Wer sich Geschäftsberichte von Aktiengesellschaften durchliest, muss sich oft durch durch ein breit gefächertes Sammelsurium kämpfen: Häufig werden Marktlage und der Status Quo des eigenen Geschäfts in blumig-optimistischen Worten beschrieben - und auf der anderen Seite gibt’s die knallharten Finanzkennzahlen, die hin und wieder eine ganz andere Sprache sprechen. Insofern ist der Geschäftsbericht von Highlight Communications für das Jahr 2025 besonders. Dort redet man nicht lange um den heißen Brei - und schenkt sowohl den Aktionärinnen und Aktionären sowie der breiten Öffentlichkeit reinen Wein ein.
Es bestünden "wesentliche Unsicherheiten, die erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen", heißt es da. Ob die liquiden Mittel zur Abdeckung des laufenden Geschäftsbetriebs für zwölf Monate reichen, will in der Schweiz niemand bestätigen. Ende November muss man 74,5 Millionen Schweizer Franken an ein Bankenkonsortium zurückzahlen. Beide Punkte führt Highlight als Unsicherheit für das eigene Unternehmen auf. Wohl auch deshalb hatte CEO Bernhard Burgener zuletzt gegenüber DWDL.de einen Verkauf der prestigeträchtigen Constantin Film nicht mehr ausgeschlossen.
Da ist aber noch mehr: Neben dem Film-Segment operiert Highlight im Bereich Sport und Event, hier sind unter anderem die Sport1 Medien GmbH sowie der Sportvermarkter TEAM untergebracht. Und auch hier läuft es alles andere als nach Plan. Highlight muss nämlich nicht nur 74,5 Millionen Franken an Finanzverbindlichkeiten an Banken zurückzahlen, es sind auch 57,5 Millionen Euro an längst fälligen Lizenzkosten offen, die aus der Sport1 Medien GmbH resultieren. Die Verlängerung bzw. Restrukturierung dieser Verbindlichkeiten ist aktuell ebenfalls unklar, sodass Highlight auch darin einen wesentlichen Unsicherheitsfaktor für die Fortführung der Unternehmenstätigkeit sieht.
Man führe mit den beteiligten Banken und "relevanten Vertragspartnern und Lieferanten" Gespräche, um die bestehenden Verbindlichkeiten zu verlängern oder zu restrukturieren, heißt es im Geschäftsbericht von Highlight Communications. Im Falle der Lizenzverbindlichkeiten von Sport1 dürfte das gleich doppelt schwierig werden. Zum einen sind die 57,5 Millionen Euro bereits durch Aktien der Sport1 Digital GmbH besichert. Darüber hinaus hat Highlight bei der Sport1 Medien GmbH eine Wertberichtigung durchgeführt. Der Geschäfts- bzw. Firmenwert wird inzwischen mit 0 geführt, ein Jahr vorher waren es noch 84,5 Millionen Schweizer Franken.
Wer hält Sport1 Digital als Sicherheit?
Anleger oder Geldgeber, die signifikant in ein Unternehmen investieren, wollen normalerweise Sicherheiten haben, um im Worst Case abgesichert zu sein. In dieser Form sieht es nicht so aus, als könnte Highlight die Sport1 Medien GmbH noch als Sicherheit anbieten. Auch den Wert des Online-Casinoanbieters Jackpot50 hat man vollständig abgeschrieben, das Angebot wurde eingestellt. Oder wie es Highlight Communications im Geschäftsbericht 2025 formuliert: Der Geschäfts- oder Firmenwert der beiden Unternehmen sei "nicht mehr durch die geschätzten zukünftigen Cashflows gedeckt".
Bernhard Burgener muss sich also etwas einfallen lassen, um die verfahrene Situation aufzulösen. Spannend in dem Zusammenhang ist vor allem die Frage, gegenüber wem man die Besicherung der Sport1 Digital GmbH eingegangen ist. Durch die alleinige Höhe der Lizenzverbindlichkeiten könnte man darauf schließen, dass Sport1 bei einem relativ großen Verband - mit entsprechend teuren Rechten - in der Kreide steht und dieser Verband das Digitalgeschäft als Sicherung bekommen hat.
Fragen dazu - und darüber hinaus - will Bernhard Burgener auf Anfrage von DWDL.de nicht beantworten. Er teilt lediglich mit, dass man die vom Gesetz vorgeschriebenen regulatorischen Anforderungen und Informationspflichten in den Geschäftsberichten "umfassend, transparent und vollständig" erfüllt habe. "Zu einzelnen Vertragsbeziehungen, Vereinbarungen oder beteiligten Parteien können wir uns aus Gründen des Datenschutzes, bestehender Vertraulichkeitsverpflichtungen sowie des Schutzes von Geschäftsgeheimnissen nicht näher äußern."
