Das Jahr stand eindeutig im Zeichen dessen, was allmählich niemand mehr hören mag. Die Krise war allgegenwärtig. Ob sie nun psychologisch motviert war, oder ob die Kassen überall wirklich knapp waren: Viele Medienhäuser sehen am Ende des Jahres deutlich anders aus, als noch vor einem Jahr. Schlanke Strukturen, Content-Desks und Bezahlinhalte sind nur einige der Veränderungen, die 2009 der Branche beschert hat.Auch inhaltlich wurde die Krise spürbar. Statt großer Neuentwicklungen ließ man vielfach Vorsicht walten und setzte auf Bewährtes - oder neu Zusammengestelltes. Bei den Programminhalten setzte sich der Siegeszug dessen, was man landläufig als dokumentarische Inhalte bezeichnet, weiter fort. Die Primetime der privaten Sender ist mittlerweile bevölkert von Beratern, Helfern, Kupplern und ihren Schützlingen so ziemlicher jeder Berufssparte und Gesellschaftsschicht. Doch der Kern der Sache geriet dabei immer weiter in den Hintergrund.
So steht mehr und mehr das persönliche Schicksal der Protagonisten im Vordergrund. Den Schuldenberater interessiert mittlerweile auch, wie der Streit zwischen den verschuldeten Eheleuten denn genau ablief und bei den Casting-Shows geht es mehr um das Super-Schicksal als um künstlerisches Talent. Wo Schicksal für kleines Geld und am Fließband hergestellt werden muss, darf mittlerweile auch ganz offen nachgeholfen werden. Am Nachmittag schreibt die besten Geschichten nicht mehr das Leben, sondern die Autoren erschaffen die Scripted Reality. Das ist günstiger, besser zu planen und - auch das noch - es kommt beim Publikum hervorragend an.
Wenn die Trends bei den Inhalten schon auf sich warten lassen, so scheint sich technisch derzeit einiges zu bewegen - und das lassen sich die Sender wenigstens etwas kosten. Allerdings muss der Zuschauer - zumindest bei den Privaten - künftig mitzahlen: In der Fernsehbranche wittert man ein wenig Morgenluft Dank HDTV. Der neue Übertragungsstandard soll endlich den Massenmarkt erreichen. Die Programmanbieter und Infrastruktur-Unternehmen stehen in den Startlöchern und auch die Öffentlich-Rechtlichen ziehen ab Feburar mit.
Dort ist ohnehin einiges passiert im vergangenen Jahr: Der NDR wurde vom Skandal um seine Fernsehspielchefin erschüttert, das ZDF macht sich mit einem neuen Sender auf die Suche nach jungen Zuschauern und die Politik hat öffentlichkeitswirksam dokumentiert, wie groß ihr Einfluss auf die journalistischen Führungsposten beim ZDF ist. Die politischen Konsequenzen, die dadurch angestoßen wurden, werden sich bis zu einer Lösung entweder noch über Jahre hinziehen - oder sind in wenigen Wochen wieder vollends vom Tisch.






