Der "Altmühl-Bote" und das "Weißenburger Tagblatt", zwei Heimatzeitungen aus dem Verlag der "Nürnberger Nachrichten", konnten Ende August mit ihrem lokalen Wissen glänzen. Anders als von manchen überregionalen Medien berichtet, habe die Constantin Film vor dem Abbruch ihres geplanten Serienprojekts "Die Päpstin" (DWDL.de berichtete) keine Kulissen auf der Hohenzollernfestung Wülzburg aufgebaut. Stattdessen sei der Innenhof der Festung zum fraglichen Zeitpunkt noch für Konzerte bestuhlt gewesen, konnten die Journalisten bei ihrem Vor-Ort-Besuch feststellen.
Freilich sei der kurzfristig abgesagte Dreh für die Region ein Schlag ins Kontor, da neben weiteren Drehorten in der Nähe auch die Anmietung etlicher Ferienwohnungen für die Filmcrew sowie eines leerstehenden Ämtergebäudes als Produktionsbüro vereinbart gewesen sei. Die Produktionsfirma selbst hat naturgemäß noch viel mehr an dem Rückschlag zu knapsen. Das Serien-Remake der "Päpstin", budgetiert mit rund 20 Millionen Euro, wäre das größte Projekt für dieses und nächstes Jahr gewesen – und sorgt nun für erhebliche Erlösausfälle in den kommenden Jahren.
Die konjunkturelle Achterbahnfahrt, die der Produktionsmarkt durchmacht, beschert der Constantin noch heftigere Amplituden als dem Rest der Branche. 2025 war vor allem dank Bullys Kino-Blockbuster "Das Kanu des Manitu" und hoher Streaming-Umsätze ein Top-Jahr: Der Münchner Konzern erlöste 329 Millionen Euro – und damit knapp 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Es ist diese Steigerung, die Constantin zurück in die Liste der fünf größten Produktionsriesen katapultiert hat, wo sie zwei Jahre lang nicht mehr aufgetaucht war. (Dafür ist die Bavaria Film mit 304 Millionen Euro Umsatz diesmal herausgefallen.)
Dass der Mehrumsatz zu deutlich höheren Kosten erkauft wurde, zeigt der Umstand, dass die betrieblichen Aufwendungen laut Geschäftsbericht der Konzernmutter Highlight Communications um knapp zwölf Prozent stiegen und das Ergebnis sich infolgedessen auf 5,6 Millionen Euro nahezu halbierte. 2026 erwies sich auch schon vor dem Abbruch der "Päpstin" als schwieriges Jahr für die Constantin. Im ersten Halbjahr sanken die Umsätze um 13 Prozent auf 93 Millionen Euro, der Verlust stieg um 55 Prozent auf knapp sieben Millionen Euro.
Umsatz 2025: 329 Millionen Euro (Platz 5 der DWDL.de-Produktionsriesen) Gesellschafter: Highlight Communications (100%) Vorstand: Oliver Berben (CEO), Martin Bachmann, Hanns Beese Produktionsfirmen: Constantin Entertainment, Constantin Film Produktion, Constantin Pictures, Dahoam Television, Hager Moss Film, Moovie, Olga Film, Rat Pack Filmproduktion, Westside Filmproduktion Produktionen 2026 (Auswahl): Achtsam Morden (Netflix); Aliens over Meck-Pomm (Kino); Bully – Leider Live (RTL); Dahoam is Dahoam (BR); Der Krimi aus Brandenburg (ARD); Der Ursprung der Liebe (ARD); Die Falle (Netflix); Die Täuschung (ARD); Frankfurt Mord (ZDF); Kaulitz & Kaulitz (Netflix); LOL (Prime Video); Shopping Queen (Vox); Ulrich Wetzel – Das Strafgericht (RTL); Zeit der Wunder (ZDF)Constantin Film auf einen Blick
© Sony Pictures/Constantin Film/Dušan Martinček
"Toller Neustart": Constantin hofft aufs Reboot von "Resident Evil"
Nachdem die jüngste Eberhofer-Verfilmung "Steckerlfischfiasko" schon über 1,3 Millionen Zuschauer ins Kino gelockt und damit einen neuen Bestwert für die populäre Reihe der Constantin Film Produktion aufgestellt hat, erwartet Berben im Herbst die höchsten Erlösbeiträge von "Der perfekte Urlaub" und "Resident Evil". Bora Dagtekins Sequel zum Blockbuster "Das perfekte Geheimnis" mit über fünf Millionen verkauften Tickets startet am 22. Oktober. Das von Zach Cregger inszenierte "Resident Evil"-Reboot (Kinostart: 17. September) ist der erste Aufschlag für das Horror-Franchise seit der 2022 abgesetzten Netflix-Serie. Hierbei gehe es "nicht nur um die wirtschaftliche Dimension", sagt Berben. "Wir wollen einen tollen Neustart für diesen Kosmos schaffen, auf den man dann auch künftig aufbauen kann."