Selbst das Digitalgeschäft schrumpft
Es bleibt einstweilen also unklar, wer das Digitalgeschäft von Sport1 aktuell als Sicherheit hält. Das Unternehmen oder der Verband bzw. die Organisation wird aber mit Argusaugen auf die Geschäftsentwicklung schauen - und die sieht aktuell alles andere als gut aus. Auch das Digitalgeschäft leidet, hier ging der Umsatz nach Konzernangaben im vergangenen Jahr zurück. Diese Entwicklung im digitalen Bereich stehe im Gegensatz zum wachsenden Markt und deute auf "signifikante Marktanteilsverluste" hin, räumt Highlight im Geschäftsbericht zum Digital-Business von Sport1 ein.
Der digitale Bedeutungsverlust lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Die Visits lagen im vergangenen Jahr im Monatsschnitt bei rund 67,3 Millionen, das waren 16 Prozent weniger als im Jahr davor. Die Video Views gingen sogar um 27 Prozent zurück. Und auch zuletzt schwächelte das Geschäft noch: Im ersten Quartal 2026 konnte Sport1 nur monatliche Visits von rund 63 Millionen ausweisen (-12 Prozent), die Video Views reduzierten sich um weitere 18 Prozent auf 10,39 Millionen pro Monat.
Umsatzentwicklung des Segments Sport und Event
dwdl.de/zahlenzentrale
Die Umsatzentwicklung des Segements Sport und Event bei Highlight Communications in den vergangenen Jahren. Schon 2024 ging es auf das Niveau des Corona-Jahres 2020 zurück. 2025 folgte dann der große Absturz. Zwischen 2018 und 2020 sind die Bereiche Sport sowie Sport- und Event-Marketing noch getrennt geführt worden, für eine bessere Vergleichbarkeit haben wir die Umsatzzahlen der beiden Bereiche in der Grafik zusammengerechnet.
Im vergangenen Jahr prüfte Sport1, möglicherweise auch angesichts des finanziellen Drucks, einen Verkauf seiner Digitalaktivitäten. Daraus ist nichts geworden - wohl auch aufgrund viel zu hoher Preisvorstellungen. Im vergangenen Jahr berichteten mehrere Medien, darunter die "SZ" und DWDL.de, über die kolportierten Wunschpreise von Highlight, die so wohl kaum zu realisieren sind - erst recht nicht mit der nun auch via Geschäftsbericht verbrieften, gesunkenen Attraktivität des Angebots. Auch zum möglichen Verkauf von Sport1.de will sich Highlight-CEO Bernhard Burgener nicht äußern.
In jedem Fall hat Highlight-CEO Burgener ein großes Interesse daran, die finanzielle Situation gerade zu biegen. Die Highlight Communications hat nämlich auch eine Patronatserklärung zugunsten der Sport1 Medien GmbH für den laufenden Restrukturierungsprozess in Höhe von 8,6 Millionen Euro abgegeben. Im schlimmsten Fall müsste Highlight also für Sport1 einspringen und zahlen. Mehrere Insider des Konzerns, mit denen DWDL.de in den zurückliegenden Wochen und Monaten gesprochen hat, weisen darauf hin, dass das zu einer Kettenreaktion führen könnte.
Plazamedia für 1 Euro verkauft
Wie angespannt die Lage bei der Sport1 Medien GmbH ist, zeigt sich auch am Verkauf der Produktionstochter Plazamedia. Im vergangenen Jahr hatte man das Unternehmen an die schwedische DMC Production verkauft, seit Anfang dieses Jahres firmiert die deutsche Tochter als DMC Production Germany. Aus dem kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht von Highlight geht hervor, dass Plazamedia für den symbolischen Betrag von 1 Euro verkauft wurde. Aus der Veräußerung ergab sich für Highlight sogar noch ein Entkonsolidierungsaufwand in Höhe von rund 7,25 Millionen Schweizer Franken, fast 8 Millionen Euro.
Plazamedia galt im Sport1-Konzern lange als strategisch wichtig. Dass man sie nun quasi hergeschenkt hat, zeugt von einem enormen Druck, der auf Highlight lastet. Unternehmensinsider werfen Bernhard Burgener vor, zu lange am Unternehmen festgehalten zu haben. Vor allem ist es der Verkaufspreis, der Fragen zur Transaktion aufwirft, aber auch dazu will sich Bernhard Burgener gegenüber DWDL.de nicht äußern.
