Evakuierung bei RTL © MG RTL D
Interview mit Schwetje, Wulf und Harscheidt

Evakuierung bei RTL: "Es muss alles sehr schnell gehen"

 

Eine Weltkriegsbombe hat am Dienstag zur zeitweisen Evakuierung des RTL-Sendezetrums geführt. DWDL.de sprach mit RTL-Chefredakteur Michael Wulf, ntv-Chefredakteurin Sonja Schwetje und CBC-Chef Thomas Harscheidt über den Ausnahmezustand.

von Alexander Krei
21.01.2020 - 18:03 Uhr

Frau Schwetje, Herr Wulf, Herr Harscheidt, wie hat Sie die Nachricht erreicht, dass das Sendezentrum der Mediengruppe komplett evakuiert werden muss?

Thomas Harscheidt: Auf meiner "Uhr", während ich gerade Fußball spielte.

Sonja Schwetje: Unser Leiter Regie Operations hat mich kurz nach 19 Uhr angerufen und eine Vorwarnung gegeben. Dass tatsächlich das gesamte Sendezentrum evakuiert werden muss, wurde erst im Verlauf des Abends klar. Wir haben uns nach dem ersten Hinweis auf diesen Fall vorbereitet.

Michael Wulf: Wir hatten in Berlin die Live-Sendung "Falsche Polizisten", als mich die Nachricht erreichte. Parallel zur Live-Sendung haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, "Punkt 12" live aus Berlin zu fahren.

Wie kurz war die Nacht?

Harscheidt: Kurz.

Schwetje: Direkt nach dem ersten Hinweis gestern Abend um 19:21 Uhr haben wir mit den Vorbereitungen begonnen und bereits vieles angestoßen. Das fing an mit der Info an alle relevanten Bereiche von Produktions- und Sendetechnik, CvDs, Moderatoren, Maske sowie Redakteure und ging hin bis zur Orga eines Ersatz-Newsrooms, den wir dann heute im Café Heimisch in Deutz hatten. Ich persönlich konnte mich gegen 23 Uhr mit einem guten Gewissen bis heute Morgen gegen 6 Uhr ausklinken, da ich weiß, wenn die entscheidenden Kolleginnen und Kollegen im Bilde sind, arbeiten sie eigenverantwortlich und jeder weiß genau, was er oder sie zu tun hat. 

Wulf, Schwetje, Harscheidt

Michael Wulf, Sonja Schwetje, Thomas Harscheidt

Wie ist in einer solchen Situation das Verhältnis zwischen Vorbereitung auf einen solchen Ernstfall auf der einen und kurzfristiger Improvisation auf der anderen Seite?

Wulf: Es muss alles sehr schnell gehen. Checken, ob wir so eine komplexe Zweistunden-Sendung aus unserem Studio in Berlin produzieren können. Wie bekommen wir Moderatorin und Team rechtzeitig nach Berlin? Was passiert, wenn die Entschärfung länger dauert? "Explosiv", "Exclusiv" und "RTL aktuell" hätten dann auch mit Notsendungen aus Berlin ausgestrahlt werden müssen. Wo können wir die ganzen Beiträge - bis zu 20 Stück - schneiden, da die Kölner Schnitträume nur bis 9 Uhr genutzt werden konnten?

Schwetje: Bei ntv hilft die Erfahrung aus zahlreichen Breaking-News-Situationen. Man kann bestimmte Abläufe standardisieren, muss aber in jedem einzelnen Fall genau auf die Details schauen. Diese Kombination aus planbaren Routinen und Improvisation ist die Grundlage für uns, jederzeit schnell zu reagieren.

Harscheidt: Backups für einen solchen Ernstfall haben wir schon vor zehn Jahren geschaffen, als wir das Produktions- und Sendezentrum geplant haben. Der Masterplan für Postproduktion, Studioproduktion und Sendebetrieb stand also. Wann, wie lange und welche Sendungen betroffen sind, wissen wir vorher natürlich nicht, da geht dann die individuelle Organisation los: ntv live vom Rheinufer, "Punkt 12" live aus dem Hauptstadtstudio, Playout aus Ossendorf und so weiter.

Ein Konferenzsaal im Hotel, spontane Nachrichtensendungen unter freiem Himmel und aus Berlin – wie läuft da eigentlich die Kommunikation?

Harscheidt: Unsere Standorte in Deutz, Berlin und Ossendorf und unsere Außenübertragungseinrichtungen sind natürlich immer miteinander verbunden. Darüber hinaus ganz viele Mobile Devices, die intensiv genutzt wurden.

Wulf: Die Kommunikation lief parallel über Telefon, E-Mail, WhatsApp und Slack. Im Marriott, wo ca. 40 Kollegen den improvisierten RTL-Newsroom für unsere News, Magazine und RTL.de bezogen hatten, lief natürlich auch viel über persönlichen Austausch. Das war alles schon sehr gut und vor allem der Spirit der Kollegen aus den verschiedenen Bereichen hat uns alle begeistert. 

Inzwischen ist die Bombe entschärft worden. Wie lange braucht es eigentlich, bis Technik und Mitarbeiter wieder im Normalbetrieb laufen?

Harscheidt: Das geht schnell. Wir haben um 13 Uhr auf einen ziemlich regulären Betrieb in Deutz zurückgeschaltet. Punkt 12 kam natürlich bis zum Ende der Sendung live aus dem Berliner Studio.

Schwetje: Live ist für uns bei ntv ja Normalbetrieb. (lacht) Nachdem die Sperrung gegen 11:53 Uhr aufgehoben wurde, sind alle am Sendebetrieb beteiligten Mitarbeiter innerhalb von rund 30 Minuten im Sender gewesen. Wir haben bis 13 Uhr noch aus der mobilen Regie gesendet und danach wieder aus dem Sendezentrum in Deutz.

Wulf: Unsere Sendungen ab 18 Uhr - "Explosiv", "Exclusiv" und "RTL aktuell" - laufen alle wieder normal aus dem Kölner Studio.

Herzlichen Dank für das Gespräch.


Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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