTL Studios bereiten wir daher gerade ein Camping-Format mit Spielshow-Charakter vor, das wir für das erste Halbjahr 2020 planen. Darüber hinaus waren wir schon sehr früh der Meinung, dass wir aus der Markenbekanntheit von bzw. der Markenerinnerung an "Voxtours" gerne etwas machen würden. So entstand die Idee, an einem Reboot zu arbeiten. Nun hat sich Reisen allerdings über die Jahre verändert, sodass man das "Voxtours" von damals heute nicht mehr so machen kann. Aktuell arbeiten wir deshalb erst mal an einem Special, um in einem nächsten Schritt zu schauen, wie es weitergeht. 

Angenommen, ich wäre Produzent und hätte eine tolle Idee für die Vox-Welt. Soll ich damit zu Sascha Schwingel oder Ihnen gehen?

Unterm Strich wird das keinen Unterschied machen, weil Sascha ohnehin zu uns kommen würde, wenn er der Meinung ist, dass das Format besser bei VoxUp aufgehoben ist.

Der Unterschied besteht also in den Budgets?

Klar sind die Budgets für VoxUp andere als für ein Format im Hauptprogramm. Aber auch da gibt es verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die wir gerade gemeinsam deutlich intensivieren. Grundsätzlich sehen wir in VoxUp ein wertiges und vor allem gleichwertiges Angebot.

Ungewöhnlich ist, dass Sie die Werbekunden künftig gewissermaßen dazu zwingen, ihre Spots bei beiden Sendern buchen, weil Sie die Werbeinseln spiegeln wollen.

Von Zwang kann keine Rede sein. Diese neue Vermarktungsform ist auf der einen Seite sehr innovativ, weil das in dieser Form in Deutschland noch niemand gemacht hat. Auf der anderen Seite gibt es in Kroatien, Frankreich und Spanien erfolgreiche Beispiele, bei denen eine solche Art der Vermarktung gut funktioniert. Timeshift-Sender wie Toggo Plus von Super RTL werden nach derselben Logik vermarktet, da ist es aber auch das selbe Programm. In den Gesprächen mit unseren Vermarktungskollegen hat sich gezeigt, dass aus dem Markt immer wieder die Frage kommt, wie man Komplexität reduzieren und gleichzeitig mehr Nettoreichweite bekommen kann, darauf haben wir mit der gemeinsamen Vermarktung von Vox und VoxUp jetzt die Antwort. Es ergibt also absolut Sinn, die Werbeinseln durchzuschalten. 

Das gefällt allerdings nicht jedem.

Aus dem Markt kommen viele positive Stimmen, aber auch ein paar kritische, was jedoch zu erwarten war. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir mit den höheren Nettoreichweiten die Werbekunden letztlich vom Konzept überzeugen.

Wird das Werbeumfeld dadurch nicht ein Stück weit egal, wenn die Spots sowohl bei "Ally McBeal" als auch bei "Sing meinen Song" laufen?

Da wir eine enorme Zielgruppen-Deckungsgleichheit mit Vox besitzen, ist das aus unserer Sicht ein echter Mehrwert.

Welches Zuschauerpotenzial erwarten Sie überhaupt für VoxUp?

Ich will es mal so sagen: Mit RTLplus haben wir vor zwei Jahren gezeigt, wohin die Reise gehen kann. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass dieses Potenzial nicht auch mit VoxUp realisiert werden kann. 


Mit Nitro haben Sie seit einiger Zeit die Zwei-Prozent-Hürde geknackt. Ist das womöglich eine natürliche Grenze für Sender dieser Größenordnung?

Der erste Baustein für Erfolg ist eine starke Daytime. Dadurch ergibt sich ein Potenzial von ein bis eineinhalb Prozent Marktanteil. Wenn man ernsthaft in der Lage sein möchte, die zwei Prozent auf Dauer zu überspringen, muss man in der Primetime erfolgreich sein – und das gelingt in aller Regel nicht ohne erhebliche Investitionen. Man kann das bei ZDFneo erkennen, dessen Erfolg sich aus dem Hauptprogramm speist, aber eben auch bei Nitro, wo wir in Fußball und Spielfilme investiert haben. Bei Sendern, bei denen das nicht gewährleistet ist, sieht man letztlich eine Grenze des Wachstums. 

Kann Nitro noch weiter wachsen?

Ich glaube fest daran, dass noch ein Wachstum stattfinden kann. Auf der anderen Seite haben wir in den vergangenen Jahren bereits viel optimiert, sodass die Möglichkeiten für weiter steigende Quoten geringer werden. Der Fußball hat geholfen, die Netto-Reichweite zu steigern. Um diesen Weg fortsetzen zu können, werden wir zusätzlich in Factual-Entertainment-Formate investieren und eigene Protagonisten als Stars etablieren.

Bei RTLplus haben Sie dagegen gerade den Schlager für sich entdeckt.

Der Start mit zuletzt einer halben Million Zuschauern war vielversprechend. Das ist eine Farbe, in der wir noch mehr Potenzial sehen. Es ist also gewissermaßen noch Musik drin in der Musik. Darüber hinaus denken wir auch hier über weitere Bereiche nach, die zum RTL-Universum passen. Anfang des Jahres werden wir daher ein etwas renoviertes RTLplus sehen, das sich aus neuen Ideen speist, die wir gerade entwickeln.

Sehen wir dann mehr oder weniger Gerichtsshows? 

Die Gerichtsshows sind eine tragende Säule des Erfolgs. Dagegen steht ein Stück weit die programmliche Monokultur, die sich aus der Länge der Sendestrecke ergibt. Aber auch da haben wir Ideen, mit denen wir das Programm in Zukunft anreichern wollen.

Eigentlich überraschend, dass Sie für RTLplus bislang keine eigenen Gerichtsshows produziert haben. 

Ich setze jetzt mal das Pokerface auf und sage: Gute Idee. (lacht)

Herr Schablitzki, vielen Dank für das Gespräch.


Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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