Mehr als die eigene operative Performance macht der Constantin jedoch die wachsende Ungewissheit aufseiten ihres Gesellschafters Highlight zu schaffen. Wie DWDL.de bereits im Mai berichtete, hat die von Bernhard Burgener gesteuerte Schweizer Medienholding sämtliche Constantin-Aktien zur Sicherheit ihrer Gläubiger beliehen – mit einem Buchwert von umgerechnet 150 Millionen Euro. Ende November muss Highlight einen Bankenkredit von umgerechnet rund 64 Millionen Euro ablösen, dessen Refinanzierung nach Unternehmensangaben von Ende April unsicher ist. Sollte die Refinanzierung scheitern, könnte Constantin zumindest in Teilen an das Bankenkonsortium unter Führung der Schweizer UBS fallen. Einen möglichen proaktiven Verkauf der Constantin hatte Burgener gegenüber DWDL.de nicht ausgeschlossen. Zuletzt berichtete die "Welt" Mitte August, von den beteiligten Parteien seien "bereits Fühler zu europäischen Medienunternehmen wegen einer Übernahme ausgestreckt worden, bisher anscheinend ohne Erfolg".
Die anhaltende Mischung aus Sorgen und Gerüchten beherrscht sowohl den Flurfunk der Münchner als auch Gespräche mit Geschäftspartnern. Wird Berben etwa beim Essen mit anderen Konzernchefs gesichtet, schwellen in der Branche sofort die Interpretationen an. Berben selbst gibt sich auf Nachfrage noch immer betont gelassen: "Die Constantin Film ist wirtschaftlich sehr gut aufgestellt. Fragen, die unsere Gesellschafter betreffen, haben keinen Einfluss auf das operative Geschäft. Wir arbeiten konzentriert an unseren Projekten, und diese Haltung spiegelt auch die Stimmung im Unternehmen wider." Zu den strategischen Überlegungen von Highlight äußere man sich nicht. Auch Burgener wollte sich auf Nachfrage nicht erneut äußern.
Vor diesem Hintergrund fällt eine außerordentliche Hauptversammlung der Constantin ins Auge, die am 21. August im Büro einer Münchner Notarin abgehalten wurde. Einzige Teilnehmerin war laut Protokoll, das DWDL.de vorliegt, eine Vorstandsreferentin der Constantin als Bevollmächtigte des Alleingesellschafters Highlight. Beschlossen wurde die Umwandlung von 6,37 Millionen Vorzugsaktien ohne Stimmrecht in stimmberechtigte Stammaktien. Damit sind nun alle 12,74 Millionen Constantin-Aktien Stammaktien. Eine solche Vereinfachung der Struktur auf eine einheitliche Aktiengattung ist typisch für die Vorbereitung einer Transaktion, um das Angebot für Investoren attraktiver zu machen.
In derselben Versammlung, die insgesamt nur 26 Minuten dauerte, wurde ein sogenanntes Genehmigtes Kapital über weitere 6,37 Millionen Aktien verabschiedet, also genau die Hälfte des bisherigen Grundkapitals. Das heißt, dass der Vorstand innerhalb der nächsten fünf Jahre neue Aktien bis zu dieser Höhe gegen Bar- oder Sacheinlage ausgeben und dabei unter bestimmten Voraussetzungen das Bezugsrecht der bisherigen Aktionäre ausschließen darf. Konkret folgt daraus, dass ein neuer Minderheitsinvestor bis zu 33,3 Prozent der Constantin-Anteile erwerben könnte, während Highlight zwei Drittel behielte. Mit dem mutmaßlichen Kaufpreis könnte der Bankenkredit zurückgezahlt werden. Alternativ wäre auch eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage möglich, laut Protokoll "insbesondere zum Erwerb von Unternehmen, Unternehmensteilen oder Beteiligungen an Unternehmen". Ein Investor könnte also eine Beteiligung oder einen Unternehmensteil in die Constantin einbringen und dafür Constantin-Anteile erhalten.
Last but not least fiel der Beschluss zur Erweiterung des Aufsichtsrats von vier auf sechs Mitglieder. Die zwei neuen Köpfe, Clive Ng und Hasan Dilsiz, sprechen dafür, dass Aufsichtsratschef Burgener seine Kontrolle über die Constantin verstärkt. Dilsiz ist im Hauptjob Group CFO der Highlight-Gruppe, während der Malayo-Amerikaner Ng, neuer Aufsichtsrats-Vize, eine lange Historie als Medienunternehmer und Investor hat. Er sitzt seit 2020 im Verwaltungsrat der Highlight-Muttergesellschaft Highlight Event & Entertainment AG und ist auch Vice Chairman der amerikanischen Vertical-Drama-Plattform Crisp Momentum, für die Constantin Entertainment im Frühjahr zwei Serien produziert hat. Die Summe der Beschlüsse lässt keinen Zweifel: Constantin kann schon bald einen neuen Investor aufnehmen, ohne dass Burgener die Kontrolle verliert.
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