Mission Familie © Sat.1
Lizenz gekauft, Titel geändert

Warum versteckt Sat.1 die "Super Nanny"?

 

Zweieinhalb Jahre nach dem Aus bei RTL feiert die "Super Nanny" ihr deutsches TV-Comeback. Gemeint ist nicht Katharina Saalfrank, sondern das von Warner Bros. vertriebene Reality-Format. Sat.1 bemüht sich jedoch, die Herkunft zu verschleiern.

von Torsten Zarges
17.03.2014 - 09:48 Uhr

Dass Sat.1 am 26. März eine neue Doku-Soap startet, in der die Psychologin Alina Wilms verzweifelten Eltern bei Problemen mit ihren Kindern hilft, ist kein Geheimnis. Mitte Februar hatte der Sender das Format mit zunächst sechs Folgen für mittwochs um 22.15 Uhr angekündigt, damals noch unter dem Arbeitstitel "Familien in Not". Inzwischen ist klar, dass die Coaching-Reihe unter dem Titel "Mission Familie" das Licht des Bildschirms erblicken wird.

Was Sat.1 jedoch nicht an die große Glocke hängen mag, ist die Herkunft des von Tresor TV produzierten Formats: Bei "Mission Familie" handelt es sich um die neue deutsche Lizenzversion von "Supernanny" aus dem Formatkatalog von Warner Bros. International Television. Die ursprünglich aus Großbritannien stammende Doku-Soap lief in Deutschland sieben Jahre lang als "Super Nanny" bei RTL. Sie endete dort im November 2011, als Katharina Saalfrank, einer der ersten Coaching-Stars im deutschen TV, keine Lust mehr hatte.



Da man sich bei RTL dagegen entschied, das Format mit einer anderen Protagonistin fortzusetzen, wurde die Lizenz für den deutschen Markt wieder frei - und Sat.1 griff zu. Mit der Umsetzung wurde alsbald die "Super Nanny"-erfahrene Produktionsfirma Tresor TV beauftragt. "Ja, wir haben die Lizenz erworben", sagt Sat.1-Sprecherin Diana Schardt auf DWDL.de-Anfrage. "Wir nutzen die Originalmarke 'Supernanny' nicht, weil wir mit einem neuen Host und einer neuen Erzählweise auf ein dennoch nach wie vor starkes Erziehungsthema setzen."

In der Tat ist die studierte Therapeutin Wilms ein anderer Typ als Diplom-Pädagogin Saalfrank und geht die Fälle auch mit ihrer eigenen Methode an, etwa mit einem Therapiehund. Hinzu kommt für Sat.1 aber wohl das nicht ganz unwesentliche Argument, dass es rund um das Ende der "Super Nanny" bei RTL ein eher negatives öffentliches Echo gab. Für Warner Bros. als Lizenzgeber ist es dem Vernehmen nach ungewöhnlich, aber eben nicht unmöglich, einer solchen Titeländerung zuzustimmen.

Wer sich angesichts der Zusammenhänge freilich weit aus dem Fenster lehnt, ist die neue "Mission Familie"-Protagonistin Alina Wilms höchstpersönlich. In einem von der Agentur "teleschau" verbreiteten Interview distanziert sie sich so vehement vom Format "Super Nanny", als wisse sie gar nicht, dass sie für genau dieses jetzt tätig ist. Auf die naheliegende Frage "Sind Sie die neue 'Super Nanny'?" weist Wilms die Bezeichnung als "unpassend" zurück und erklärt: "Wenn Sie mich dennoch 'Super Nanny' nennen wollen, wäre das schade, da dann zwei völlig verschiedene Formate in einer Schublade landen würden."
Noch so eine ungeahnte Gemeinsamkeit: Auch Format-Vorgängerin Saalfrank hatte sich mit manch unbedachter Interview-Äußerung keinen Gefallen getan.

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