Und es gibt noch mehr schlechte Nachrichten: Zum Segment Sport und Event von Highlight zählt bekanntlich auch der Sportvermarkter TEAM, seit mehr als 30 Jahren arbeitet man hier mit der UEFA zusammen. Der aktuelle Vertrag zur Vermarktung der UEFA-Klubwettbewerbe läuft jedoch 2027 aus. Dass diese für den Konzern wichtige Zusammenarbeit nicht weiter geht, weiß man schon seit Anfang des vergangenen Jahres. Im jüngst veröffentlichten Quartalsbericht (Q1 2026) ist festgehalten, dass man im kommenden Quartal einen Schwerpunkt darauf legen wolle, "neue strategische Optionen für die Zeit nach 2027 voranzutreiben". Oder mit anderen Worten: Es gibt aktuell noch keinen gleichwertigen Ersatz für den Verlust der wichtigen Vermarktungsrechte von Champions League & Co.
Und dann ist da ja auch noch der lineare Sender Sport1, an dem nun schon seit einiger Zeit das türkische Medienunternehmen Acunmedya 50 Prozent besitzt. Zur Erinnerung: Acunmedya ist direkt beim Sender, also der Sport1 GmbH, eingestiegen, nicht aber bei der übergelagerten Sport1 Medien GmbH. In beiden Unternehmen hat aber der von Acunmedya entsandte Tufan Özkul die Geschäftsführung inne.
Was sagt Acunmedya?
Auch beim linearen TV-Sender bleibt die Situation angespannt: Die von Acunmedya vorangetriebene Entertainment-Offensive sorgt weiterhin nicht für signifikante Reichweiten - entsprechend schleppend läuft die Vermarktung. Hinzu kommt, dass man zuletzt auch die für Reichweiten und Vermarktung so wichtige Darts-WM verloren hat - das kommende Turnier wird das letzte sein, das bei Sport1 übertragen wird. Danach übernimmt ProSiebenSat.1 im Free-TV (DWDL.de berichtete). Und auch der für den Sender so wichtige "Doppelpass" hat, anders als in den zurückliegenden Jahren, noch immer keinen Titelsponsor. Es sind viele Dinge, die in Ismaning aktuell zusammenkommen.
Doch was sagt eigentlich Acunmedya zur derzeitigen Situation bei Sport1? Gegenüber DWDL.de heißt es von einem Sprecher des Unternehmens, dass man insgesamt zufrieden mit dem Markteintritt in Deutschland und dem Engagement bei Sport1 sei. "Natürlich sind wir in einer sehr herausfordernden Phase für die TV-Branche in den deutschen Markt eingestiegen, der sich aktuell in einem starken Konsolidierungsprozess befindet. Umso wichtiger ist es, dass wir bereits Synergien innerhalb von Acun Medya nutzen können und erste positive Effekte aus dieser Zusammenarbeit sehen. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass dies ein fortlaufender Prozess ist – wir bewegen uns in die richtige Richtung, sind aber noch lange nicht am Ziel."
Auf die Frage, ob sich Acunmedya auch eine komplette Übernahme von Sport1 vorstellen kann, antwortet der Sprecher, dass nicht die Höhe der Beteiligung im Vordergrund stehe, sondern der Erfolg des Senders. Dass Highlight Communications den Firmenwert der Sport1 Medien GmbH auf null gesetzt hat, will man in der Türkei nicht kommentieren. "Was wir sagen können: Wie von Highlight selbst transparent erläutert wurde, handelt es sich um eine interne Entscheidung mit Ursprung im Jahr 2017, die keinen Bezug zur aktuellen Bewertung von Sport1 hat."
Entscheidendes Jahr für den Konzern
Darauf angesprochen, äußert sich Highlight-Chef Bernhard Burgener auch. Er sagt: "Die Goodwill-Position entstand im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot der Highlight-Gruppe an die Sport1 Medien-Gruppe (eh. Constantin Medien AG) im Geschäftsjahr 2017. Nach IFRS entsteht Goodwill im Rahmen einer Unternehmenstransaktion, wenn der Kaufpreis den beizulegenden Zeitwert der übernommenen identifizierbaren Vermögenswerte und Schulden übersteigt. Die Erstkonsolidierung erfolgte im 1. Quartal 2018. Dies steht in keinem Zusammenhang mit der Acunmedya."
Im April 2025 hatte der damalige Sport1-Geschäftsführer Matthias Reichert im DWDL.de-Interview noch gesagt, 2026 werde für den Sender das "entscheidende Jahr". Er wird wohl recht damit behalten. Meinte Reichert damals aber vor allem die neue inhaltliche Ausrichtung des Senders, gilt das nun sogar für den gesamten Konzern im Hintergrund von Sport1. Der Geschäftsbericht ist da sehr eindeutig: Irgendwas muss in den nächsten Monaten passieren. Mittlerweile ist es jedenfalls unmöglich, die Zukunft von Highlight Communications, gerade im Bereich Sport und Event, noch in irgendeiner Form blumig-optimistisch zu umschreiben.
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